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Stadtzeitung für Frankfurt


Gastkommentare

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Gedanken, Geschichten, Kommentare von Elvira M. Gordon-Pusch

 

Nummern A-7063 und A-7064

 

 


Vor einigen Tagen las ich ein sehr berührendes und erschütterndes Buch. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, weil mich der  Mut und der Glaube eines Kindes faszinierte, der unbedingte Lebenswille, sich und seine Zwillingsschwester durch eine grausame Zeit zu retten. Dieses Buch in den Schulunterricht aufgenommen, könnte viele Jugendliche aus ihrer Gleichgültigkeit reißen.

Die beiden Mädchen waren   1934 im rumänischen Siebenbürgen geboren worden. Während der Vater die Zeichen der Zeit erkannte und wie sein Bruder nach Palästina reisen wollte, weigerte sich die Mutter, alles aufzugeben und noch dazu mit vier kleinen Kindern im Unbekannten wieder neu zu beginnen.

Zehn Jahre waren die beiden Mädchen alt, als sie und ihre Familie nach Birkenau/Auschwitz verfrachtet und gleich nach ihrer Ankunft von dieser getrennt wurden. Denn Zwillinge, noch dazu eineiige,  waren im Lager eine sehr begehrte Ware. Weil der KZ-Arzt Josef Mengele, auch „Todesengel von Auschwitz” genannt, sie für seine abscheulichen Versuche missbrauchte. Ja, Auschwitz war mehr als Vergasen und Verbrennen.

Doch das kranke System, das sich „für die Ehre und den Ruhm des Vaterlandes” nicht nur durch die abartigsten Experimente und millionenfache Morde auszeichnete, wird von vielen heute noch immer gelobt. Nach wie vor werden die perversen Triebe des damaligen Regimes von Hass Zerfressenen befürwortet, von gedankenlosen Bewunderern verharmlost.

Trotz des unter Strafe gestellten Verbotes der Leugnung des Holocaust, der Verbrechen, der Unmenschlichkeit, schwelt der Antisemitismus in unseren Landen weiter, wird genährt durch verführerisch-gehässige Propaganda. Und fällt - mangels entsprechender Bildung - auf fruchtbaren Boden.

Es hat lange gebraucht, bis wir den Mut hatten, der Wahrheit ins Auge zu sehen und die unbegreifliche Verblendung unserer Väter und Großväter als Teil unserer Geschichte anzunehmen. Schon bald wird es keine Zeugen mehr geben. Unsere Aufgabe ist es, gegen das Vergessen anzukämpfen. Wir dürfen nicht müde werden, zu warnen. So wie Eva Mozes Kor, die den Todesengel überlebte.

 

 

 

 

 

Ohne Not der Natur ins Handwerk pfuschen?

 

 


Dick aufgeplusterte Schlauchbootlippen sieht man in einschlägigen Illustrierten ständig. Genauso wie durch Botox stillgelegte und maskenhafte Gesichter.

Man wundert sich über Frauen, die sich freiwillig der ziemlich brachialen Prozedur des Fettabsaugens unterziehen. Dazu kommen Eigenfetteinspritzungen, Oberarm- und Unterschenkelstraffung, Faceliftings und vieles mehr. Frauen mit einem Barbiepuppenideal, wie es ihnen als Inbegriff der Schönheit vorgegaukelt wird, sind süchtig nach ständigen Korrekturen ihres vermeintlich unschönen Körpers.

Wer es sich leisten kann, sucht sich natürlich den besten Schönheitschirurgen. Anderen wird häufig ein Ergebnis präsentiert, das Frankenstein entzückt hätte. War nicht der jüngst verstorbene King of Pop ein ziemlich abschreckendes Beispiel?

Manchmal fragt man sich schon, was das für Menschen sind, die unbedingt Busen, Po, Wangen, Kinn oder gar die Waden aufgepolstert haben wollen. Wozu soll das gut sein? Es ist alles nur nicht echt, und natürlich erhebt sich die Frage, wieso ist Frau (nun häufiger auch Mann) mit ihrem naturgegebenem Körper unzufrieden?

Manche Frau übertreibt dermaßen, dass sie gleich einige Körbchengrößen überspringt. Das Ergebnis: eine monstermäßige Oberweite, die nicht zum Gesamtbild passt.

Und wie sieht die so genannte Verschönerung im Alter aus? Wie oft kann man sich derartige Operationen leisten bzw. auch dem Körper zumuten?

Nach dem Silikon-Skandal kann man nur hoffen, dass sich viele Frauen diese meist überflüssige Tortour mehr als gut überlegen. Vor allem, wenn sie der Meinung sind, nur durch einen solchen Eingriff Mann oder Freund bei Laune zu halten. Ja, es gibt Frauen, die denken, dass sie sich unters Messer begeben müssen, um für den Partner - äußerlich - attraktiv zu sein. Fraglich ist, wie lange die Euphorie des Partners anhält. Denn durch die chirurgischen Messerattacken wird ja das Alter (und Charakter) nicht gleich mitverändert. So gerne Frau das auch hätte.

Selbst junge Mädchen schreien bereits nach einer ästhetischen OP, weil sie meinen, ihre Nase säße schief (was nur sie allein erkennen können, weil sie täglich stundenlang ihre Spiegelbilder befragen). Sie haben Pausbacken (na und, das regelt sich in ein paar Jahren von allein), und möchten ein schmal-markantes Star-Gesicht. Ist es wirklich so erstrebenswert, wie Beckhams Hungerhaken Victoria durch die Gegend zu staksen?

Ich glaube, dass sportliche Betätigungen, Gymnastik, Wechselduschen und vor allem frühzeitige, geistige Inputs seitens Eltern, Lehrern und guten Freunden das Selbstbewusstsein stärken und die Zufriedenheit mit dem Aussehen unterstützen könnten.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Raus aus dem Leistungskatalog!

 

 


Ich muss mich kurz schütteln, sonst bekomme ich einen Schreikrampf. Schuld daran ist ein kleiner Artikel aus dem Bereich Medizin im vorletzten SPIEGEL.

Der Pharmakonzern Roche dürfte jedem ein Begriff sein. Er stellt unter anderem Medikamente her, die Fettleibigkeit, Angstzustände, Hepatitis C, Osteoporose, Malaria oder Grippe  behandeln. Und noch vieles mehr. Unter den verschiedenen Mitteln befindet sich auch Avastin, ein Krebsmedikament, das bei Darm-, Brust-, Lungen- und Nierenkrebs eingesetzt wird. Die schweren Nebenwirkungen lasse ich jetzt ausnahmsweise „unter den Tisch” fallen.

Der Verkauf des bisherigen Erfolgsprodukts hat jedoch nachgelassen. Die Gründe hierfür sind wohl, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA seit geraumer Zeit dessen Einsatz bei Brustkrebs anzweifelt, ferner wird nach einem neuen Gutachten mittlerweile die Wirksamkeit des Krebsmittels insgesamt angezweifelt.

 Weil also der Umsatz mit diesem Medikament zurückgegangen ist, haben sich die schlauen Entscheider des Baseler Unternehmens etwas Ungeheuerliches einfallen lassen: Eine Kostenerstattung an das verordnende Krankenhaus für den Fall, dass das Medikament nicht wirkt.

 Die Kliniken würden durch diesen anrüchigen aber immerhin doch lukrativen Vertrag schier genötigt, ihre Ärzte anzuweisen, Avastin zu verordnen. Versagt das Medikament, breitet sich der Krebs sogar aus oder dauert die Behandlung längere als ein Jahr, erhält die Klinik die Behandlungskosten zurück.

Unabhängig davon, dass das Geld eigentlich den Krankenkassen zustehen würde, die ja für die Behandlungskosten aufkommen, bleibt bei einem derartigen Vorgehen wer auf der Strecke? Natürlich der Patient mit einer nicht absehbaren Leidenszeit.

Ein zusätzlicher weiterer Punkt, die zu den unerhörten Überlegungen des Konzerns geführt haben dürfte sein, dass das Patentrecht für Avastin in wenigen Jahren ausläuft. Irgendwie muss das alles doch aufgefangen werden, oder? Doch nichts rechtfertigt die Unterbreitung solch skandalösen Angebots. Allein der Gedanke ist bezeichnend für die raffgierige Geisteshaltung der Schöpfer eines solchen Vertragswerkes.

Unternehmenssprecher Jelitto (Badische Zeitung vom 26.10.) meinte: „Wir gehen davon aus, dass das ärztliche Handeln von solchen Vertragsangeboten unabhängig ist und wollen einen Beitrag zu einer besseren Versorgung der Patienten leisten.” Für mich klingt das nicht nur nach grober Augenauswischerei; der gesamte Vorgang stinkt nach menschenverachtendem Pokern auf Teufel komm raus mit der Geisel Krebs.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ein kleiner Anfall von Schizophrenie

 

 


Neulich saß  ich vor meinem Computer und grübelte. Vor meinem Fenster baute sich eine ziemlich triste Wetterfront auf, die riesige Tanne schwang leicht im aufkommenden Wind und ich … fühlte mich etwas seltsam. Denn ich vermeinte doch tatsächlich Stimmen zu hören, wie durch einen Sprachverzerrer. Leise drangen sie an mein Ohr und ich dachte, jetzt hat‘s mich erwischt. Quatsch, das bildest du dir nur ein, sagte ich mir. Oder vielleicht werde ich in meinem hohen Alter noch hellhörig? Das Problem dabei war, dass ich überhaupt nichts verstand, so sehr ich mich auch darum bemühte.

„Hallo, wer auch immer mit mir spricht, es ist nicht zu verstehen. Redet doch ein bisschen deutlicher und nicht alle auf einmal!”

Blödsinn.

Nun, die Stimmen waren weg und ich wendete mich wieder meiner Arbeit zu. Nicht lange, und das Murmeln der unterschiedlichen Stimmen in verschiedenen Tonlagen war wieder zu hören.

Ich begann an mir zu zweifeln und bewegte mich langsam durch die Wohnung. Keine Nachbarn vor der Tür oder im Haus, kein Radio an, woher also die Laute?

Ich bemerkte, dass das verzerrte Murmeln in der Küche etwas deutlicher zu hören waren, doch verstehen konnte ich noch immer nichts. Hilfe!

Nun, ich setzte mich wieder an den Schreibtisch, doch meine ohnehin nur rudimentär vorhandene Konzentration war gänzlich im Eimer. Vielleicht sollte ich ein paar Bissen zu mir nehmen, denn mit leerem Bauch ist nicht so gut denken. Was gibt der Kühlschrank her, dachte ich und im Moment, als ich ihn öffnen wollte, hörte ich ein leises Knacken und das Murmeln begann wieder.

Ich glaub‘s ja nicht, dachte ich erleichtert. Es ist mein Kühlschrank, der mit mir spricht! Offenbar wusste der schon vor mir, dass meine geistigen Fähigkeiten ein Level erreicht hatten, welches für ordentliche Arbeit nicht taugt.

Ich grinste vor mich hin und begann mit meinem eisigen Mitbewohner ein hochgeistiges Gespräch. So, wie es manchmal zwischen Eltern und Säuglingen oder Tierbesitzern und ihren Lieblingen zu hören ist.

Es drehte sich - wie könnte es anders sein - um das richtige Maß an Kalorienzufuhr. Denn eine überwiegend sitzende Tätigkeit braucht ja nicht unbedingt Gehaltvolles.

Nachdem wir beide alles an Für und Wider ausdiskutiert hatten, schmierte ich letztendlich ein Butterbrot, streute Schnittlauchröllchen drüber und gut war‘s.

Außer meinem Kühlschrank hat mich glücklicherweise niemand gehört. Und Sie werden doch meinen kleinen Anfall von Schizophrenie nicht weitererzählen, oder?

 

 

 

 

 

Die Wahrheit ist ein heißes Eisen

 

 

Wer es trotzdem mutig anfasst, muss sich möglicher Sanktionen bewusst sein.

In Österreich gründete sich 2006 eine Pfarrer-Initiative, die einen „Aufruf zum Ungehorsam” veröffentlichte (www.wir-sind-kirche.at).

Im Februar dieses Jahres wurde in Deutschland ein „Memorandum von Theologieprofessoren und -professorinnen zur Krise der katholischen Kirche” veröffentlicht (www.memorandum-freiheit.de). Dies sind nur zwei von sich sorgenden Christen ins Leben gerufene Initiativen.

Die Menschen, die sich der offenen Diskussion um Reformen verschrieben haben, diejenigen, die nun vermehrt auf bislang von den kirchlichen Machthabern  unterdrückte Probleme hinweisen „wenden sich an alle, die es noch nicht aufgegeben haben, auf einen Neuanfang in der Kirche zu hoffen und sich dafür einzusetzen.” Denn was die erzkonservativen Bürokraten des Vatikans transportieren, ist ein Absolutismus, mit dem sich die Gläubigen heute nicht mehr identifizieren und abfinden wollen. Die Verzweiflung der Gläubigen ob der langjährigen Stagnation der nötigen Reformen steigt immer mehr.

Während engagierte Priester und Seelsorger für den Dialog eintreten, setzen sich andere darüber hinweg, regen sogar den Austritt aus der Kirche oder den Wechsel zu den Evangelischen an. Sie sehen in den Forderung zur notwendigen Neuorientierung eine Gehorsamsverweigerung, eine Gefahr der Spaltung wie weiland durch Martin Luther. Doch nicht eine Spaltung ist das Ziel der Reformkatholiken; hörte die mächtige Kirche richtig zu, wüsste sie dies auch.

 

Neben den seit Jahren vertuschten Missbrauchskonflikten gibt es weitere wichtige Punkte, die den gläubigen Christen quasi unter den Fingernägeln brennen wie beispielsweise die Abschaffung der Bestimmung, nach der Geschiedene oder Wiederverheiratete von Sakramenten ausgeschlossen werden. Oder die Streichung des Pflichtzölibats - eines Jahrhunderte alten Gesetzes. Die Priesterweihe von verheirateten Männern. Die Einsetzung von Frauen als Priesterinnen. Die Aufhebung des Pillen- und Kondomverbotes,  Transparenz sowie Mitsprache der Gläubigen bei den Priester- und Bischofswahlen und mehr.

Möglicherweise gibt es einige Hirten, die insgeheim die Notwendigkeit von Reformen bejahen, sich jedoch aus Angst vor dem Dogma des Kirchenoberhauptes gegen die Gläubigen und ihre Anliegen wenden. Denn Kritik an dem tradierten und starren System, das unbedingten Gehorsam fordert, ist nicht nur unerwünscht, sie wird schlicht ignoriert. 

Was die auf Tradition eingeschworene Verantwortlichen dabei jedoch nicht vergessen sollten, ist, dass die Kirche sich aus dem Volk konstituiert.

Der Glaube wie auch das Verteidigen seines Glaubens verlangt Mut - so wie es uns vor über 2000 Jahren vorgelebt wurde.

Will die Kirche wieder lebendig und glaubwürdig sein, wird sie die Gläubigen mutig in der neuen Zeit begleiten, auf Äußerlichkeiten verzichten und sich ihrer Aufgabe des Dienens und des Miteinander  wieder bewusst werden.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Gemeinsam einsam?

 

 

Vor einigen Tagen las ich ein sehr spannendes und gleichzeitig berührendes Jugendbuch.

Kurz zum Inhalt: Maddie ist 17 Jahre alt und lebt im Jahr 2060. Gras und Bäume sind aus Kunststoff, Nachbarn kennen einander kaum. Die Menschen unterhalten sich via Computer miteinander, es gibt keine persönlichen Treffen.  Bereits seit Jahren sind die Menschen den digitalen Verführungen erlegen. Denn durch diese Einrichtung sind alle gleich. Eigenständigkeit  und selbstständiges Denken sind ausgeschaltet, wodurch die Menschen leicht lenkbar sind. Maddies Welt sind die sozialen Netzwerke. Doch eines Tages taucht Justin auf, der heimlich gegen das System kämpft…

Die Rebellion der Maddie Freeman
Katie Kacvinsky (Boje Verlag)
S. 366, € 15,99
ISBN 978-3-414-82300-7)

Nun, bis zum Jahr 2060 ist es noch ein bisschen hin und ich werde das nicht mehr erleben. Soll ich sagen, glücklicherweise? Wir müssen gar nicht so weit blicken, sondern uns nur in der näheren Umgebung umsehen. Bei Freunden und Nachbarn beispielsweise, die jeder einen Computer besitzen und vor diesem Stunden ihrer ohnehin begrenzten Zeit verbringen. Sie kommunizieren über die so genannten sozialen Netzwerke miteinander, überlegen, welch interessante Details sie noch von sich preisgeben könnten und suhlen sich im Applaus von Hunderten (angeblichen und vielfach anonymen) Freunden. Sie sind nicht mehr oder nur selten fähig, das Haus und vor allem den heißgeliebten Computer zu verlassen. Es käme einem Ignorieren der hochinteressanten Meinung der digitalen Gemeinde gleich, und das will sich doch keiner vorwerfen lassen.

Die einschlägigen Netzwerke nennen sich sozial, weil sie Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbinden. Eine an sich gute Sache. Ist es aber wirklich als sozial zu bezeichnen, wenn diese sozialen Netzwerke Menschen vor dem Computer - inmitten ihres so genannten  Freundeskreises - vereinsamen lassen? Denn viele von ihnen sind nicht mehr in der Lage, echte Kontakte zu knüpfen oder Nähe zuzulassen. Sie sind in der Verdummungsmaschinerie gefangen, süchtig nach der wärmenden Unverbindlichkeit. Ihr Leben findet allein in der Phantasie statt. Oder aber sie nehmen alles, was gepostet wird, für bare Münze. Bis sie endlich aufwachen, sind ihre Seelen zerstört.

Es sind ja nicht nur die stundenlangen Computerorgien, die die Menschen von der wirklichen Welt abschotten. Es sind  Handys und andere, immer neue, bessere elektronische Geräte, durch die man ständig mit allem und jedem verbunden ist. Verbunden sein muss, sonst zählt man nicht zur modernen, allzeit bereiten (und leicht beeinflussbaren) Masse. Man könnte vergessen werden. Was für ein Schlag, nicht zu wissen, wann der beste Freund aus Buxtehude seinen lautesten Pups hat fahren lassen!

Zu allem Überfluss kommt, dass die künstliche Intelligenz schon seit langer Zeit Einfluss auf Wirtschaft und Politik und damit natürlich auf uns nimmt. Je mehr Daten der Computer zu einem Thema liefert, je mehr Statistiken und Kurven er ausspuckt, desto andächtiger verneigen sich die Entscheider vor ihm. Denn: Der Computer irrt nie. Das Allerschlimmste ist jedoch, dass die Entscheider zu Marionetten dieser künstlichen Intelligenz geworden sind. Als eines der ‚unfehlbaren‘ Resultate des Entscheiderwahns kann wohl der schon seit längerer Zeit brodelnde weltweite Börsenirrsinn bezeichnet werden. Wenn man bedenkt, dass die betreffenden Computer darauf programmiert sind, auf die Tausendstel Sekunde ihre Wahrscheinlichkeitsberechnungen auszuwerfen, und ein kleines Menschlein, das das Denken verlernt hat, kurz darauf das Knöpfchen drückt, …. Aber vielleicht hat das kleine Menschlein ja nur eine Alibifunktion?

Sie meinen, das wäre alles viel zu überspitzt und Science fiction-mäßig dargestellt? Schreiben Sie mir. Ich freue mich über Ihre Post.

 

 

 

 

 

Im Sturm der Hiflosigkeit

 

 

Es gibt Erinnerungen, die nicht auszulöschen sind. So sehr man sich das auch wünscht. Ich sitze am Schreibtisch, blättere in Akten, sortiere Post ein, telefoniere, hole mir eine Tasse mit heißem Kaffee, um meinem Geist wieder ein bisschen Anschub zu geben - es ist ein Tag wie jeder andere eben. Er zieht sich ein wenig. Einige Briefe müssen noch geschrieben werden, doch meine Lust hält sich in Grenzen.

Ein Anruf reißt mich aus meiner Lethargie. Ein guter Freund ist in der Leitung, er klingt ernst. Gerade sei ein Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers geflogen. Obwohl ich seine unterdrückte Aufregung bemerke, tue ich das mit einem Lachen ab. Das ist doch wohl nicht wahr sage ich, mach doch nicht so einen Scherz. Wir reden über die mögliche Ursache, ich gehe von einem Unfall aus, weil ja über New York täglich Hunderte Flugzeuge düsen. Dreh das Radio an, meinte mein Freund noch, dann verabschieden wir uns.

Ich gehe über den Flur zu meinem Chef und erzähle ihm von dem Telefonat. Dabei spüre ich ein blödes und hilfloses Grinsen in meinem Gesicht. Während er im Internet die Nachrichtenseite aufruft, dann das Radio anstellt, läutet mein Telefon erneut. Jetzt ist auch in den zweiten Turm ein Flugzeug gerast, sagt mein Freund aufgeregt. Meine Beine fühlen sich sehr schwer an, Herz, Magen und Bauch kämpfen miteinander. Ich lege auf, fühle mich unbeweglich und schleppe mich ins Zimmer meines Chefs zurück. Keiner von uns redet, wir starren auf den Bildschirm, hören die Nachrichten. Immer und immer wieder. Die Meldungen überschlagen sich. Wir können es, wollen es nicht glauben. Dannn beginnen wir zu diskutieren. Die Unfalltheorie hatte sich nach dem zweiten Flugzeugeinschlag selbst ad absurdum geführt.

Nach Stunden schalte ich meinen Computer aus, zu mehr bin ich nicht fähig. Der Schreibtisch bleibt unaufgeräumt. Ich bin nicht in der Lage, in eine Straßenbahn zu steigen, mache mich zu Fuß auf den Heimweg. Starre die Menschen an, die mir begegnen. Sie wissen noch nichts von der Katastrophe, sind fröhlich und gut aufgelegt, halten Schwätzchen, drücken an Schaufensterscheiben ihre Nasen platt nach der neuesten Mode.

Zuhause angekommen, schalte ich als erstes den Fernseher an. Immer wieder die gleichen Bilder. Erst das eine, dann das zweite Flugzeug. Dicker Ascheregen. Fliehende, ungläubig starrende Menschen. Unterdrücktes Weinen presst mir die Kehle zusammen. Wieviele Menschen sind noch in den Türmen? Wieviele konnten sich retten? Ich presse die Faust vor den Mund, als ich verzweifelte Menschen aus hunderten Meter Höhe springen sehe. Meine Tochter kuschelt sich eng an mich. Fassungslos schaut sie mich immer wieder an. Ich finde keine Worte. Weder, sie zu trösten, noch zu erklären. Denn das ist nicht zu erklären. Wieviele Väter, Mütter, Töchter und Söhne mussten ihr Leben lassen? Zur Befriedigung der Hassschürer. Welche verblendeten Irren haben den Auftrag zu diesen Wahnsinnstaten erteilt? Wo steht geschrieben, dass Allah solches Morden gutheißt? Hat der Prophet Mohammed sie zu diesen Flügen inspiriert? Ist die USA, ein Sammelbecken von Auswanderern aller Nationen, das einzige Feindbild? Was für erbärmliche, feige Wichte.

Irgendwann kann ich die Bilder der einstürzenden Zwillingstürme, die sich überhastenden Nachrichten nicht mehr ertragen. Kein erlösender Schlaf in Sicht.

Hier stehen die Türme der Deutschen Bank. Meine Arbeitsstätte ist gar nicht so weit entfernt. Sind sie das nächste Ziel? Wann passiert es? Wie können wir uns schützen? Es muss ja kein Flugzeug sein. Es genügen Bombenpakete, Fernzündungen, Selbstmordattentate. Ich bin traurig, habe Angst. Um mein Kind und alle, die ich liebe. Auch um mich selbst. Nach diesem Tag wird nichts mehr so sein wie früher. Gott schütze uns.

Der 11. September 2001. Ein grauenvoller Tag. Über die Welt hereingebrochen wie ein alles erfassender Orkan. Er hat uns aufgerüttelt und vor Augen geführt, dass wir keine glückliche Alle-Menschen-sind-gleich-Familie sind, wie wir uns eingeredet haben. Denn ein kleiner Zweig unseres riesigen Stammbaumes trägt faule Früchte. Doch es hilft nicht, darüber zu schimpfen oder gar Hassgefühle zu entwickeln. Es liegt an unserem Bemühen, dass auch dieser kleine Zweig wieder wohlriechende Blüten entfaltet und gesunde Früchte hervorbringt.

 

 

 

 

 

Sugaring - ein nicht ungefährliches Schönheitsmittel

 

 

Unserer Schönheit zuliebe nehmen wir ja vieles in Kauf. Dazu zählt ein Verfahren, das bereits in den 50er Jahren bekannt gewesen sein sollen -  Haarentfernung mittels Zuckerwasser. Um es entsprechend marktfähig zu machen, wurde es in einen verbraucherfreundlich-amerikanisierten Slogan gekleidet und nennt sich heute „Sugaring”. Die entsprechenden Produkte gibt es (eh klar) zu kaufen, man kann sich aber auch selbst ganz einfach eine solche klebrige Matschepampe herstellen, um dem unliebsamen haarigen Körperbewuchs zu Leibe zu rücken.

Dazu - so ist im Internet zu lesen - nehme man zwei Tassen Zucker, ¼ Tasse Zitronensaft und die gleiche Menge Wasser. Diesen Brei erwärmt man am Herd oder in der Mikrowelle, lässt ihn auf „hautfreundlich” abkühlen und dann kann die Schmiererei nebst Wehklagen beginnen. Die süße Paste soll entgegen die Haarwuchsrichtung aufgetragen und danach mit einem Ratsch in Haarwuchsrichtung abgezogen werden. Aua!

Angeblich ist dieses Verfahren weniger schmerzhaft als eine Epilation. (Wer‘s glaubt, wird selig.)

Das Ergebnis:  ausgelöst durch die in der Pampe enthaltene Zitronensäure darf der behaarte Männer- oder Frauenkörper eine streichelzarte Kinderpopo-haut erwarten. Und das über Wochen hinweg.

Ich kenne dieses Mittel nicht und weil ich ein wenig wehleidig bin, hab‘ ich das auch  (noch nicht) ausprobiert. Ein Artikel im österreichischen Kurier hat mich darauf gebracht. Denn zwei in Österreich lebende Rumäninnen wollten dieses billige Schönheitsmittel testen. Oder vielleicht wieder einmal anwenden. Dazu schmolzen sie gleich einen Liter Zuckerpaste ein. Ob die beiden Hausfrauen, während das Zuckerwasser vor sich hin brutzelte, träumten, Kaffee tranken und plauschten, keine Ahnung. Jedenfalls bemerkten sie plötzlich, dass der Topf Feuer gefangen hatte. Doch anstatt die Flammen zu ersticken, zogen sie den Topf vom Herd und flüchteten in Panik - mitsamt dem  Topf - aus dem ersten Stock ins Freie.

Die von den Schmerzensschreien aufgeschreckten Nachbarn und/oder Verwandten rieten den beiden, in den Swimmingpool zu springen, was diese auch taten.

Nun, das Ergebnis der Schönheits-Bemühungen ist ein trauriges.

Nach den Ermittlungen wird davon ausgegangen, dass die Frauen sich bei der Flucht gegenseitig behinderten und mit dem heißen Brei angeschüttet haben. Beide schweben in Lebensgefahr und liegen im künstlichen Koma. Bei der einen Frau ist - bis auf das Gesicht - 50 Prozent der Hautoberfläche verbrannt, die andere erlitt schwere Verbrennungen am Rücken und den Extremitäten.

Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie den Brei für Ihr Sugaring selbst herstellen möchten und lassen Sie sich vor allem nicht ablenken. Denn allein heiße Zuckerspritzer auf der Haut sind mehr als unangenehm.

Ansonsten wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Experimentieren.

 

 

 

 

 

Von der gemeinsamen Suche nach dem Wurm im Apfel

 

 

Admiral Canaris soll einmal sinngemäß gesagt haben - ich kann mich leider nicht mehr an den genauen Wortlaut des Zitats erinnern -, dass man nur etwas von innen her bewirken und verändern kann. Verlässt man einen Kreis aus Enttäuschung, Zorn oder Wut, wird alles so bleiben, wie es ist. Man muss also so lange an einer Sache dranbleiben und bohren, bis der gewünschte Effekt eintritt. Deshalb sehe ich auch die zahlreichen Kirchenaustritte als einen nicht unbedingt gelungenen Schachzug des Protestes an.

Es gibt einige Stimmen aus dem Reich des Klerus, die über die Austritte unaufgeregt reagieren und süffisant meinen, so würde sich die Spreu vom Weizen trennen. Übersetzt heißt das für mich, dass die verbleibenden Duckmäuser, Abnicker und Ja-Sager besser zu lenken sind.

Nun fand in der letzten Woche der Weltjugendtag statt. Nach den Besucherzahlen zu urteilen ein voller Erfolg. Die Jugendlichen zogen von Gottesdiensten zu Diskussionen und Gesprächen, hielten innere Einkehr, beteten, sangen und nutzten künstlerische wie kulturelle Angebote und Präsentationen. Ihre Gemeinsamkeit: Gottes Segen im Handgepäck immer dabei. Bei den meisten sicherlich auch im Herzen.

Was macht dieses alle drei Jahre stattfindende Treffen für die Jugend eigentlich so spannend? Es ist wohl das gemeinsame Erleben, die Euphorie ob der großen internationalen jugendlichen  Glaubensgemeinschaft und die aus der gemeinsam erlebten Spiritualität erwachsende Dynamik. Diese Stärke benötigen die Jugendlichen auch, um im Hier und Jetzt, mit allen Fragen und Unzulänglichkeiten, die sie bewegen, existieren zu können.

Der Gemeinschaftsgedanke, der Glaube daran, gemeinsam etwas bewegen zu können, wird sie noch lange begleiten. Es ist den Teilnehmern des Weltjugendtages, den Pilgern und gläubigen Gästen zu wünschen, dass sie nicht eines Tages wie so viele andere resignieren, sondern die Kraft haben, immer wieder am „Apfel der Weisheit und Erkenntnis” zu bohren, ihn so lange auszuhöhlen, bis der Wurm endlich entfernt werden kann.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Was für ein Leben!

 

 

Dieses Schicksal trägt wahrlich menschliche Züge. Weil sie ausrangiert und zum Schlachter sollte, überlegte Kuh Yvonne, kräftig gegenzusteuern. Nach sechsjährigem Arbeitseinsatz, so dachte sie wahrscheinlich, will ich auch noch etwas vom Leben haben. Und rannte auf und davon.

Sie suchte sich ein ihr genehmes Waldgebiet, in dem sie nun ihr Leben genießt. Futter ist offensichtlich noch genügend vorhanden - und Wasser dank der diesjährigen häufigen Regenschauer sowieso. Also warum nicht einem gemütlichen Rentnerinnendasein frönen?

Deutschland bewegt dieses Schicksal und drückt Yvonne insgeheim die Daumen, die Jagd auf sie gesund zu überstehen. Natürlich lauern Gefahren an allen Ecken und Enden auf sie. So könnte sich beispielsweise ein tollwütiger Fuchs in sie verbeißen. Oder ein Jäger könnte sie mit einem Hirsch verwechseln - es sind ja sogar schon einige Menschen von halbblinden Jägern dahingerafft worden. Yvonne könnte auch von einem Hirsch angefallen werden, der sich von ihr bedroht fühlt oder gar einem Eber oder einer Wildsau.

Yvonne, die nicht unbedingt zu den Mutigen zählt, sich eher scheu verhält, hat vielleicht das Glück, rechtzeitig von Mitarbeitern des Gutes Aiderbichl entdeckt und in das Salzburger Tierparadies verbracht zu werden. Nur weiß Yvonne nicht, wie schön es dort ist, weshalb sie sehr scheu reagiert. Sie bräuchte sich um ihre Nahrung keine Sorgen zu machen, hätte genügend Bewegung und dazu noch eine Menge Freunde. Momentan machen sie die vielen Menschen, die durch die Wälder streifen und sie einfangen möchten, sehr nervös. Deshalb konzentriert sie sich mehr darauf, unsichtbar zu bleiben.

Und das ist Stress pur für das arme Vieh.

Sollte Yvonne nicht bis zum Winter eingefangen werden können, kommen schwere Zeiten auf sie zu.

Gerade fällt mir ein, wie man sie doch schneller einfangen könnte. Man sollte an mehreren Stellen im Wald mit Heu und Stroh aufgefüllte Raufen aufstellen und dort auf sie warten. Vorher müssen natürlich die umtriebigen und neugierigen Spaziergänger aus dem Wald verschwinden. Traut sich Yvonne dann endlich an den gut gedeckten „Tisch”,  wäre es doch wohl ein Klacks, sie mittels Betäubung kampfunfähig zu machen und nach Gut Aiderbichl zu verbringen.

Besser so, als Bruno-Bärs Schicksal erleiden zu müssen.

Zudem würde sich das Wild im Winter über die zusätzlichen Raufen sicherlich freuen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Die Würde des Menschen …

 

 

In meinen Eingeweiden rumort es. Nicht, weil ich etwa krank wäre, sondern mir macht das  Schadensersatzurteil schwer zu schaffen. Und nicht nur mir geht es so. Viele Menschen fragen sich - nicht erst seit dem unseligen Urteilsspruch - in welchem Rechtsstaat und mit welchen Gesetzen wir leben.

Man muss sich folgendes vorstellen: Um das Leben eines bereits seit über 90 Stunden vermissten Kindes zu retten, wird der uneinsichtige Täter eindringlich befragt. Was im Kopf des Befragten vorgeht, kann sich wohl niemand auch nur ansatzweise denken. Möglicherweise hat er nur überlegt, wie er das Gericht, die Medien und die Menschen außerhalb auf seine tristen Verhältnisse einstimmen könnte. Er ließ sich Zeit, die dem vermissten Kind davonlief, wie die Ermittler dachten.

Was der Täter wohlweislich verschwieg war, dass das Kind zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. In ihrer Not griffen die Polizisten schließlich zu einer Methode, die man eher aus Kriminalfilmen kennt. Sie begannen, ihn zu bedrohen. Wobei sie nur eines im Sinn hatten, nämlich das Kind zu retten. Zwar wurde der Täter plötzlich gesprächig, doch denjenigen, die die Drohungen in Auftrag gegeben hatten und sie aussprachen, wurde schnell die Rote Karte gezeigt. Denn auch wenn ein Leben davon abhängen sollte, ist das Aussprechen von Drohungen verboten.

Nun hatte der arme und von den Drohungen traumatisierte Täter nichts anderes zu tun, als auf Schadensersatz und zusätzlich - man stelle sich das vor - auf Schmerzensgeld zu klagen.

Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass er nur Schadensersatz zugesprochen bekam, aber kein Schmerzensgeld.

Es geht jetzt nicht darum, ob er das Geld behalten kann oder ob es auf seine Schulden angerechnet wird. Fakt ist, dass dem Täter, der aus niedrigsten Beweggründen ein Kind ermordete, Recht erhält.

Er ermordete ein Kind, weil er dazugehören wollte, ihm jedoch das dazu nötige Geld fehlte. Ein Banküberfall war nicht so sein Ding, der Gedanke einer Erpressung wurde dagegen schnell wahr gemacht.

Im Gefängnis nutzte er die Zeit, sein Erstes juristisches Staatsexamen abzulegen, und schrieb ein Buch mit dem scheinheiligen Titel: „Allein mit Gott - Der Weg zurück”.

Ich will gar nicht wissen, was dieser ichbezogene Täter mit unserem Herrgott ausbaldowert haben könnte. Denn es interessiert ihn nicht, was er dem Kind und dessen Familie angetan hat. Seine Selbstherrlichkeit kennt keine Grenzen - und wird durch das Gesetz noch gestützt. Erfolgreich testete er den im Grundgesetz verankerte Satz „Die Würde des Menschen (!) ist unantastbar.” Vielleicht hat Gott dem armen und traumatisierten Mörder, der den Weg zurück fand, dazu geraten?

Und wo bleibt die Würde des ermordeten Jungen?

e.gordon@frankfurterstadtkurier.de

 

 

 

 

 

Was tun?

 

 

Schaue ich aus dem Fenster, sehe ich nichts als grau, Nieselregen und Schauer im Wechsel. Die Temperaturen sind unangenehm und die Lust, etwas zu unternehmen, eher im Keller. Irgendwie fühlt sich alles so an wie später Herbst, bald kündigt sich der Advent an und Weihnachten, das Jahr ist so schnell vorbeigeflutscht.

Ja, mit Juli und Urlaubszeit verbindet man etwas anderes.

Und was jetzt?

Ich schlage vor, trotz der widrigen Bedingungen das Haus zu verlassen. So könnte man beispielsweise Ausstellungen besichtigen, die man „normalerweise” auf die lange Bank schiebt, weil eben die Sonne scheint und man sich nicht drinnen aufhalten möchte. In Frankfurt gibt es genug Angebote, so dass man hier auch an Regentagen ein beeindruckendes und mehrere Tage dauerndes Programm abspulen kann. Ohne dass es langweilig wird.

Wie steht‘s mit einem Wohlfühltag in einer der vielen Wellnessoasen? Ein paar Runden Schwimmen (oder Sauna), ein Körperpeeling, eine Rundummassage, Pediküre und Maniküre, vielleicht ein neuer Haarschnitt - eine neue Haarfarbe?

Was halten Sie von einem Einkaufsbummel mit einer Freundin? Weil man dabei sowieso vom Hundertsten ins Tausendste kommt, bleibt sicherlich noch genug Zeit, ein gemütliches Kaffeehaus aufzusuchen und eine Kuchen- und Tortenorgie zu veranstalten. Frei nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts” werden dabei Gedanken zum  Bodymaßindex natürlich im stillen Kämmerlein weggeschlossen.

Als eine gelungene Ablenkung von der wettermäßigen Tristesse finde ich Möbelhäuser sehr gut geeignet. Hier kann man - besser als beim Blättern in Katalogen - neue Einrichtungstrends begutachten und sich tolle Anregungen für die eigenen vier Wände holen. Man lässt sich ganz ohne Zeitdruck beraten und findet möglicherweise genau die Leuchte, an die man schon längere Zeit gedacht hat. Oder das passende Kindersofa, den roten Teppich fürs Wohnzimmer, ein neues Service …

Wie wäre es, wenn Sie in Ihren Kochbücher blättern und mal etwas richtig Originelles und Aufwändiges für sich und Ihre Familie auf den Tisch bringen? Beim ausschweifenden Einkauf und der Suche nach den richtigen Gewürzen…oje, mich packt gerade der Hunger. Denken Sie diesen Absatz bitte für sich selbst weiter.

Also, Regenschirm aufgespannt und los geht‘s.

Wer aber partout nicht aus dem Haus will und sich lieber Leid tut, könnte den Kleiderschrank ausmisten, Pflanzen umtopfen, endlich die Bücher nach Schriftstellern oder Gebieten sortieren und die Vorhänge waschen.

Oder aber die oder den Nachbarn zu Tee oder Kaffee einladen, endlich das Fotoalbum in Angriff nehmen (weckt Erinnerungen), einen Dianachmittag mit den Bildern des letzten Urlaubs veranstalten, Freunde zum Umräumen der Wohnung bitten und anschließend entsprechend bewirten, Kinder und/oder Enkelkinder verwöhnen, mit ihnen basteln, sich verkleiden und Unsinn treiben, das geheime Vorhaben - die eigene Familiengeschichte aufzuschreiben - in Angriff nehmen,…

Letztendlich können die trüben Tage sinnvoll genutzt werden, ohne sich hinterher ärgern zu müssen, dass man den Urlaub „wegen des Wetters” abschreiben musste, weil man nichts unternehmen konnte.

Wenn‘s der Wettergott allzu arg treibt, bleibt „schlimmstenfalls” immer noch, sich gemütlich in die Kuschelecke zurückzuziehen und genussvoll zu schmökern.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Vom Wurm im Sommerloch

 

 

Als ich heute die heimatliche Medienlandschaft durchsurfte - ja, was soll ich sagen - kam mir das große Grausen mit überdrehtem Lachen und gleichzeitigem Kopfschütteln. Ich landete nämlich beim österreichischen Kurier, der mit einer Meldung aufwartete, die an nichts zu überbieten ist.

Bevor sich mein unterdrücktes Schaudern ob solchen Irrsinns potenziert, folgt ein kurzer Exkurs.

Jedes Land, ob stolz darauf oder nicht, wartet mit einer Bundeshymne auf. So natürlich auch die Österreicher. Musikalisch ein bisserl fade, klingt sie eher nach Trauerflor, Begräbnis und tränenreichem Klagen. Obwohl die Komposition Mozart zugeschrieben wird. Na ja, irgendwoher brauchten wir ja auch einen Ersatz zu unserer wunderschönen Haydn-Hymne, die irgendwann von deutschen Landen „geklaut” wurde.

Nach einem Preisausschreiben einigten sich die Politiker auf einen Text der Dichterin Paula Preradovic, 1947 hörte man sie erstmals im Radio.

Also nochmals, seit 1947 wird die erste Strophe der Hymne mit folgendem Text - je nach Laune oder Können, ohne Hinterfragen - mehr oder weniger gerne und stolz gesungen oder gebrummt:

Land der Berge,
Land am Strome,
Land der Äcker,
Land der Dome,
Land der Hämmer,
Zukunftsreich!
Heimat bist du großer Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich.

Zurück zu meinem Aufreger. Frau Rauch-Kallat, ihres Zeichens ehemalige Frauenministerin und ÖVP- (Anm: Österr. Volkspartei) Abgeordnete, bemüht sich bereits seit 2002 immer wieder, eine Änderung des Textes dergestalt herbeizuführen, dass in der der ersten Strophe zu den „großen Söhnen” auch die Töchter hinzugesetzt werden. (Ist ja auch so, dass die armen Töchter immer benachteiligt werden und die Frauen sowieso. Außerdem gibt‘s ohne Töchter keine Söhne.) „Zur Ergänzung des Familienbildes”, sagt ÖVP-Frauensprecherin Schnittenhelm; die Grünen-Frauen sind natürlich begeistert mit im Boot.

Am letzten Freitag gab es  dazu tatsächlich einen Zwist - nein, nicht im Hause Habsburg, sondern im Nationalrat. Als Rauch-Kallat in ihrer Abschiedsrede im Plenum Erklärungen zu dem Geheimantrag (!) der ÖVP-Frauen abgeben wollte, roch der übergangene ÖVP-Klubchef den Braten und ließ die männlichen Kollegen über alles Mögliche und Unmögliche so lange schwadronieren und palavern, bis für Rauch-Kallat keine Zeit mehr blieb.

Immerhin konnte sie den betreffenden Antrag einbringen, über den im Herbst im Nationalrat abgestimmt werden soll.

Ich finde es traurig, dass es in meinem Heimatland keine anderen, erwähnenswerten und diskutierbaren Probleme gibt als die Ergänzung der Bundeshymne um die benachteiligten Töchter.

Offensichtlich sind Arbeitslosigkeit, Familie, Schulbindung oder gar Staatsverschuldung zu gehaltvolle Themen, weshalb sich die honorigen Elitefrauen möglicherweise dachten: basteln wir uns halt ein uns genehmes.

Greift dieses dümmliche Emanzen-Getue tatsächlich, müssten sich Wortschöpfer, Textdichter und Reimer meines Erachtens nun unbedingt auch die dritte Strophe zur Veredelung vornehmen, in der von „Brüderchören” und dem „Vaterland” die Rede ist.

Also, wenn schon, dann aber richtig scheußlich.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Haben Sie sich schon entschieden?

 

 

Es ist ein schwieriges und auch ein heikles Thema, um das man jedoch nicht herumkommt. Nicht jedoch, wenn man in Österreich lebt, wo jeder Einwohner, aber auch jeder Ausländer (Urlauber) als Organspender angesehen wird. Außer, er hat vorher Widerspruch im Widerspruchsregister bei der Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) eingelegt (s. www.oebig.at).

Hat man sich irgendwann jedoch einmal umentschieden, kann der Widerspruch aufgehoben werden.

Jedenfalls ist es hilfreich, wenn der Besucher oder Tourist  einen Zettel oder Ausweis bei sich trägt, der ihn als Organspender „ja oder nein” ausweist. Nach einem Telefonat mit dem ÖBIG wurde mir mitgeteilt, dass sich bereits viele Deutsche in das Widerspruchsregister haben eintragen lassen. Unabhängig davon wird, falls kein Hinweis auf eine Organspende gefunden wird, der oder dem Toten kein Organ entnommen, sondern versucht, Angehörige ausfindig zu machen, die dazu befragt werden können.

Auch in Ländern wie beispielsweise Spanien, Italien, Frankreich, Finnland und anderen gilt das Widerspruchsverfahren.

Hier in Deutschland trägt man einen Spenderausweis bei sich. Oder auch nicht.

Nun, man kann sagen, dass nach dem Tod sowieso alles egal ist. Sollen die Ärzte doch machen, was sie wollen. Vorbei ist vorbei, mich interessiert das alles nicht. Bei dieser Einstellung werden jedoch die Angehörigen mit der Frage belastet, ob ein oder mehrere Organe entnommen werden dürfen. Was wiederum mit dem Schock und der Trauer, in der die Betroffenen befangen sind, meist sehr unschön ist und sicherlich lange Diskussionen nach sich zieht. Doch Zeit ist im Falle einer von den Ärzten anvisierten Organentnahme wenig vorhanden. Vermeidbar wird eine solche unnötige Belastung durch einen Spenderausweis. Denn wenn es sowieso egal ist, was mit einem nach dem Tod passiert, kann man doch gleich einen Spenderausweis mit sich tragen und den Angehörigen entsprechend Bescheid geben.

Es gibt Menschen, die  kategorisch gegen eine Organspende sind. Sie haben Angst davor, dass der Hirntod nicht einwandfrei festgestellt wird. Für einige sind es religiöse Gründe, die dagegen sprechen, für andere wiederum, dass sie so beerdigt werden möchten, wie sie auf die Welt gekommen sind.

Zum anderen gibt es diejenigen, die gerne nach dem Tod ihre Organe spenden möchten, jedoch verhindert beispielsweise eine Krebserkrankung die Weitergabe ihrer Organe. Menschen, die Drogenmissbrauch betrieben haben und an Aids gestorben sind, werden von der Organspende ausgeschlossen.

Es gibt viele Diskussionen, Für und Wider werden abgewogen und letztendlich bleibt derjenige, der sich gegen eine Organspende entscheidet, mit einem schlechten Gewissen zurück. Geschürt durch die Medien, durch Politiker, durch Prominente und weniger bekannte Gesichter fühlt man sich schon fast gezwungen, den „Entnahme”-Ausweis bei sich zu tragen. Eine besonders unangenehme Art ist es zu suggerieren: „Wärst du sterbenskrank, würdest du dich auch freuen, wenn plötzlich das entsprechende Organ zur Verfügung stünde.”

Es ist bestimmt altruistisch, christlich und sozial gedacht, sich für eine Organspende zu entscheiden. Und genau aus diesem Grund sollte gleichzeitig derjenige, der gegen eine Organspende eingestellt ist, nicht scheel angesehen oder gar verunglimpft werden. Denn jeder muss frei von Bedrängung anderer beschließen können, was mit seinem Körper und den Organen nach Feststellung des Todeseintritts geschieht. 

Oder sehen sie das anders?

 

 

 

 

 

Sommerzeit ist auch Leidenszeit

 

 

Sonne - heiß - der Schweiß rinnt … und die Mücken feiern Hochzeit. Sie versammeln sich im Sonnenlicht, schwirren hoch, streben auseinander, tauchen ein wenig in den Schatten, um dann als geballte Ladung wieder ins Sonnenlicht zu streben. Eigentlich ein nettes Schauspiel, wären die Viecher nicht auch lästig und blutdürstig.

Angelockt durch die bei dieser Witterung nicht ausbleibende Transpiration des Menschen stürzen sie sich auf ungeschützte Arme, Beine, Hals und Gesicht. Sie wuseln sich durchs Haar, krallen sich unbemerkt an Ohrläppchen oder Kniekehlen und sind einfach nur eine Plage.

Selbst Mückenspray, den man sich antut, oder verzweifeltes Rauchen ignorieren diese unnötigen Gesellen mittlerweile, so dass der Mensch im Freien permanent mit Schlagen und Klatschen beschäftigt ist, anstatt sich der verdienten Muße hingeben zu können.

Als Kind fragte ich einmal, wozu denn diese Viecher überhaupt gut wären. Zur Antwort bekam ich den überaus weisen Spruch: „Damit wir Menschen Geduld lernen.”

Ob dieser ernst gemeint war? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich jemand hinsetzt oder -legt und sich still duldend als Blutbank darbietet, nur um den Erhalt dieser nervigen Spezies zu unterstützen.

Trotz aufgestellter Kerzen mit Zitronenduft, trotz Grillrauchs kommen sie wie auch Gelsen (Schnaken), Fliegen und Bremsen in Scharen herbei, um uns anzuzapfen. Manchmal hilft nur die  Flucht nach Drinnen.

Und wie diese Stiche jucken, brennen und teilweise auch schmerzen. Essig drauf und gut, sagte meine Großmutter. Eine alte Tante schwörte wiederum auf Topfen (Quark), den man auftupfen sollte. Reiner Alkohol ist das Beste, meinte wiederum ein anderer.

Was auch immer helfen mag, es handelt sich um ungeliebte Zeitgenossen, die uns das Leben im Sommer schwer machen.

Hat man Fliegengitter vor den Fenstern, ist man zumindest schon mal des Nachts vor den Gelsen geschützt. Doch wehe, eine hat es doch irgendwie geschafft, sich in die Wohnung Eintritt zu verschaffen. Erst schwirrt sie im Wohnzimmer um uns herum, ohne dass wir sie vernichten können. Sie macht uns rasend mit ihrem Gesirre. Und irgendwie landet sie dann auch noch im Schlafzimmer und raubt uns den Schlaf. Also Licht an und alles genauestens abgesucht. Doch das Vieh hat sich so gut versteckt, will sich nicht finden lassen, denn es riecht lecker Blut. Kaum ist das Licht wieder aus, fängt das irrsinnige Gesirre von vorne an. Decke über den Kopf hilft auch nichts, denn dann kommt man um vor Hitze.

Haben Sie vielleicht ein probates Mittel gegen diese fiesen Plagen? Dann schreiben Sie mir, damit auch andere Leserinnen und Leser den Sommer „gewaltfrei” genießen können.

 

 

 

 

 

Leider nur eine Flasche

 

 

Vor einigen Tagen erhielt ich ein Buch zur Rezension. „Das Beste aus meinem Garten” (von Reglindis Rohringer) lautet der Titel und ich musste natürlich sofort darin stöbern. Sie haben ja wahrscheinlich schon mitgekriegt, dass ich leidenschaftlich gerne mit Marmeladen, Gelees und Konfitüren herumexperimentiere.

Der Untertitel der ausgezeichneten Rezeptsammlung  mit beispielsweise beschriebenem Schwierigkeitsgrad, der Einkochzeit, den Hilfsmitteln oder der Haltbarkeit: „Marmeladen, Liköre, Säfte selbst gemacht”.

Jedoch habe ich mich noch nie an Liköre oder Schnäpse herangewagt. Immer wieder juckt es mich in den Fingern, und lasse es dann doch sein. Schon allein bei der Frage des richtigen Alkohols - soll es jetzt Korn sein oder Weinbrand oder Weingeist doch lieber Obstler - werde ich unsicher, weil ich gerne selbst herumpansche und Rezepte abwandele.

Nun, irgendwann werde ich mich aufraffen und eigene Kreationen zaubern. Immerhin habe ich einen Lieblingsschnaps, von dem ich bei meinen seltenen Besuchen in Österreich immer nur eine Flasche (!) mitnehmen darf. Es handelt sich dabei um einen Nussschnaps, den mein Vater selbst herstellt.

Als ich das Gebräu zum ersten Mal kostete, schüttelte es mich fürchterlich. Doch nach ein paar Sekunden fühlte ich die wohltuende Wirkung - mein Magen war wieder „eingerenkt”.

Seit diesem Zeitpunkt versuche ich immer wieder meinen Vater zu überreden, mir mehr als nur eine Flasche mitzugeben. Doch er ist da ein bisserl eigen.  Also probierte ich es einmal auf eine andere Tour und versuchte, ihm das Rezept zu entlocken. Wieder ein Fehlschlag.

„Na da nimmst halt a paar grüne Nüsse, und dann kumman no a paar Sachen dazua, dann da Alkohol und des lasst dann a zeitlang stehn. A bisserl musst des ab und zu aufschütteln, dann seihst des ab, füllst es in Flaschn und fertig is da Nussschnaps.”

„Ja, meinst jetzt die ganzen Nüsse? Stichst du die ein oder schneidest du sie? Und wieviel Zucker nimmst du denn und welche Gewürze?”

„Ja, des kann i dir net sagen, des mach i immer so nach Gefühl.”

Na toll, mit diesen Informationen konnte ich nicht allzu viel anfangen, was meinen Vater zu einem wissenden Grinsen veranlasste.

Immerhin ist genau dieser Nussschnaps, den mein Vater nur zögerlich verschenkt, ein Stück Heimat. Er weckt Erinnerungen und hat außerdem einen herrlichen Nebeneffekt.

Nach dem Genuss eines schweren Essens oder bei so genanntem Völlegefühl genügt ein halbes Likörglas oder wie wir sagen - ein Stamperl -, und schon geht es dem Magen wieder gut. Auch wenn man mal etwas zuviel geprostet hat, hilft ein Gläschen dieses Schnapses.

Aber eines Tages, so habe ich mir vorgenommen, werde ich ihm zeigen, dass ich es auch fertigbringe, einen guten Nussschnaps zu brauen.

Bei einer Verkostung im Familienkreis werden wir dann feststellen, wer den besseren Nussschnaps hergestellt hat.

Drücken Sie mir die Daumen, dass ich ein sicheres und gutes Rezept finde.

Besser noch: Wenn auch Sie ein Fan von Nussschnaps sind, schicken Sie mir doch schnell Ihr Rezept. Denn gerade jetzt wäre die richtige Zeit, grüne Nüsse zu sammeln.

Das Beste aus meinem Garten
Marmeladen Liköre Säfte selbst gemacht
Reglindis Rohringer (Bassermann)
S. 128, € 12,99
ISBN 978-3-572-08017-5

 

 

 

 

 

Einige Gedanken zum Wettermann und seinesgleichen

 

 


Fröhlich und frei wird er sich nie wieder fühlen, der Kachelmann Jörg. Denn auch, wenn die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichten sollte, wenn das Urteil rechtskräftig wird und er seiner Wege gehen darf, wird er höchstens noch in einem zweitklassigen filmischen Gerichtsdrama Erwähnung finden. Und seine Story in Klatschblättern zur Abschreckung der Damenwelt herhalten müssen.

Was er sich selbst zuzuschreiben hat. Denn welcher halbwegs normale Mann hält sich „in jedem Städtchen ein Mädchen”, das er nicht nur bei Laune halten, sondern auch noch beglücken und sich immer neue Märchen einfallen lassen muss für seine ständige Abwesenheit?

Er ist offenbar ein begnadeter Märchenerzähler, der knuffige und unschuldig blickende Jörgi. Und sicherlich haben es auch seine Versprechungen, die er in die Erzählungen einfließen ließ, leicht gemacht, dass die Damenwelt ergriffen zuhörte und ihm alles glaubte. Ob er jeweils Notizen darüber anfertigte, was er wann und vor allem wem erzählt hat? Wenn nicht, muss er mit einem Elefantengedächtnis ausgestattet sein. Möglicherweise unterstützt durch Ginkgo-Präparate oder ähnliche Mittelchen, die ab einem gewissen Alter die Leistungen des Gehirns ankurbeln können, wäre er als  großer Konkurrent zu Sheherazade einzustufen. Was gäbe das für pralle Fortsetzungsromane!

Es ist schon erstaunlich, was sich die Damenwelt aufs Auge drücken lässt, nur um sich zeitweise sagen zu können, nicht allein zu sein. Sie sind die Geliebten, die nichts von ihrem angeblichen Glück weitererzählen dürfen, was nicht einfach ist. Sie gehen ihrem Beruf nach, führen einen picobello Haushalt (der Prinz könnte ja mal unangekündigt auftauchen- bitte, bitte, tu es!) und warten. Zu Hause. Neben dem Telefon. Am Computer. Das Warten schürt natürlich das  Verlangen, und so freuen sie sich entsprechend enthusiastisch über einen der seltenen Besuche ihrer Galane, die diese Euphorie weidlich ausnutzen. Und zehren still und heimlich davon. Bis zum nächsten Mal. Sie stellen nichts in Frage. Würden sie nämlich zu anhänglich, wären ihre Prinzlein hinter einer riesigen Staubwolke verschwunden.

Wer hat denn jetzt Schuld an dieser Misere? Die einsamen Frauen, die sich mit schönen Worten und Versprechungen einlullen und abspeisen lassen? Oder sind es die Männer, die mit treuherzig-doofem Blick zielsicher auf ihre bevorzugten Opfer zugehen, diesen Frauen ihr vermeintliches Leid klagen, sie siegesgewiss vereinnahmen und dabei kaputt machen für andere Beziehungen?

Nach meiner Meinung haben beide Schuld. Sowohl die vor Liebe glühenden, ewig wartenden, sich in den Schlaf weinenden Frauen als auch die berechnenden und im Grunde kaltschnäuzigen Männer, die wegen ihrer abgefeimten Sammelleidenschaft besser einen Therapeuten aufsuchen sollten.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe…

 

 


Theo Lingen hat mit diesem Lied Lachsalven hervorgerufen. Man sang es mit, achtete kaum auf den Text und sah hauptsächlich den Komiker vor sich.

Das besungene kleine bisschen Liebe, das sich manch einer wünscht, ist so leicht zu bekommen, ist man nur einfühlsam und humorvoll, gepflegt und ernsthaft, arbeitsam und offen, kulturell interessiert und belesen, fröhlich und naturverbunden und und und.

Wie man es eben in Kontaktanzeigen liest oder aus Diskussionen heraushört. Und denjenigen, die keine dieser Eigenschaften vorzuweisen haben und sich nur „abreagieren” wollen, bleibt immer noch der Griff zum Telefon, der Besuch von Bordellen et cetera.

…sei ein bisschen nett zu mir 2-3-4…

Doch was passiert, wenn man überschäumt vor Testosteron, gebeutelt wird von Frühlingsgefühlen, und die Angebetete nichts von einem wissen will? Wenn man reich ist, sich nach seiner Einschätzung alles erlauben darf und das Ziel seiner Gelüste auf Abwehr eingestellt ist? Mann nimmt es sich einfach. Ohne Ansehen seiner Person, seines Standes, ohne an das angestrebte Amt zu denken und schon gar nicht an seine Familie soll der honorige 62-Jährige Strauss-Kahn versucht haben, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen, zu nötigen, sie der Freiheit zu berauben und mehr. Gleich nach Bekanntwerden dieser angeblichen Attacke, bei der nunmehr seitens der Verteidigung von Einvernehmlichkeit die Rede ist, meldete sich eine 31-Jährige Französin, die von diesem Mann bereits vor acht Jahren sexuell belästigt worden sein soll, auf Anraten der Mutter den Vorfall jedoch nicht zur Anzeige gebracht hat. Und sie soll nicht die Einzige sein, die etwas beizutragen hat.

Fühlst du nicht die innig, süßen Triebe, Triebe…

Selbstverständlich muss dieser Mann, wenn ihm die vorgeworfenen Taten zweifelsfrei nachgewiesen werden, mit aller Härte bestraft werden.

Doch hat Dominique Strauss-Kahn, welcher als der mächtigste Banker der Welt gilt, tatsächlich  im prüden Amerika den Blick auf die Realität verloren? Zig Male geistig durchgespielt kann ich mir nicht vorstellen, dass der kleine Mann mit den riesigen Tränensäcken sich so vergessen und seine „süßen Triebe” auf diese kriminelle Weise befriedigt haben wollte und sollte. Für mich stinkt dies nach einer Falle, in die der alte Schwerenöter vielleicht nur allzu gerne getappt ist.

…wie mein Herz verlangt nach dir?

Egal, was sich nun bei dem New Yorker Gericht herausstellen mag, Strauss-Kahn ist verbrannt.

Was sich wiederum gut für den französischen Staatspräsidenten auswirkt, der nun seiner Wiederwahl gelassener entgegensehen kann. Vor allem aber auch deshalb, weil Madame Sarkozy - Bruni natürlich - rechtzeitig mit einer kleinen Joséphine, besser noch, einem kleinen Napoleon werbewirksam an seiner Seite zu finden sein wird.

Sie meinen, das ist böse? Eher Dunkelschwarz und zum Heulen, würde ich sagen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Es war sehr schön,es hat mich sehr gefreut!

 

 


So, oder so ähnlich hat es der gute alte Kaiser Franz Joseph nach diversen Festivitäten und Auftritten von sich gegeben. Vielleicht hat sich auch die Queen dergestalt geäußert, als die heiß ersehnte Hochzeit endlich über die Bühne gegangen war. Noch dazu ohne Patzer oder Katastrophen.

Haben Sie das Ereignis verfolgt? Zugegeben, ich war schon ein bisserl gerührt, als der rotgewandte Bräutigam, flankiert von seinem diesmal eher unsicher blickenden Bruderherz, die Kirche betrat. Noch mehr aber, als dann seine Zukünftige, gestützt von Vaters starker Hand langsam auf ihn zu schwebte. Herrlich.

Unglaublich ergreifend war es, als die Hymne „Jerusalem” erklang. Jeder der Anwesenden schmetterte aus voller Brust das 1916 von Hubert Parry komponierte Lied. In diesem Moment war eine Einigkeit spürbar, ein Zusammenhalt, den man nicht erklären kann.

Nun, die Zeremonie war - neben dem Kleid der Braut - eine eher schlichte. (Eh klar, Englands Haushalt schaut nicht berauschend aus, und wahrscheinlich wollten es deshalb auch die Königlichen nicht übertreiben und den Unmut des Volkes auf sich ziehen.)

Abgesehen von einigen etwas abenteuerlichen Hüten oder Kopfbedeckungen, die die  Kamera einfing. Man konnte manch einem Deckel gar nicht entgehen, so groß war er ausgefallen. Einige der Gebilde waren dem Anlass entsprechend zart, andere jedoch hatten es wirklich in sich. Sie sahen aus wie schräg auf den Köpfen platzierte Wagenräder, die nur die Aufgabe hatten, die entsprechenden Gesichter zu verdecken. Tja, ein königlicher Polterabend kann schon seine Spuren hinterlassen, nicht wahr?

Die nach meinem Gefühl fragwürdigste Kreation trug eine der Töchter vom feschen  Prinz Andrew. Seine Fergie, die von der Queen von jeher ungelittene Ex, war ja leider nicht eingeladen, was ich sehr bedauerte. Vielleicht hätte sie vor dem Auftritt doch ein Machtwort gesprochen und ihrer Tochter das peinliche Gebilde vom Kopf gerissen. So aber fing die Kamera ein aprikotfarbenes Osterei ein, das gleichsam wie aus dem Haaransatz der Trägerin gewachsen schien. Dieses Osterei wurde aufgepeppt mit gleichfarbigen,  zur Seite gebogenen Bändern, so dass es aussah, als würde das junge Mädchen von dem gebänderten Ei jeden Moment in die Höhe gezogen und durch die Kirche flattern.  Schade, dass sich ein so junges Mädchen das antun muss. Möglicherweise hat sie und andere der Damen dieses Ereignis mit dem berühmten Catwalk von Ascot verwechselt?

Nun, gut is gangen, nix is gschehn. Bis halt auf den Ringwechsel, der etwas länger als geplant ausgefallen ist. Aber was soll‘s. Die beiden sind glücklich, die Queen ist noch glücklicher und das Volk am glücklichsten, weil die Warterei auf das Kleid der Braut ein Ende hatte und es den Tag zum Jubeln, winken und Fahnenschwingen nutzen konnte. Gibt ja nicht mehr viel zu bejubeln.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Frisch von der Leber weg

 

 


Während ich mir Gedanken über meine nächste Kolumne machte, kam ein Freund, der mich einmal die Woche besucht. Wir sprachen über dies und das und unter anderem erzählte ich ihm, dass ich wieder einmal planlos wäre. Es ist doch schon alles gesagt und geschrieben worden - egal in welcher Form. Es gibt - eigentlich - nichts Neues.

Politisch lasse ich mich eher selten aus, außer mir platzt wirklich mal der Kragen über die selbst ernannte Gurkentruppe, deren Beweihräucherungssprüche oder  irgendein besonders abstruses Verhalten. Haushaltsthemen sind abgehandelt, ebenso meine gärtnerischen Möchtegern-Ambitionen oder Vogel- und Futterorgien.

Er meinte daraufhin, ich solle mich doch nicht von derartigen Gedanken behindern lassen. „Schreib doch frisch von der Leber weg. Und wenn es den Leuten nicht passt, werden sie es dir schon mitteilen.”

Nach Günthers Besuch saß ich still da und plötzlich fühlte ich einen Funkenregen in mir.

Das muss ich Ihnen erzählen, sagte ich mir.

Irgendwo war ein dörfliches Fest, zu dem auch meine Tochter mit den Kindern auftauchte. Karussell fahren ist ja sowieso für die Kinder das Non plus ultra, weshalb sich meine Tochter während dessen an einen Tisch setzte und ein Glas Apfelsaft trank. Die Kinder kamen immer wieder mal zu ihr, tranken etwas und rannten zurück, um die nächste Fahrt nicht zu verpassen.

Mit am Tisch saßen zwei ältere Damen. Meine Tochter schätzte sie auf 75 bis 80 Jahre. Von „sehr nett” bis „wohlerzogen” hörte sie die beiden über die Kinder sprechen und irgendwann entspann sich auch ein Gespräch zwischen den dreien.

Tochterherz machte dann wohl einen großen Fehler indem sie auf Fragen zu dem doch ein wenig merkbaren Dialekt sagte, Österreicherin zu sein.

Plötzlich herrschte am Tisch eisiges Schweigen, die beiden Damen begannen sich abzuwenden und tuschelten miteinander. Als sie das Wort „Nazi” hörte, war meine Tochter entsetzt. Sie sprach die beiden Damen an, ob sie mit Nazi gemeint sei und wollte mit ihnen darüber diskutieren. Doch die zwei murmelten daraufhin nur etwas von Hitler und Nazi-Österreich, standen auf und gingen grußlos.

Für meine Tochter war dieses Vorkommnis mehr als eine Ohrfeige.

„Ich weiß”, sagte sie, „dass auf manchen Dörfern die Uhren noch anders ticken. Aber so etwas finde ich herb beleidigend. Ich bin 25 Jahre alt. Ich war damals noch gar nicht geboren und auch du warst nicht auf der Welt. Oma und Opa waren 34er und 37er Jahrgänge. Was soll dieser Schwachsinn? ‚Dörfliche Idylle‘, dass ich nicht lach‘. So einen Bullshit muss ich mir nicht bieten lassen.”

Darauf wusste ich leider nichts zu sagen, weil mir selbst der Mund offen stehen blieb. Dass solche Vorurteile noch grassieren, hätte ich nicht gedacht.

Dabei fiel mir eine Begebenheit ein, die ich vor rund 30 Jahren hatte. Aus einer heftigen Diskussion und Konkurrenzdenken heraus blökte mich eine Frau an: „So eine wie dich hätten sie früher vergast.” Während ich mich entsetzt von der  Xanthippe zurückzog, maßregelten sie die anderen Anwesenden für diesen bösen Sager.

Die Schuld war groß, weshalb dieser Irrsinn als Mahnung auch nicht in Vergessenheit geraten darf. Aber einmal muss Schluss sein mit Vorurteilen, Vorwürfen und Fingerzeigen.

Das war‘s. Frisch von der Leber weg. Danke Günther für deine Zündelei.

 

 

 

 

 

Doch a bisserl anders

 

 


Letzte Woche gab‘s hier in der Redaktion eine heiße Diskussion. Es ging um das Wort „entschlacken”. Ich strich es bei der Korrektur an und ersetzte es durch „verschlanken”.

Für mich ist der Ausdruck Entschlackung aus dem Medizinischen entlehnt, das heißt, den Körper von Fettstoffen befreien, was wiederum auf Fasten oder Heilfasten hinweist. Da ich mit diesem Thema nicht punkten konnte, verwies ich darauf, dass man auch einen Ofen entschlacken könnte. Beim Heizen mit Kohle und Koks bilden sich kleinere wie größere Schlacken. Werden diese nicht entfernt, zieht der Ofen nicht mehr richtig.

Verschlanken hingegen bedeutet für mich, dass Überflüssiges und unnötig Aufgebauschtes aus einem Text entfernt wird. Und das sollte doch wohl ausgedrückt werden.

Ich konnte mich nicht durchsetzen und wurde von der geballten Mannschaft belächelt. Denn Entschlacken sei ein bekannter Ausdruck, der hauptsächlich bei Texten verwendet wird, die mit Computerspielen zu tun haben.

Das Ende vom Lied war, dass ich zugeben musste, als Österreicherin und damit Ausländerin offenbar doch ein Defizit zu haben. So lächerlich sich das anhört, so schockierend war es für mich, als ich in den 80er Jahren nach Deutschland kam. Denn als ich hier meine erste Stelle antrat, wurde ich allen Ernstes gefragt, ob ich denn auch „richtig” deutsch könne.

So dämlich sich diese Frage für mich anhörte - manchmal befielen mich doch Zweifel. Für mich war beispielsweise das Wort „Vollstrecker” ein ganz normales, worüber andere herzlich lachen konnten. „Es gibt keinen Vollstrecker, der mit dem Hackebeilchen die Gläubiger aufsuchen würde. Bei uns heißt das Gerichtsvollzieher.” Zu meinem Einwand, dass es ja auch einen Vollstreckungsbescheid gibt, wurde nichts erwidert. Das ist halt eben so.

Während man hier „in Urlaub” geht (oder fährt oder fliegt), ist man in Österreich „auf Urlaub”.  Hier Mücke, dort Gelse. Hier Gehacktes, dort Faschiertes. Hier Sahne, dort Schlagobers. Hier Abitur, dort Matura und so weiter und so fort.

Ja, und dann natürlich die Brötchen, durch die ich auf ein peinliches Erlebnis zurückblicken kann.

Einige hochkarätige Mandanten waren angesagt, und ich wurde beauftragt, belegte Brötchen zu organisieren. Ich ging also Wurst, Käse, Mayonnaise, Butter und Gürkchen holen. Beim Bäcker erstand ich anstatt eines „Zeppelin” - der war nicht aufzutreiben - ein Kastenweißbrot. Das schnitt ich in Scheiben und beschmierte diese mit Butter. Anschließend belegte ich jede Weißbrotscheibe mit in Form geschnittener Wurst und Käse. Zum Schluss wurden die Gürkchen halbiert, in Fächer geschnitten und jedes der belegten Brötchen bekam zuletzt noch einen oder zwei winzige Spritzer Mayonnaise ab.

Ich war so stolz auf mein Kunstwerk, denn jedes der Brötchen sah sehr appetitlich aus. Seltsam war für mich nur das Heben der Augenbrauen meines alten Chefs. Als die Mandanten endlich weg waren, kam er auf mich zu. „Sagen Sie mal, was ist Ihnen denn da eingefallen? Das waren doch keine belegten Brötchen!” Und dann klärte er mich auf, was hier in Deutschland mit „belegten Brötchen” gemeint ist.

Ja, selbst als Österreicherin hatte und habe ich es nicht unbedingt einfach, mich im Deutschen zu behaupten. Doch dazu fällt mir ein lustiger Spruch ein:

„Deutsche Sprache - schwere Sprache. Aba scheeen.”

 

 

 

 

 

Es kann nicht genug Aufklärung geben

 

 


Er posiert in Facebook, mimt den harten Kerl, zeigt sich mit Boxerhandschuhen und Hanteln. Verhüllt seinen Kopf mit Kapuze. Zeigt seinen nackten Oberkörper. Er, der 18-jährige, der keine schöne Kindheit gehabt hat präsentiert sich so, wie er sich gerne sieht. Als coolen Typ.

Sie, seine Freundin, präsentiert sich - auch in Facebook - als die stolzeste Mama der Welt. Ebenfalls 18-jährig. Ihr Sohn ist eineinhalb Jahre alt. Doch die vormals stolzeste Mama der Welt zieht sich zurück. Deren Eltern sind besorgt, weshalb sie ihr Kind aufsuchen. Zu ihrem Entsetzen müssen sie feststellen, dass ihr Kind, die stolzeste Mama der Welt, blaue Flecke im Gesicht hat. Und das kleine Enkelkind? Es sieht nicht anders aus.

Der harte Kerl behauptet, dass der Kleine von einer Bank gefallen wäre. Am Vortag.

Die Eltern werfen den Facebook-Posierer aus der Wohnung.

Erst jetzt getraut sich die stolze Mama des eineinhalbjährigen Kindes zuzugeben, dass sie von ihrem Freund mit einer 40 Zentimeter langen Stahlrute geschlagen wurde.

Über zwei Monate soll das so gegangen sein, meinte die Polizeisprecherin und spricht von alten und neuen Verletzungen.

Vermutlich um sein Wohl besorgt, ging der Typ doch tatsächlich zur Polizei. Er wollte sich erkundigen, ob eine Anzeige gegen ihn vorliegen würde. Bei der sofortigen Verhaftung gab er an, krankhaft eifersüchtig zu sein. Ab und zu, meinte er, hätte er den Kleinen mit der flachen Hand geschlagen.

Ihm, der selbst keine schöne Kindheit gehabt hätte, ist also ein paar Mal nur „die Hand ausgerutscht”.

Beim Lesen dieser Meldung, die im österreichischen Kurier veröffentlicht stand, hat sich mir der Magen umgedreht.

Nicht nur, weil der Feigling gleichsam als Entschuldigung für sein Verbrechen eine angeblich unschöne Kindheit ins Feld führte.

Es war auch das Verhalten der stolzesten Mama der Welt, was mich zur Weißglut trieb. Sie ließ es zu, dass der Möchtegern-Macho den wehrlosen Kleinen misshandelte.

Ich kann es nicht verstehen. Es gibt die Eltern, denen man sich anvertrauen kann. Es gibt Frauenhäuser und Beratungsstellen, zu denen man flüchten kann.

Wie kann ich derartige Übergriffe auf mein kleines, wehrloses Kind, auf das ich so stolz bin, zulassen?

Wie kann ich es zulassen, mich selbst monatelangen schlimmen Misshandlungen freiwillig auszusetzen? 

Schäme ich mich für die missglückte Partnerschaft und nehme billigend in Kauf, geschlagen zu werden?

Habe ich möglicherweise doch zwei angeregte Worte zu viel mit dem Freund meines Freundes geredet? Hätte ich nicht mit ihm tanzen sollen?

Naja, der Kleine hatte Blähungen und daher viel geweint. Und dann drückten die Zähnchen. Fieber hat er auch gehabt. Und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Das alles kann einen schon zur Weißglut treiben und solche Kurzschlusshandlungen auslösen…

Unsichere und leicht beeinflussbare Menschen schämen sich, haben Angst und Schuldgefühle. Sie sind mit Entschuldigungen für das Ausrasten eines Partners schnell bei der Hand. Selbst wenn Kinder darunter leiden müssen.

Ungeachtet dessen, dass die Partnerwahl des Kindes eine offensichtlich schlechte ist, müssen Eltern signalisieren, dass es jederzeit und mit allen Problemen zu ihnen kommen kann.

Welche Wege im Falle von physischen als auch psychischen Misshandlungen genommen werden können, müssen nicht nur durch die Eltern, sondern auch verstärkt und immer wieder durch die Schulen aufgezeigt werden.

Ist der Ernstfall eingetreten, hilft nur liebevolles, vorwurfloses und unterstützendes Auffangen. Sowohl von den Eltern her als auch staatlicherseits. Und zwar bevor es zu spät ist und weitere unschuldige Opfer zu beklagen sind.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ohne Lügen geht es nicht?

 

 


Nachdem ich das Buch „Lügnerin” gelesen hatte, machte ich mir einige Gedanken um dieses Thema.

Was ist eine Lüge?

Der Bus hat Verspätung und deswegen komme ich nicht rechtzeitig zur Arbeit. Also verkünde ich lauthals: „Ich habe mich verspätet, weil der Bus Verspätung hatte”. Wohlweislich verschweige ich aber, dass ich zu faul war, früher aus dem Haus zu gehen. Ich schiebe also meine eigene Unfähigkeit auf den Bus und verschleiere ein bisschen die Tatsachen.

Eine „kleine” Lüge, aber immerhin.

Tante Erna feiert einen runden Geburtstag. Sie lädt dazu alle ihre Verwandten und Bekannten ein. Mir graut vor diesen Begegnungen, fühle ich mich doch wieder wie als Kind behandelt. und begutachtet. Was könnte ich mir als Ausrede einfallen lassen, um nur nicht dort erscheinen zu müssen? Würde ich Tante Erna sagen, dass ich keine Lust habe, an dem Seniorentreffen, noch dazu mit Onkel Jörg und Tante Simone, teilzunehmen - was der Wahrheit entspräche -, wäre die Tante tödlich beleidigt und ich könnte eine mögliche Erbschaft in den Kamin schreiben. Also greife ich zum Hörer und sage, dass ich einen unaufschiebbaren und meiner Karriere förderlichen Termin wahrnehmen muss. Ja, leider auch am Wochenende, denn ein sicherer Arbeitsplatz ist heutzutage wichtig. Tante Erna ist zwar traurig, hat jedoch das erwartete Verständnis für meine Lage. Und ich? Ich habe eine Lüge mehr am Buckel und das schlechte Gewissen wächst.

Glücklich habe ich eine wunderschöne Wohnung ergattert, freue mich über die Weite der Räume und die Einrichtung. Viele Freunde haben mitgeholfen und ich lade alle ein zu einer Einweihungsparty. Wie üblich, bringen die Freunde auch Geschenke mit. Unter anderem taucht auch Fred auf, der sich etwas Spezielles für mich einfallen ließ: Er schenkt mir einen Türstopper aus Messing. Mit Pferdekopf!

„Na, das ist ja mal ein ausgefallenes Geschenk. Vielen Dank dafür.” sage ich und denke „Scheibenhonig, wo soll ich dieses hässliche Ding hinstellen. Hätte er sich nicht was Besseres einfallen lassen können?”

Eine Lüge nach der anderen.  Ohne rot zu werden, hauen wir tagtäglich unseren Mitmenschen unsere so genannten kleinen Notlügen, aber auch größere Brecher um die Ohren. Hauptsache, wir müssen uns keine Gedanken machen, die Wahrheit in annehmbare Worte zu kleiden.

So könnte ich beispielsweise zugeben, dass ich - leider - zu spät aufgestanden bin und deshalb den Bus versäumt habe.

Ich könnte Tante Erna sagen, dass Onkel Jörg und Tante Simone nicht mein Fall sind und ich die geballte Seniorenpower nicht ertrage. Viel lieber möchte ich alleine mit ihr essen gehen. Außerdem könnten wir uns dann intensiver unterhalten als das in großer Runde der Fall wäre. Tante Erna ist Ehrlichkeit lieber, weshalb sie sich auf das Essen mit mir freut.

Und ich könnte Fred fragen, wie er auf die Idee mit dem Pferdekopf gekommen ist, da ich mit Pferden überhaupt nichts am Hut habe und mir diese großen Tiere eigentlich eher Angst machen. Ich könnte ihm vorschlagen, mit ihm den Pferdekopftürstopper zurückzubringen und mir etwas anderes auszusuchen. Ist Fred ein richtiger Freund, wird er darüber lachen und zustimmen.

Lügen über Lügen - sie häufen sich mit der Zeit zu einem Berg an, den zu tragen es immer schwieriger wird.

Wir sollten uns alle einmal einen Tag lang wirklich intensiv beim Reden zuhören. Wenn wir uns ehrlich bemühen, schaffen wir es vielleicht doch, mit der Wahrheit durch den Tag zu kommen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Einige Gedanken zum Tatort vom 20. März

 

 


Längst schon hätte man dieses Thema anschneiden sollen. Doch es ist so sensibel, dass man sich - bis auf einige wenige und zaghafte Ausnahmen - nicht getraute, laut darüber zu reden. Ein Tatort soll es richten und wenn möglich den Anstoß dazu geben.

Erst der Anstoß, dann der Ausstieg aus dem Spiel? Denn ein solches ist es. Sind doch die Spieler (!) verpflichtet, als „ganze Männer” aufzutreten. Ein Homosexueller hat unter waschbrettbauchigen Fußballspielern und tausenden, hymnensingenden Fans nichts zu suchen wie er es sich sowieso verkneifen sollte, überhaupt Sportler zu werden. Denn in diesem Bereich sind nämlich nur richtige Männer gefragt.

Lächerlich fand ich, als im Tatort das Duschen der Fußballer angesprochen wurde. Jahrelang trainiert man gemeinsam, teilt Sieg und Niederlage miteinander, doch ein plötzliches Outen würde das Abwenden vom betreffenden Spieler mit sich bringen. Wie schwach ist das denn? Könnte es wirklich dazu kommen, dass die ach so männlichen Spieler sich nicht mehr getrauten, dem geouteten Homosexuellen den Rücken zuzukehren? Man würde sich nach einem Tor, einem Sieg nicht mehr Knuddeln dürfen, sonst würde man gleich mit angeprangert?

Und dann noch die vielen Kinder - was sollte man denen erzählen? Jetzt gibt es da zwar einen sauguten Spieler, doch der ist kein männliches Vorbild mehr. Darf es nicht mehr sein, denn diese Art der Sexualität könnte möglicherweise infizierend auf Kinder und Jugendliche wirken. Ja, solche Denkgewohnheiten gibt es noch immer.

Die Angst geht um, dass doch einer unter dem jahrelangen psychischen Druck des Versteckspiels zugeben würde, nicht hetero, sondern homosexuell zu sein. Seine Karriere wäre dank der fest verankerten Einstellung vieler Menschen zu Ende. Entgegen der Projektion des Filmes wäre sein Auflaufen in der realen Welt leider mehr als in Frage gestellt.

Überfällig war und ist dieses Thema allemal. Es ist an der Zeit, dass neben der Fiktion auch im wahren Leben schnellstens ein Umdenken erfolgt.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Wahlkampfthema dank Katastrophe?

 

 


Nachdem in Japan nicht nur die Erde bebte und der Tsunami riesige Landstriche verwüstete, Familien auseinander riss und Tausende Tote zurückließ, gibt es durch den drohenden nuklearen Super-GAU eine neue Gefahr. Dieser noch - irgendwie - entgegenzuwirken oder sie gar abzuwehren scheint ein kaum mögliches Unterfangen.

Die grausame Katastrophe, geboren sowohl aus unberechenbarer Naturgewalt als auch aus schwer zu kontrollierender und komplizierter Hochleistungstechnologie (ohne die der Mensch aufgrund seiner hemmungslosen Gier nicht mehr auszukommen scheint), hat die deutsche Regierung dazu gebracht, sich nun doch eingehender mit der Sicherheit der einheimischen Kernkraftwerke zu beschäftigen. Hat sie zuerst eine Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke durchgesetzt, entscheidet sie sich jetzt zur Vorbeugung für einen Rückzieher und für  die Sicherheit des Volkes.

Dafür wird sie mit oppositioneller Schelte überzogen und lächerlich gemacht. Wenn es jedoch um die Sicherheit von über 80 Millionen Menschen geht, haben Parteiprogramm und -zugehörigkeit hintenzustehen. Dümmliche Aufplusterung und polemische Wahlkampfäußerungen gegen Merkels Agieren - welchen Gründen es auch immer entsprang - zeigen eine Geisteshaltung, die es zu überdenken gilt.

Auch wenn Merkels verantwortungsvoller Schritt als wankelmütige Wahlkampfpropaganda - erst Laufzeitverlängerung, dann Moratorium - eingestuft werden könnte, ist er nach den schwerwiegenden Vorfällen in Japan nur folgerichtig. Obwohl die hiesigen Kernkraftwerke als sicher gelten, war die jetzige Beauftragung erneuter Kontrollen und Belastungstests entsprechendes  MUSS! Es geht schlicht um die rechtzeitige Wahrnehmung und das rechtzeitige Beheben etwaiger Fehler, und zwar bevor es zu weiteren menschlichen wie wirtschaftlichen Tragödien kommt.

Es erhebt sich nur die Frage, ob hierfür drei Monate genügen. Gerade bei dieser sensiblen, gefährlichen und leider auch bedrohlichen Technologie darf es keine Fehlertoleranz geben, was sich insbesondere die Betreiber auf ihre Fahnen heften müssen. Im Übrigen ließ nicht nur Frau Merkel Vorbeugungsmaßnahmen einleiten, auch andere Staaten beauftragten entsprechende Untersuchungen. Alles nur Wahlkampfstrategien?

Müssen aufgrund der neuen Analysen nicht nur mehrere Kernkraftwerke stillgelegt, und - bis zum endgültigen Ausstieg - zusätzliche aufwändige Sicherheitsmaßnahmen veranlasst werden, kommen ohne Frage höhere Stromkosten auf uns zu. Unabhängig von der Prüfung und gegebenenfalls Kündigung der Exportverträge wegen Eigenbedarfs muss der Ausbau der alternativen Energien zügiger vorangetrieben werden. Zudem muss sich jeder Einzelne spätestens jetzt an die Nase fassen und überlegen, wie er Strom sparen oder aber Stromkiller ganz beseitigen kann.

Ich muss während des Winters die Heizung nicht auf 30 Grad einschalten, um in der Wohnung im T-Shirt herumlaufen zu können.

Ich brauche keine Festbeleuchtung in der gesamten Wohnung, wenn ich mich nur im Wohnzimmer aufhalte.

Ich schalte die Waschmaschine nicht für drei Handtücher ein sondern warte ab, bis ich sie mit einer vollen Ladung Wäsche befüllen kann.

Ich brauche keine riesige Leuchtreklametafel, die nachts, wo die meisten Menschen sowieso schlafen, hell leuchtend teuren Strom verpulvert.

Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

Das Thema Strom - Energie - Nutzung - Verbrauch allein auf die Politiker abzuwälzen, würde von dummer Ignoranz zeugen. Dieses Thema geht jeden an.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Über ein kleines Maschinchen und seine Auswirkungen

 

 


Vor einigen Tagen kam eine freudenstrahlende Kollegin ins Büro. Ein etwas ungewöhnlicher Anblick, sucht sie doch sonst mit eher neutralem Gesichtsausdruck gleich ihren Arbeitsplatz auf. Doch diesmal sprudelte sie über vor Glück. Ihr Partner hatte sie am Vorabend mit einem großartigen Geschenk überrascht. Na endlich, dachte ich. Das kann doch nur der lang erwartete Ring sein. Denkste. Frau freut sich wie ein Kind über: einen Staubsaug-Roboter!

Die Geschichte dazu. Mann wird von Anfang an dazu verdonnert, im Haushalt mitzuhelfen. Kochen kann er nicht, mit dem Putzen hat er‘s auch nicht so sehr, Abstauben ist sowieso heikel und damit ebenfalls Frauensache, also bleibt nur mehr das Staubsaugen. Huldvoll überlässt ihm Frau die letzte Bastion der Haushaltsreinigung - um Oberarme und Wirbelsäule zu schonen. Aber … Mann muss so saugen, dass Frau kein Krümelchen mehr sieht. Er macht‘s geduldig und still vor sich hinleidend. Da Frau seit Kurzem Brille trägt beim Arbeiten, sieht sie auch viel besser, was Mann mit dem Staubsauger veranstaltet. Oder auch nicht.

 Jetzt hat er sich schlau gemacht, wie er quälenden Hinweisen und Vorwürfen entgegenwirken kann und besagten Roboter gekauft. Liebevoll wurde das Wunderwerk ausgepackt, angeschlossen, aufgeladen und schon freuten sich Frau und Mann über das selbsttätige Maschinchen, das stundenlang Pirouetten drehend durch die Wohnung flitzte, den Staub einsaugte, selbst die Fußbodenleisten reinigte und einen sauber blitzenden porentief gereinigten Boden hinterließ.

Nach getaner Arbeit und als dem Roboter der Saft ausging, reinigte Mann ihn liebevoll. Er entstaubte das Ding zärtlich, strich ihm freundschaftlich über die Sensoren, dankte ihm überschwänglich für seine Leistung und stellte ihn in die Ladestation, um ihn schnell wieder einsatzbereit zu machen. 

„Endlich muss ich nicht mehr nachkontrollieren”, meinte die Frau glücklich lächelnd. Und ließ dabei völlig außer Acht, dass Mann nun überhaupt keinen Handstrich mehr im Haushalt tun wird. So etwas wie Arbeitsteilung gibt es nicht mehr, denn sämtliche anderen Arbeitsplätze sind von Frau belegt.

Während sie weiterhin im Schweiße ihres Angesichts stundenlang im Haushalt herumwerkeln, kochen und akribisch putzten wird, kann er sich genüsslich auf der Couch räkeln, Musik hören, Zeitung lesen, Spazieren gehen, im Internet surfen, Fernsehen, sich mit Computerspielen beschäftigen, das Motorrad putzen, Nachbarn besuchen,  ihr beim Arbeiten zusehen und sie irgendwann - müde geworden vom Nichtstun - fragen: „Schatz, wann ist endlich das Essen fertig?”

Mann muss nur die richtigen Ideen haben.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Der Internationale Frauentag - ist er noch zeitgemäß?

 

 


Heute, am 8. März, wird zum 90. Mal der Internationale Frauentag begangen. Das Datum wurde 1921 von der Frauenkonferenz in Moskau festgelegt, angeregt durch den bereits 1910 von Clara Zetkin, einer deutschen Frauenrechtlerin und Sozialistin ins Leben gerufenen Frauentag. Diese wiederum war durch eine Idee aus den USA dazu inspiriert worden.

Ist dieser Tag für uns heute noch bedeutsam? Frauen können doch ohnehin alles erreichen, was sie wollen.

Ja, hier bei uns - möglicherweise -, in den Entwicklungsländern beispielsweise sieht es anders aus. Gewalt gegen Frauen  ist dort Normalität. Sie gehört in einigen Ländern genauso dazu wie die Kinderheirat oder die Genitalverstümmelung. Von Gleichberechtigung kann nicht mal ansatzweise die Rede sein.

Anders bei uns. Die mündige Frau darf wählen, sich gegen Diskriminierung wehren und wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Sie hat Zugang zu Bildung und Ausbildung, kann jeder Arbeit nachgehen, die sie für sich als die richtige erkennt oder lieber eine Familie gründen, das kulturelle Angebot nutzen,  einen Arzt konsultieren, Beratungsstellen aufsuchen et cetera.

Früher war die Frau reduziert auf Sekretärinnen- und Erziehertätigkeiten, sie durfte Lehrerin werden, am Fließband arbeiten, sich als Bäuerin beweisen und als Magd verdingen.

Doch obwohl Frau heute alles „kann”, ist sie noch immer nicht gleichberechtigt. Allein die Löhne und Gehälter folgen eigenen, undurchsichtigen Gesetzen.

Immerhin kann Frau jetzt einen (weiteren) kleinen Erfolg für sich verbuchen: Die diskriminierenden, unterschiedlich hohen Tarife der Versicherer wurden vom Europäischen Gerichtshof endlich ausgehebelt. Das heißt, dass ab 2012 Frauen wie Männer die gleichen Beiträge bezahlen werden. Es ist ja auch ein Unding, Frauen mit höheren Beiträgen zu bestrafen nur weil sie sich (statistisch gesehen) erlauben, rund sechs Jahre länger zu leben als Männer! Dieser jahrzehntelange Missstand der unterschiedlichen Beiträge hätte schon längst von sozial denkenden Politikern abgeschafft gehört.

Nun feiern wir heute also die Frau und vor allem ihre schwer erkämpften Errungenschaften. In verschiedenen Aktionen wird darauf verwiesen, was alles im Argen liegt - anderswo, und was hier in Deutschland noch verbesserungswürdig erscheint. Denn Frau ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung noch immer nicht gleichberechtigt.

Vielleicht aber haben viele Frauen auch selbst schuld daran, wenn sie sich benachteiligt fühlen. Denn sie haben versucht, in der befreienden Frauenbewegung die so genannte Emanzipation auf Biegen und Brechen durchzusetzen und alles, was Mann sagte oder tat, prinzipiell in Frage zu stellen oder abzulehnen. Dazu bedienten sie sich seltsamerweise den ihnen so verhassten Machogebärden. Indem sie permanent besserwisserische Gegenargumente herausposaunten, selbst die Sprache auf fraulich trimmten, wirkten sie mit einem Mal lächerlich und unattraktiv.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Es gibt Wichtigeres!

 

 


Obwohl bereits zig Mal durchgekaut, will ich heute auch noch meinen Senf dazugeben. Es geht um zu Guttenbergs Doktorarbeit. Nicht, dass ich dieses Werk vielleicht gekauft und mühsam durchgeackert hätte - für 80 Euro besorge ich mir mehr und spannenderes Lesegut -, nein, es geht um das Zustandekommen von Auslassungen.

Meinereine hätte, vor einem überquellenden Schreibtisch und in einem Wust von Informationen und passender Lektüre sitzend, schon Probleme mit der Einleitung. Normalerweise müssen bereits die ersten Worte und Sätze eines Buches fesselnd sein, sonst liest niemand weiter. Aber lassen wir das mal beiseite. Der Einleitung kann ich mich immer noch widmen. Denn es ist die Gliederung der Unterthemen dran. Hier wird laufend verworfen, überlegt, an fünfte oder achte Stelle gesetzt, neu überlegt, an andere Stelle gepackt und letztendlich gestrichen.

Nein, eigentlich ist das falsch. Erst werden die Unterthemen ausführlich bearbeitet und dann wird gegliedert. Wo jetzt hin mit der endlosen Zitatensammlung? Na klar, die wird aufgedröselt und in die verschiedenen Themen eingearbeitet. Hätte eigentlich schon zu Beginn der Arbeit richtig eingebaut werden müssen. Im Übrigen ist auf meinem Schreibtisch längst das sprichwörtliche Chaos ausgebrochen. Der Computer quillt über vor Dateien und zahlreichen Unterdateien, der Boden ist bedeckt mit Bücherstapeln und riesigen Papierhaufen. Nur ein schmaler, kaum noch erkennbarer Trampelpfad führt vom Arbeitsplatz zur Küche, ein anderer ins Schlafzimmer, das ich eher selten zu Gesicht bekomme.

Monatelang quäle ich mich mit Satzbau und Formulierungen, denn frei Schnauze darf so eine Doktorarbeit ja nicht geschrieben sein. Sie wird nämlich von honorigen Leuten gelesen und beurteilt. Das normale Fußvolk hat sowieso keine Ahnung, worum es in dieser Arbeit geht. Mein Doktorvater - ich habe leider keine Doktormutter gefunden - ist einigermaßen zufrieden mit meinen bisherigen Gedankengängen. Ich versuche, seine Tipps und die weitere Informationsflut irgendwie zu bewältigen, lebe ausschließlich von Kaffee, Salzgebäck und wohlmeinenden Worten. Meine Augen brennen vom vielen Lesen und dem ständigen Starren in den Computer. Ich bin ausgelaugt und frage mich, wofür ich das tue.

Meine Doktorarbeit ist fast fertig. Ich kontrolliere akribisch, ergänze, lösche, korrigiere, lasse gegenlesen, korrigiere erneut, nochmaliges Gegenlesen von Freunden, berausche mich wie kurz vor der Einweisung in die Psychiatrie an meinen 500 Seiten, die ich am liebsten in eine Ecke feuern würde, finde noch immer Verbesserungswürdiges, bis ich endlich die Doktorarbeit abgebe. Ich will sie nicht mehr sehen, so oft habe ich an den einzelnen Kapiteln gefeilt und herumgedoktert.

Schließlich hat sich der monatelange Rückzug in meine heillos mit Papier zugemüllte Eremitage, in der sich lediglich mein Partner  bewegen durfte (lautlos, versteht sich), ausgezahlt, denn die Arbeit wird für ausgezeichnet befunden.

Doch mein naiver Stolz bekommt einen gehörigen Dämpfer. Denn nach fünf oder sechs Jahren kommen ein paar Hanseln daher, die sich darüber empören, dass ich Zitate nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet hätte! Haben die sich schon mal an eine Doktorarbeit gesetzt? Haben die eine Ahnung, wie viel Blut, Schweiß und innerlich geweinte Tränen es gekostet hat, diese 500 Seiten fertigzustellen?

In Wahrheit wird meine Doktorarbeit ja nur deshalb zerpflückt, weil ich schon wieder einen wichtigen Posten innehabe, der mir nicht gegönnt wird. 

Wütend darüber, dass es nicht schon früher gelungen ist, mich abzusägen, betreiben diese wohlmeinenden, gezielt die Öffentlichkeit empörenden Niedermacher meinen Niedergang. So demütigend wie nur möglich.

Doch mich ficht das nicht an. Es gibt dringendere und wichtigere Fragen, die geklärt beziehungsweise gelöst werden müssen. Sollen sie sich doch meine Doktorarbeit an den Hut stecken. Und meinen Doktortitel noch dazu.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

„Alle Menschen tun alles für sich selbst.”

 

 

Eine schwere Lungeninfektion mit folgendem Herzversagen verhinderten, dass der österreichische Nestbeschmutzer am 9. (oder 10.) Februar 80 Jahre alt geworden wäre.

Er, der bereits in seiner Jugend unter Lungentuberkulose litt und einige Sanatoriumsaufenthalte hinter sich bringen musste, wäre nach wie vor ein Stachel im österreichischen Gefüge und hätte weitere atemlos klingende, von übertriebener Bösartigkeit triefende und des Volkes Hass schürende Bücher, Theaterstücke und Gedichte veröffentlicht. Oder sich - müde geworden - umgebracht.

Einmal gelesen, macht dieser krasse Ich-Denker und -Erzähler mit seinem brillanten Satzbau hochgradig süchtig einerseits wie er die Österreicher mit Schaum vor dem Mund dastehen ließ, wenn er über das Land meinte: „Was ist Österreich? Eine geist- und kulturlose Kloake” andererseits.

Diese Hassfigur, welche Politiker hauptsächlich nach „Heldenplatz” zu Zensur und Aufführungsverboten provozierte, war ein äußerst sensibler Mensch, ein genialer Autor in seiner Übertreibungskunst und (un)heimlicher Beobachter der „naturgemäßen” Neigungen, der sich in einen Wortrausch steigern konnte, welcher im offenen Leser Nicken, Kopfschütteln, Nachdenklichkeit und lautes Lachen hervorrief und hoffentlich noch immer hervorruft.

Er hielt der so genannten Gesellschaft einen riesigen Spiegel vor und formulierte unerträglich schmerzhaft seine Standpauken, mit denen nicht viele etwas anfangen konnten. Vielleicht gerade deshalb stand er plötzlich vor einer über sechs Millionen zählenden Menschenmauer selbsternannter Kritiker, von denen die allerwenigsten jemals eines seiner Werke gelesen,  geschweige denn ein Theaterstück von ihm gesehen hatten, allen voran die politische Elite, die sich mit einem Mal einig war.

Nicht lange vor seinem Tod ging es darum, Österreichs verrücktesten, scheußlichsten, gemeinsten, fanatischsten, infamsten und  heimtückischsten Wahrheitsseher auszulöschen.

Thomas Bernhard starb am 12. Februar 1989. Noch nach seinem Tod, von dem die Bevölkerung erst nach der Beerdigung erfuhr, verstand es der zornige „Geschichtenzerstörer”, die verkannte und zutiefst verletzte österreichische Volksseele erneut brodeln zu lassen: Er verfügte nämlich, dass seine Werke in diesem Land weder nachgedruckt, aufgeführt oder auch nur rezitiert werden dürften; dieses Verbot wurde 1998 durch seinen Halbbruder aufgehoben.   

Dazu einige Buchtipps:
„Beton”
„Holzfällen”
„Amras”
„Frost”
„Alte Meister”
„Der Kulterer”
„Der Untergeher”
„Watten”
„Ungenach”
„Wittgensteins Neffe”
„Das Kalkwerk”
„Die Ursache” / „Der Atem” / „Der Keller” /”Die Kälte. Eine Isolation” / „Ein Kind”
„Auslöschung”
„Der Untergeher”
„Die Billigesser”
„Heldenplatz” ……..

 

 

 

 

 

Getestet und für schlecht befunden

 

 


Vor fast genau zwei Jahren machte ich meinem Entsetzen Luft, dass mein Lieblingsenkel offenbar zu einem Dodl mutiert. Warum? Weil er bei einer der fälligen Untersuchungen beim Kinderarzt das Malen eines Strichmännchens verweigerte. Stattdessen legte er ein Schneckenportrait hin. Der Kinderarzt, völlig konsterniert ob der bösartigen Eigensinnigkeit des 4-Jährigen, regte die unbedingte Einschaltung eines Logopäden an, der den Kleinen wieder auf Spur bringen sollte. Tochterherz ignorierte die Weisung, weil sie meinte, Benjamin sei genau richtig entwickelt. Wobei ich sie vom Herzen unterstützte. Laien können ja so was von blöd sein!

Denn nun musste Benjamin zwecks Feststellung seiner Intelligenz, seiner Fein- und sonstigen Motorik und seines Benehmens beim Amtsarzt antreten, weil im Herbst der Schuleintritt winkt. Und darauf freut sich der kleine Mann schon sehr. Er ist ein begeisterter Rechner, schreibt herrliche Buchstaben und sucht entsprechende Worte dazu, ist wissbegierig, singt gerne und ist daneben natürlich ein kleiner Lauser. Wie jeder Bub eben. 

Was wurde vom honorigen Amtsarzt festgestellt? Nun, mein kleiner Dodl soll doch tatsächlich autistische Tendenzen zeigen. Hä? Benjamin bekam es nämlich nicht richtig hin, sich voll auf den Arzt zu konzentrieren. Anstatt permanent Augenkontakt zum Arzt zu suchen, drehte er immer wieder den Kopf weg und schaute sich in dessen Zimmer um.

Umschauen verboten! Wurde er etwas gefragt, ließ er sich mit der Beantwortung Zeit und kratzte sich am Bein oder am Kopf.  Kratzen verboten! Benjamin war schlicht verlegen, plötzlich im Mittelpunkt des Interesses eines ansonsten fremden Menschen zu sein. Verlegen sein verboten! Zudem schlenkerte er zeitweise mit den Beinen.

Ihm war langweilig. Beine schlenkern verboten. Langeweile auszudrücken ebenso.

Diese groben Anstandsverletzungen sind also die Anzeichen dafür, dass das Kind nicht nur ein ausgewachsenes Aufmerksamkeitsdefizit aufweist, sondern auch dem Autismus nahesteht.

Der Minus-Eintrag von vor zwei Jahren im Untersuchungsheft meines kleinen Lieblings wurde also um einen weiteren schwarzen Punkt ergänzt. Wenn das so weitergeht mit Benjamin, wird ihn seine Mutter wahrscheinlich nicht von der Schule abholen können, weil er in ein Heim für schwer erziehbare, bösartige und aufsässige Kinder und später in die Psychiatrie eingewiesen wird. Glücklicherweise wurden wir jetzt endlich über das gefährliche Gehabe und undurchsichtige Innenleben des kleinen Dodls aufgeklärt.

Meine Tochter ist ebenfalls mit einem imaginären schwarzen Punkt stigmatisiert, denn sie hat die Anregung des Arztes, einen Logopäden einzuschalten, arrogant negiert. Ihr aufsässiges Verhalten und die Anzweiflung der ärztlichen Weisheit sind genauso schlecht, wie ihr Sohn weiterhin auffällig ist. Nun ja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man doch so schön.

Benjamins Karrieren als Polizist, Baumeister, Architekt, ADAC-Mitarbeiter, Kranfahrer, künstlerischer Maler, Musiker, Pilot und Erfinder sind nicht nur gefährdet. Er kann sie alle in den Rauchfang schreiben. Schuld daran hat natürlich die Mutter (und meinereine im Hintergrund). 

Wie wird wohl seine kleine Schwester eingestuft, die als noch nicht 4-Jährige wie ein Wasserfall redet, gerne singt und tanzt, Wutanfälle bekommt, wenn Benjamin ihr ein Spielzeug nicht überlässt und sich hauptsächlich von Brokkoli, Kartoffeln, Yoghurt und Quark ernähren möchte?

Ach, was waren das doch für wunderbare Zeiten, als noch Zucht und Ordnung herrschten und „Schwarze Pädagogik” praktiziert wurde. Laut ihr hatte ein Kind keinen eigenen Willen zu haben. Denn der wurde wie auch seine natürlichen Triebe systematisch gebrochen, das Lebendige zerstört und Emotionen bereits im Keim erstickt.

Weil also mein kleiner Benjamin dermaßen eigensinnig ist und außer Rand und Band ohne Erlaubnis in der Gegend herumschaut, weil er verlegen auf fremde Menschen reagiert, sich noch dazu kratzt und mit den Beinen schlenkert, plädiere ich wieder für den altbewährten Rohrstock und die Wiedereinführung der Prügelstrafe. Denn wer will sich schon mit so einer ungefestigten Persönlichkeit abgeben müssen? Zudem haben sich Eltern ohne Wenn und Aber dem System zu unterwerfen. Tun sie es aus Gründen, die mit dem gesunden Menschenempfinden zu tun haben nicht, sollte ein Aushang mit den betreffenden Namen am jeweiligen Magistrat und den Schulen gemacht werden.

Das Ende vom Lied: Die Erwachsenen reden sich die Köpfe heiß weil sie es gewagt haben, die Anweisung einer Autorität anzuzweifeln.

Und der eigensinnige kleine Dodl? Der fragt verunsichert: „Mama, hab‘ ich was falsch gemacht?”

 

 

 

 

 

Mittelalter war gestern

 

 


Es ging die Mär, dass es in einem Bürgeramt eine 39-jährige Frau marokkanischer Abstammung gibt, die nach ihrer Elternzeit zukünftig in Vollverschleierung ihrer Tätigkeit nachgehen wollte. Was riesige Wellen schlug. Denn vorher nahm sie ihre Arbeit ohne Zurschaustellung religiöser oder sonstiger Attribute wahr. Was hatte den Umschwung nach der Geburt ihres vierten Kindes bei dieser Frau hervorgerufen?

Vielleicht handelte es sich um den Hilferuf einer verzweifelten Frau, die mit ihren vier Kindern nebst Mann und zusätzlichem Beruf heillos überfordert ist? Bleibt ihr keine Zeit mehr, sich zu pflegen und will sie sich deshalb nur mehr verschleiert auf die Straße und ins Büro wagen? Ist diese Verschleierung die einzige Möglichkeit, ihre Unterdrückung nach außen zu tragen?

Man mag spekulieren wie man will und letztendlich kann es dahingestellt bleiben, weshalb die Frau plötzlich unbedingt auf die Ganzkörperverschleierung (oder Abfindung) pochte.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Art der Verkleidung im Büroalltag eher hinderlich wäre. Sie würde auch beim Besucher des Bürgeramtes eher ungute Gefühle hervorrufen als Begeisterungsstürme zu entfachen.

Habe ich an jemanden ein Anliegen, möchte ich Augenkontakt herstellen. Das ist eine ganz natürliche Regung, um beispielsweise die Lage einzuschätzen. Sitzt jedoch eine Person mit einem winzigen Gittervorhang vor mir, ist ein solcher Augenkontakt nicht möglich. Mir kann außerdem niemand erzählen, dass es für die Augen einer Burka tragenden Frau gesund ist, Tag für Tag durch ein kleines Raster zu schauen, das auch das Gesichtsfeld sehr einschränkt. Haben sich die „Erfinder” dieser Bekleidung darüber schon jemals Gedanken gemacht?

Unabhängig davon, dass selbst die Hände abgedeckt werden - wie sollte diese Person ihrer Arbeit nachgehen? Lässt sie ihre Hände nur sehen, wenn sich niemand im Raum befindet? Wie lange benötigt sie für ihre Arbeit? Bekommt sie extra Überstunden ausgezahlt? Nur weil sie sich - aus welchen Gründen auch immer - für einen Kleidungsstil entscheidet, der der europäischen Offenheit zuwider läuft?

Mir und sicherlich auch vielen anderen Menschen würde es niemals einfallen, in bestimmten Ländern in kurzer Hose und unbedeckten Armen durch die Straßen zu laufen. Es gilt, die dortigen Sitten und Gebräuche zu respektieren. Weshalb muss ausgerechnet hier in Deutschland immer wieder von einzelnen Unbelehrbaren der Aufstand geprobt und damit die Integration auf den Prüfstand gehoben werden? Schön langsam müsste auch den engstirnigsten Verfechtern dieser Verkleidungen - meist sind es ja Männer, die sich ohnehin nicht mit den Stoffbahnen abplagen müssen -, klar sein, das sich das Mittelalter nur mehr in Romanen gut macht.  Im wirklichen Leben hat es nichts mehr zu suchen.

Der Vertrag mit der eingangs erwähnten Dame wurde mittlerweile aufgelöst. Der Rummel um ihre Person wurde ihr zu viel.

Ich hoffe sehr, dass die leidigen Bekleidungsfragen wie Burka (die, so meine ich, mit dem Islam überhaupt nichts zu tun hat) oder Kopftuch bald der Vergangenheit angehören.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

… das kommt nicht wieder

 

 


Nachdem ich mich tagelang in meiner Matratzengruft gewälzt und eine unglaublich hartnäckige Erkältung mit den schmackhaftesten pharmazeutischen und sonstigen Mittelchen, Vitaminbomben, Salben und Tinkturen ausgetrieben habe,  hocke ich also heute wieder vor meinem Bildschirm.

Als die Erkältung heranzog dachte ich noch, dass ein paar Tage Bettruhe doch gar nicht so schlecht seien. Ich holte mir einen Stapel Bücher ans Bett und … nix war‘s mit Lesen. Denn der Kopf brummte und die Augen tränten. Mit der Zeit wurde mir so was von fad, dass ich ins Wohnzimmer umzog und mich durch die faszinierendsten Fernsehprogramme quälte.

Ich blieb, Sie werden jetzt Ihren Augen nicht trauen, doch tatsächlich beim Heimatkanal hängen. Mal waren es Romanverfilmungen von Heimatdichtern, die ich ansah, mal mehr oder weniger gute Produktionen über intrigante Damen und Herren, unerfüllte oder heimliche Liebe, Zwangsverehelichungen, Macho-Vater, Hände ringende Mutter oder Haushälterin und mehr. Doch lassen wir das mal dahingestellt.

Was mich an den Heimatfilmen faszinierte waren die Landschaften, die es so nicht mehr gibt, weil alles verbaut wurde dank der Flucht der Städter auf das Land, nicht zu vergessen den Geldregen bringenden Tourismus. Die Kamera zeigte endlose Felder, Wiesen und Wälder, dass mir das Herz aufging. Alte Häuser, verwinkelte Gassen, liebevoll gestaltete Plätze und wunderschöne kleine Läden und Geschäfte, nach denen sich heute sicherlich einige Menschen zurücksehnen. Doch das alles gibt es nicht mehr. Das Schöne, das diese Filme nach dem Krieg vermittelten und auch die Ruhe - damit ist es vorbei.

Die kleinen Läden sind weg, mussten großen Ketten weichen. Hatte man früher Erdbeeren im eigenen Garten gezogen oder sie zu ihrer Zeit gekauft, muss man heute täglich auf sie zurückgreifen können (auch wenn sie wässrig schmecken). War früher ein Sorte Joghurt im Regal gestanden, verplempert man heute seine Zeit mit der Auswahl unter zig verschiedenen Sorten bis hin zu 0,00001 Prozent Fettanteil.

Außer „Waren Sie zufrieden?”, dem Muss-Standardsatz der heutigen Kassiererinnen, bekommt man nichts zu hören. Sie fragen nicht danach, ob das Kind wieder gesund ist oder der Mann Arbeit gefunden hat, wissen nichts von den Sorgen ihrer Kunden. Man kann froh sein eine Person zu finden, die einem den Weg weist zu Mehl oder Kaffee, weil wieder mal die Regale „auf kundenfreundlich” umgeräumt wurden. Mit dem kleinen Schwatz im „Treffpunkt Greißler” ist es längst vorbei.

Und auch deshalb, weil die Anteilnahme damals größer und vor allem echt war, habe ich mir die Heimatfilme reingezogen, mir ein paar Tage lang eine heile Welt ins Haus geholt.

Wobei natürlich auch die alte Garde der echten bzw. gelernten Schauspieler ihren Teil zum Wohlfühlen beitrug. Beispielsweise der ewig raunzende aber herzensgute Hans Moser, der ständig nuschelnd seinen Unmut kundtat, die zierliche Sonja Ziemann, der fesche Rudolf Prack, der letztendlich doch sein Mariandl (Waltraud Haas)  heiratete, der schneidige Adrian Hoven, der attraktive Gerhard  Riedmann, natürlich der unvergessene Paul Hörbiger, Maria  Andergast, Paul Hubschmid, Lieselotte Pulver, Willi Fritsch und wie sie alle heißen mögen. Dazu herrliche Kostüme und vor allem Melodien und Schlager, die wir in unseren Kindertagen vor uns hin summten oder sangen. Und weil unsere Eltern und wir als Kinder diese Filme genossen haben - es gab ja nicht viel anderes - waren und sind wir heute alle gaga?

Sehen Sie sich doch mal die sündteuren Fernsehproduktionen und Komödien an, die fast täglich über unseren Bildschirm laufen. Fühlen Sie nicht manchmal das Grausen in sich aufsteigen von wegen stocksteifen, farblosen Darstellern und banalem Drehbuch? Ich meine, dass man nicht alles Alte verteufeln sollte.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Die Kirschen in Nachbars Garten

 

 


Manchmal blättere ich gerne in Aphorismen und Zitaten.

Am Wochenende hatte ich mich wieder einmal in so ein Buch vergraben. Dabei fand ich einen Satz aus China, der mir nicht mehr aus dem Sinn ging:

„Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den Spaten.”

Ja, mit dem Neid ist das so eine Sache. Allein die vier Worte „Du hast es gut” deuten bereits auf Neidgefühle hin. Diese paar Worte genügen, um im Partner, Nachbarn, Kollegen ein unerklärliches Schamgefühl hervorzurufen. Schlimmstenfalls bekommt man ein schlechtes Gewissen und fängt sogar an, sich zu verteidigen.

Dabei stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob der Neider überhaupt weiß, was er von sich gibt. Wieso meint er sagen zu müssen, dass es dem anderen gut geht?

Vielleicht ist es Missgunst, vielleicht die Unzufriedenheit, die an dem Neider nagt, die Angst,  weniger vorweisen zu können. Vielleicht ist der Neider auch „übervoll”, kann gar nicht mehr erfassen, was ihm bisher alles gelungen ist. Obwohl er keine Not leidet, weckt alles, was der Nachbar oder der Freund besitzt und leistet, seine Begehrlichkeit. Denn in Wirklichkeit ist er es, der beneidet werden will.

Manchmal kann selbst fröhliches Lachen einen Neider zur Weißglut treiben; alles, was der Beneidete schafft, ist ihm ein Dorn im Auge. Der Neider wird „gelb vor Neid”, entwickelt sogar Hassgefühle und züchtet sich so ein Magengeschwür heran. Zugegeben, das ist schon ziemlich drastisch geschildert. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die der Neid regelrecht auffrisst. Der Beneidete wird zum Feindbild, „muss” bekämpft werden.

Gretchen Müller ist vielgeliebte Frau und Mutter. Doch wenn sie die Sängerin XY hört oder in der Zeitung sieht, sagt sie: „Die hat‘s gut” oder „Na die kann sich das ja auch leisten.” Sie neidet ihr die tolle Figur, die farbenprächtigen Kleider, den Applaus, das Blitzlichtgewitter, die gut aussehenden Begleiter, die riesige Villa mit paradiesischem Garten, die vielen Reisen und mehr.

Gretchen Müller könnte das auch haben. Hätte sie beispielsweise Gesangsunterricht genommen und würde täglich stundenlanges Üben auf sich nehmen. Auch sie hätte eine entsprechende Figur, würde sie sich sportlich betätigen und auf Schokolade, Chips und zuckerhaltige Getränke verzichten. Doch Gretchen Müller neidet lieber, anstatt zu überlegen, was XY alles für Entbehrungen auf sich nehmen musste und muss. Dass die Sängerin wegen ihrer vielen Engagements und Reisen nicht in der Lage ist, einen dauerhaften Partner zu finden und eine Familie zu gründen, kaum ihre prachtvolle Villa nebst herrlichen Garten genießen kann übersieht sie genauso wie die harten, stundenlangen Proben und disziplinierten Essgewohnheiten, die zahllosen Fernflüge, die Angst vor Erkältungen, das ständige Leben in Hotelzimmern und mehr.

Bevor man beginnt, andere zu beneiden, sollte man lieber etwas genauer hinter die Kulissen blicken.

Zum Abschluss noch ein Spruch von Arthur Schopenhauer:

„Mit den menschlichen Glückszuständen verhält es sich meistens wie mit gewissen Baumgruppen, welche, von ferne gesehen, sich wunderschön ausnehmen. Geht man aber hinan und hinein, so verschwindet diese Schönheit: Man weiß nicht, wo sie geblieben ist, und steht eben zwischen Bäumen. Darauf beruht es, daß wir so oft die Lage des anderen beneiden.”

 

 

 

 

 

Minervas Paria

 

 


Haben Sie schon einmal probiert, aus den Buchstaben ihres Vor- und Nachnamens neue Worte zu bilden? Manchmal ist es sehr lustig, was bei so einem Spiel herauskommen kann.

Weniger lustig war es, wie ich auf diese Idee kam. Es war der Ärger über die permanente Berichterstattung um den Wetterpropheten Jörg Kachelmann. Unabhängig von seinem Frauenverschleiß, der seit Monaten genüsslich ausgebreitet wird, ist entweder eingangs oder am Ende der Artikel zu lesen, was er angeblich getan haben soll. Genug. Wir wissen es.

Ist es nicht möglich, einen stinknormalen informativen Bericht zu schreiben und auf die so genannten Erläuterungen zu verzichten? Immerhin wurde man gleich zu Beginn seiner Festnahme mit unappetitlichen Häppchen gefüttert. Da braucht es nicht diese ständigen Hinweise, um die geneigten Leser auf die folgende Zeitungsausgabe oder Illustrierte einzustimmen oder bei der Stange zu halten.

Mir graut schon, wenn ich an das Urteil denke. Dann werden zum 97. Mal sämtliche Einzelheiten dieses Falles breitgetreten.
Es reicht!
Trotz aller Widrigkeiten um Prozess und Figur des Wettermachers, ist der Name für das erwähnte Spiel sehr gut geeignet.

Was bei seinem Namen sofort ins Auge fällt, ist das Wort „Röcke“. Dazu noch „Ach“ und „Mann“. Natürlich gibt es noch andere Buchstabenkombinationen, die „Kamel“ oder „Rache“ ergeben. Man kommt ganz schön ins Staunen, was so ein Name aussagen kann.

Als ich mich über meine Namen hermachte, bildete sich doch tatsächlich das Wort „Minerva“. Da war ich schon ein bisserl baff. Keine Sorge, ich hebe jetzt nicht ab, würde nicht im Entferntesten daran denken, mich mit dieser Göttin zu vergleichen. Trotzdem - es macht schon was her. Negativ wird die Sache, wenn ich weiterpuzzele, denn dann komme ich auf das Wort „Paria“. Das genügt und ich höre auf, meinen Namen weiter zu zerpflücken. Wer weiß, worauf ich noch stoße?

Margarethe beispielsweise zeigt „harte Arme“.  Das kann sich im übertragenen Sinn auf ihre Ellenbogen beziehen, mit denen sie sich durchzusetzen weiß.

Neugierig geworden, habe ich mir mal eine Reihe von Persönlichkeiten vorgenommen. Den Buchstabensalat ihrer Namen zurechtgerückt, ergeben sich interessante Wortspiele.

Auf „Mangel“ und „leer“ komme ich, wenn ich mir den Namen unserer Bundeskanzlerin ansehe.

Bei Karl Theodor zu Guttenberg fällt auf, er kann „gut zu der Lage toben“ - erinnern wir uns an die Zeit kurz nach seinem Dienstantritt.  Obwohl diese Aussage eher zu unserem Finanzminister passen würde, doch Wolfgang Schäuble steht für „fehllos wagen“. Nun, mutig ist er ja, das kann man ihm nicht absprechen.

„Lauf in Fis“ erhalte ich bei Christian Wulff - ich meine, in dieser zarten Tonart drückt er sich auch meist aus.

Einen besonderen Treffer erhält man, sieht man sich den Namen Joschka Fischer an: „Schock sie“ ist daraus zu lesen - das tat er wohl auch.

Und so könnte man die Liste fortsetzen. Ein amüsantes Spiel. Fängt man einmal an, ist es nicht so einfach, damit aufzuhören. Es hat Suchtcharakter und man sieht förmlich Rauchwolken aufsteigen, wenn man sich in einen Namen verbissen hat.

Viel Spaß beim Rätseln wünsche ich Ihnen.

 

 

 

 

 

Reim, Reim, nur du allein …

 

 


Als ich Kind war, bekam ich so ungeliebte Sätze wie: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen” zu hören. Vor allem wenn es um die Hausaufgaben ging, die nicht am nächsten Tag abgegeben werden mussten, wurde mir das vorgebetet. „Mach es gleich, dann hast du es hinter dir und viel mehr Freizeit.” Von wegen - ich hatte zwei Schwestern zu bespielen.

Sollte ich zuhause irgendeine Handarbeit fertignähen, hieß es gleich: „Langes Fädchen, faules Mädchen”, nur weil der besagte Faden, den ich in die Nadel einfädelte, eben lang war. Ja du meine Güte, ich wollte eben nicht zwei- oder dreimal einen Faden durch das winzige Öhr führen.

Ein weiterer Spruch, der mir unter die Nase gerieben wurde, wenn ich meine Schultasche erst kurz vor dem Schlafengehen einräumte, war: „Am Abend wird der Faule fleißig.”

Hatten meine kleineren Schwestern und ich eine Meinungsverschiedenheit, ja gut, mehr einen Streit, hieß es gleich: „Der Klügere gibt nach.” Als ältestes Geschwisterkind wird man ja meist von den Eltern angehalten, Vorbild für die Kleineren zu sein. Ich habe mich immer gedreht und gewunden, weil ich ganz einfach nur Kind sein und auch meine Befindlichkeiten ausleben wollte. Genauso wie die Kleinen wollte ich es  haben und dürfen. Aber „Leider, leider sagt der Schneider, macht der Schuster keine Kleider.”.

In der Schule konnte ich mich einmal nicht halten vor Lachen, was die  Religionslehrerin zu dem sinnigen Ausspruch „Am Lachen erkennt man den Narren” verleitete.

Ärgerte ich mich darüber, dass ich irgendetwas nicht sofort und gleich und auf der Stelle fertig bekam, hörte ich: „Gut Ding will Weile haben.”

Mathe war ein Fach, in dem ich zum Leidwesen meiner Eltern ständig hinterher hinkte. Sie konnten wie mit Engelszungen auf mich einreden und mir stundenlang vorrechnen oder Wege durch den Zahlensalat erklären, ich kapierte nichts. Ich schaltete auf Durchzug und stöhnte innerlich darüber, dass ich nicht lesen oder spielen konnte, sondern mich mit unnützem Wissen abmühen musste. Doch ab und zu erzielte ich bei meinen Noten einen Glückstreffer. Aber anstatt des erwarteten Lobes tat lächelnder Elternmund folgendes kund: „Auch ein blindes Huhn findet ab und zu mal ein Korn.”

Zu allem Überfluss gab es auch noch den vielzitierten Spruch „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben.” „Du lernst und tust das alles nur für dich”, hieß es immer. Nur konnte ich damals damit nichts anfangen, weil meine Gedanken irgendwo im Nirwana Kapriolen schlugen, mir der neueste Hit durch den Kopf ging, ich lieber meiner Brieffreundin schreiben wollte und anderes mehr.

Ich komme offensichtlich aus einer Generation, in der man für alles und jederzeit einen Spruch zur Hand hatte. War mir das früher mehr als unangenehm, vermisse ich es heute ein bisschen. Obwohl so eine Aussage in Reimform manchmal ins Herz pieksen kann. Denn manch verhasstes Zitat trägt doch eine kleine Weisheit in sich. Verhasst ist es ja nur deshalb, weil man eben weiß, dass etwas im Argen liegt und man doch nichts dafür oder dagegen tut. Oder im Moment nicht will.

Mit einem Satz von Dietrich Bonhoeffer, „Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken”, beende ich meine heutigen Ausführungen und wünsche Ihnen eine erträgliche Woche.

 

 

 

 

 

Wollen tu ich schon …

 

 


Was ich will, ist schnell gesagt: Es allen Recht machen. Nur - so etwas schafft man selten und wahrscheinlich werden Sie mich darin bestärken, dass das nahezu unmöglich zu bewerkstelligen ist. Denn jeder Mensch hat andere Interessen.

Schreibe ich heute über unachtsame Radfahrer, die ihre Mitmenschen in brisante Situationen bringen, unterstellen mir Radfahrer, ich hätte nicht mal den Anflug einer Ahnung.

Schreibe ich über Fußgänger, die ihren Hals riskieren, wenn sie bei Rot die Ampel überqueren,  bin ich sicherlich ein Bullterrier beim Fahren meines Bonzenautos, und mehr.

Dass Sie mich jetzt nur nicht missverstehen: Auch wenn der Tonfall manchmal etwas rau ist, freue ich mich nach wie vor über alle Briefe oder E-Mails, die ich so schnell wie es mir möglich ist auch beantworte.

Die letzten Anmerkungen bezogen sich auf meine Ausführungen in der letzten Woche - Zeitumstellung. Ein Leser schrieb, es wäre besser gewesen, die Ereignisse der verschiedenen Jahre gegenüberzustellen.

Beispielsweise:
Am 27. März 1631 wurde das goldene Zelt Alexanders des Großen bei Sotheby‘s zum Preis von 8.925 Pfund an den Königlichen Bereiter versteigert. Dieser - so wurde später bekannt - vertrat während der Auktion König Charles I., der das Zelt seinen zehn Kindern zum Geschenk machte.

Am 31. Oktober desselben Jahres wurde Westminster Abbey von tausenden von Krähen belagert, die - ermattet durch einen politischen Vortrag Peter Heylins - endlich von den Dächern fielen und anschließend weggekarrt werden konnten; sie waren also für die Pestepidemie, die London im Jahr 1665 heimsuchte, nicht verantwortlich zu machen.

Ich habe mich eben für eine andere Vorgehensweise entschieden.

Ferner wurde mir vorgehalten, ich hätte mehr Geschichtliches und auch viel mehr Geburtstage oder auch Sterbetage von berühmten Berühmtheiten in meine Ausführungen einfließen lassen sollen.

Nun, mit berühmten Persönlichkeiten ist das so eine Sache. Sie wurden nicht unbedingt in das Datum hineingeboren, das ich gerade recherchiere wie sie sich auch eher selten dazu entschlossen hatten, an einem mir genehmen Tag das Zeitliche zu segnen.

Natürlich hätte ich schreiben können, dass am 31. Oktober 1876 Georges Barrère geboren wurde. Da sich hinsichtlich dieses Namens vor mir eine riesige Bildungslücke auftat, erwähnte ich ihn in meiner Aufstellung nicht - wie so viele andere, deren Namen oder Wirken mir unbekannt waren und sind.

Und ich habe auch einige wichtige Persönlichkeiten außer Acht gelassen, was Sie mir bitte verzeihen mögen. Doch deren Nennung hätte den Platz gesprengt.

Also, bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich nicht jederzeit Ihren Geschmack treffen sollte.

Mit dem alten Spruch:
„Allen Menschen wohlgetan ist eine Kunst, die niemand kann”
verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch eine wunderschöne Woche.

Bis demnächst, Ihre Elvira M. Gordon-Pusch

Georges Barrère war übrigens ein französischer Flötist!

 

 

 

 

 

31.10.2010 und 27.3.2011!

 

 


Was sollen diese Daten bedeuten und was hat es mit der Zeitspanne von fünf Monaten auf sich?
Nun, vom 31. Oktober an sind es noch 61 Tage bis zum Jahresende, könnte man sagen.
Oder: Luther schrieb 1517 an seinen kirchlichen Vorgesetzten und legte ihm seine berühmten 95 Thesen dar.

1632 wurde der berühmte niederländische Maler Jan Vermeer geboren. Er schuf so einzigartige Gemälde wie „Das Mädchen mit dem Perlohrgehänge”, „Ansicht von Delft” oder „Briefleserin am Fenster”.
Auch nicht ganz unwichtig: Die „Befreiungsschlacht” bei Hanau, das damals noch zum Großherzogtum Frankfurt gehörte. Sie wissen schon, hatte was mit Napoleon zu tun. Ja, ist schon gut, sie begann bereits einen Tag vorher.
Was habe ich denn noch im Angebot? Beispielsweise das Jahr 1918, als sich Ungarn entschloss, aus der österreichisch-ungarischen Monarchie auszutreten, so dass sie - am 31. Oktober - endete.
An diesem Tag starb auch der österreichische Maler Egon Schiele nur 28-jährig an der Spanischen Grippe.

1924 wurde der Weltspartag eingeführt, beschlossen am Schlusstag des internationalen Sparkongresses in Mailand von Sparkassenvertretern aus 29 Ländern. 

1984 wurde die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi ermordet.

Fritz Walters 65. Geburtstag wurde unter anderem dergestalt gefeiert, dass 1985 das Betzenbergstadion in Fritz-Walter-Stadion umbenannt wurde - ebenfalls an einem 31. Oktober.

Lange hat es gebraucht, Galileo Galilei zu rehabilitieren. Das geschah 1992 durch Papst Johannes Paul II.

Ein Jahr später starb der berühmte italienische Filmemacher und Regisseur Federico Fellini - „La Strada”, „La dolce Vita” oder „8 1/2” werden unvergänglich bleiben.

Am 31. Oktober ist auch der Gedenktag des Hl. Wolfgang, der im Jahr 972 zum Bischof zu Regensburg geweiht wurde. Eine Bauernregel sagt:
„An Sankt Wolfgang Regen verspricht ein Jahr voll Segen.”
Auch der 27. März kann mit einigen interessanten Ereignisse aufwarten.
So wurde der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen 1845 geboren.
In der Paulskirche wurde 1849 die erste demokratische Verfassung Deutschlands beschlossen.
Der österreichische Architekt Clemens Holzmeister, der auch in Deutschland, der Türkei und Brasilien tätig war, wurde 1886 in Tirol geboren. Nach seinen Plänen ist unter anderem das Parlamentsgebäude der Großen Nationalversammlung in Ankara gebaut worden.
In Berlin-Schöneberg wurde 1907 das „Kaufhaus des Westens”, das größte Kontinentaleuropas, eröffnet.
1952 scheiterte in München das Attentat an Konrad Adenauer.
Nikita Chruschtschow wurde 1958 - als Nachfolger von Nikolai Bulganin - Regierungschef der Sowjetunion; es war kein Ende des Kalten Krieges in Sicht.
Hitchcocks „Rebecca” nach dem Roman von Daphne du Maurier ist 1940 in Los Angeles uraufgeführt worden; dafür gab es einen Oscar. 1998 trat das Potenzmittel Viagra in den USA seinen Siegeszug an.
All diese Ereignisse fanden an einem 27. März statt.

Von der Eingangsfrage ausgehend: Haben Sie nun erraten, worum es bei diesen beiden Daten beziehungsweise den fünf Monaten geht? Richtig! Ab dem 31. Oktober bis zum 27. März 2011 dürfen Sie in den Winterschlaf verfallen. Nein, natürlich nicht. Aber immerhin wird Ihnen durch das Zurückdrehen der Uhr eine Stunde geschenkt.
Obwohl man seit der Einführung der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt immer wieder über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme diskutiert. Zwar spart man während der Sommerzeit abends mehr Strom, was sich jedoch in der Winterzeit durch das frühe Heizen wieder ausgleicht. Laut dem Bundesumweltamt ist sogar ein Anstieg des Energieverbrauchs zu verzeichnen.
Und auch der Organismus vieler Menschen kann sich mit den jeweiligen Zeitumstellungen schwer anfreunden, konnten Mediziner feststellen.
Was soll‘s, ich freue mich schon - gähhhhn - auf die eine Stunde an Mehr. Sie hoffentlich auch?

 

 

 

 

 

Hört, Hört

 

 


2012 wird sie ihr 60-jähriges Thronjubiläum feiern, und offensichtlich beginnt sie schon jetzt für die viertägigen Feierlichkeiten zu sparen.  Ja, Ihre Majestät Königin Elizabeth II., die als eine der reichsten Frauen der Welt und ein wenig knausrig gilt, streicht doch tatsächlich die ohnehin nur alle zwei Jahre stattfindende Weihnachtsfeier für ihre 600 Angestellten.

Geht man davon aus, dass eine derartige Feier rund 50.000 Pfund verschlingt, kann man das Ansinnen Her Royal Highness vielleicht verstehen. Begründet wurde die Streichung der Party mit „schwierigen finanziellen Umstände”, vor denen die britische Nation stehe. (Erzähle mir doch einer, wann eine Nation nicht vor schwierigen finanziellen Problemen steht.)

Schade für die vielen dienstbaren Geister, wenn ihnen solch ein Ereignis gestrichen wird. Denn wann bekommen sie schon mal die Queen nebst markantem Fettnäpfchen-Gatten zu Gesicht? Nur wenigen von ihnen ist es vergönnt. Aber - sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich müsste es ihnen genügen, für die Royals zu putzen, fegen und polieren.

Es ist halt schon ein Kreuz, wenn man so viele Angestellte hat. Die blaublütigen Herrschaften haben sich doch bislang tatsächlich alle zwei Jahre herabgelassen und mit dem Personal Weihnachten gefeiert. Und möglicherweise haben diese 600 Angestellten auch noch ein Dankeschön für ihre Dienste erwartet. Schlimmstenfalls mussten 600 Hände geschüttelt, besser noch deren Fingerspitzen berührt werden.

Ich bin ja sowas von böse. Stellen Sie sich vor: Tage vorher wird schon geprobt, wie man sich den gekrönten Häuptern gegenüber darstellt. Großes Defilee vor dem strengen Haushof- oder sonstigen Meister, der Anweisungen gibt:

„Die erlauchten Hände der Queen dürfen in keinem Fall geschüttelt werden! Man hat zu warten, bis Her Royal Highness respektive His Royal Highness einem die Hand entgegenstreckt. Der Druck der Finger hat ein federleichter zu sein. Niemals, nie  und unter keinen Umständen darf mit der Hand eine Pumpbewegung ausgeführt werden. Sonst … „. Geht es dann ab in den Tower?

Nun, die Gelder für solch huldvolle Termine stammen seit ungefähr 2006 aus der öffentlichen Hand. Das heißt wohl, dass Frau Königin Rechenschaft ablegen muss. Ihre Einkünfte aus den Ländereien, die 2008 rund 211 Millionen Pfund betragen haben sollen, werden von ihr offensichtlich nicht angetastet.

Für die Streichung der beliebten Weihnachtsparty sollte man allerdings schon ein bisserl Verständnis aufbringen. Denn 600 Angestellte bedeuten eine riesige Halle. Die noch dazu geheizt werden muss. Bei den heutigen Heizkosten in den alten Gemäuern stellt sich die Frage, ob das wirklich sein muss.

Mein Tipp wäre, die Weihnachtsfeier in die mit brennenden Fackeln illuminierten königlichen Gartenanlagen zu verlegen. Nach einer kurzen Ansprache der Queen könnte man Gulasch- oder Bohnensuppe verteilen, dazu Grog oder Glühwein reichen und nach einer Stunde wäre Schluss mit lustig. Mal was anderes im königlichen Tageseinerlei.

Presseberichten zufolge hätten Mitarbeiter der Queen 2004 festgestellt, dass die Heiz- und Stromkosten auf mehr als eine Million Pfund jährlich gestiegen seien. Sie hätten nachgefragt, ob eine Unterstützung möglich sei. Bei einem geschätzten Vermögen von 650 Millionen Pfund hat Elizabeth II. daraufhin doch tatsächlich um Mittel aus einem Fonds zur Unterstützung armer Leute gebeten. Also - wenn sich jedermann aus dem Staatstopf bedienen kann, warum nicht auch die Queen?

Ich an ihrer Stelle - danke lieber Gott, dass ich es nicht bin - hätte einige Teile meiner wunderschönen und elegant-zeitlosen, farbenfrohen Garderobe versteigern lassen. Dazu noch ein paar Stücke aus der attraktiven Hutkollektion. (Nein, meine geliebten Corgys wären nicht unter den Hammer gekommen!) Der Erlös dieser Versteigerung - es finden sich ja immer wieder einige Monarchieverrückte, die für derlei kapriziöse Kleidung und Behütung schwärmen - hätten sicherlich die Heiz- und Stromkosten abgedeckt.

Notleidende Majestäten sollten zukünftig vielleicht auf solche Second-Hand-Veranstaltungen zurückgreifen, wenn sie mal knapp bei Kasse sind und deshalb sogar Weihnachtsfeiern für ihre Angestellten absagen müssen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Nächtliches Freizeitvergnügen

 

 


Jede Woche ungläubiges Staunen über die Wäscheberge. Und so muss mindestens zweimal wöchentlich meine Waschmaschine zeigen, was sie kann. Nach dem Sortieren entschließe ich mich am Donnerstagabend für eine Ladung Handtücher und Geschirrtücher.

Ich mache mich auf den Weg in die Waschküche, stopfe die Wäsche in die Maschine und … mir fehlt das Waschmittel für weiß und sauber und klinisch rein. Was jetzt? Keine Lust mehr, jetzt noch einzukaufen. Ärger wallt hoch, aber dann gieße ich einfach das Mittel fürs Bunte in die entsprechende Kammer. Und weil da auch noch das „weißer als weiß”-Gardinenmittel herumsteht, schütte ich gleich noch eine große Fuhre nach. 60 Grad eingeschaltet, mehr gibt‘s nicht. Passt schon.

Endlich in paar Minuten Zeit nur für mich, während die Wäsche ihre Runden dreht.

Kaffee, Buch, Zigarillo - sitzen und genießen. Einfach herrlich.

Irgendwann reiße ich mich von meiner Lektüre los, schaue auf die Uhr und mich trifft fast der Schlag. Es ist kurz vor zehn, besser gesagt, 22 Uhr. Schnell in den Keller und nach der Wäsche schauen, die ja noch in den Trockner muss. Nun, bei dem etwas diffusem Licht scheint - dank dem weißer als weiß Gardinenpulver - alles einigermaßen sauber zu sein. Der Trockner ist rasch gefüllt und ich gehe wieder nach oben.

Nach einiger Zeit stört irgendetwas meine Idylle. Da piepst was. Vielleicht das Auto des Nachbarn. Nix Nachbar, der Trockner protestiert. Na toll. Ich schalte den Automat aus, überzeuge mich, dass er nicht zu voll ist, schließe die Tür und drücke das Knöpfchen. Trockner erwacht lautstark zum Leben, dreht zwei Runden und fängt zum Steinerweichen erneut zu piepsen an. Wieder ausschalten, das große Flusensieb herausgezogen - ist sauber -. Und jetzt? Bitte mach endlich weiter, es ist doch alles in Ordnung, mein süßer, lieber, bester aller Trockner. Etwas ratlos ziehe ich am Wasserbehälter. Ah, jetzt ja! Er ist übervoll. Wahrscheinlich habe ich nach dem letzten Trockenvorgang vergessen, ihn zu entleeren. Glücklich beobachte ich den nun fröhlich vor sich hin rödelnden Trockner und verziehe mich nach oben.

Es ist fast halb elf. 

Nachdem ich mir einen Zigarillo angesteckt habe, genieße ich die Ruhe des Abends. Morgen Früh werde ich die Handtücher und die Geschirrtücher zusammenlegen und …. pieps, pieps, pieps!

Ich glaube es nicht. Was ist denn jetzt schon wieder los?

Als ich im Keller ankomme, reiße ich als erstes den Wassertank heraus. Viel ist nicht drin, daran kann es nicht gelegen haben. Nochmal das Flusensieb kontrolliert - auch hier nichts Auffälliges. Mir ist zum Heulen. Was willst du denn noch? Plötzlich sehe ich unter dem Trockner ein paar Wassertropfen. Nein, bitte nicht auch das noch. Weißt du eigentlich, wie spät es ist?

Ich gehe in die Knie, will das untere Fach kontrollieren, wo sich ein weiteres Flusensieb befindet. Doch das Öffnen macht Faxen. Erst nach schweißtreibenden Minuten und mit Brachialgewalt gelingt es mir, die Verankerungen zu lösen, wobei ein Plastikstift bricht. Scheibenhonig. Innen und außen dick bedeckt von feinsten Fusseln präsentiert sich das schwere Teil, obwohl ich es mindestens einmal im Monat reinige. Ab damit unter den Wasserstrahl und fertig.

Jetzt noch kurz auf dem Bauch rumrutschen und den Innenraum gesäubert. Was für ein Vergnügen. Eh klar - von Männern erdacht, für Frauen gemacht - mehr muss man wohl nicht sagen. Ich könnte die Wände hochgehen. Als ich die Abdeckung zuklappen will, stellt sich das Ding quer. Natürlich, der abgebrochene Stift. Es ist spät, mir reichts. Hilfe! Nur nicht eindreschen auf das Teil. Ganz sanft weiterarbeiten. Laaaangsam die Finger aus der Abdeckung ziehen, nicht wackeln, sonst beginnt alles wieder von vorne.

Es ist kurz vor halb zwölf, ich bin völlig nassgeschwitzt, habe eine riesige Wut im Bauch und weiß nicht, wohin damit. Kurzer Test - der blöde Kasten läuft wieder. Endlich. Glücklicherweise hat mich niemand beobachtet.

 

 

 

 

 

Früher galt er als heilig

 

 


Nur die Sägen waren zu hören, die lautstark in die harte Rinde eindrangen. Sie rissen eine tiefe Wunde, bissen sich unermüdlich vorwärts, bis endlich der Riese besiegt war, ins Wanken geriet und langsam, laut ächzend stürzte. Seine Angst wurde  nicht wahrgenommen und auch nicht der Schmerz, den er erlitt. Er und weitere seiner Leidensgenossen mussten fallen, weil sie im Weg standen. Mussten fallen für ein Projekt, das die wenigsten befürworten, welches jedoch für einige Zeit viele Arbeitsplätze sichert. Und die Wirtschaft stärkt. Und die Häuptlinge ein bisschen reicher macht.

Wozu heulen wegen ein paar Bäumen? Es werden doch sowieso wieder neue angepflanzt nach Ende der Bauarbeiten. Die wie lange dauern werden? Na ja, zehn Jahre werden es schon sein. Bis dahin wird es auf dem Platz ausschauen wie „Kraut und Rüben”, chaotisch halt, wie eine Baustelle eben aussieht.

Wie lange dauert es, bis sich ein Baum zur vollen Pracht entfaltet? Das, was in voraussichtlich zehn Jahren neu eingepflanzt werden soll, wird Jahrzehnte brauchen, um wieder Schatten zu spenden, um Schutz vor feinem Regen zu bieten. Und es wird lange dauern, bis Kinder hinter seinem Stamm verstecken spielen und Vögel ihre Nester in ihm bauen können.

In den Meldungen war von „Bäumen” und einer Platane die Rede. Welche Bäume fielen und sollen weiter diesem von zahllosen Bürgern kritisierten Bauvorhaben zum Opfer fallen?

Bäume sind Lebewesen, fühlen erwiesenermaßen Angst und Schmerz. Sie haben  Namen. Sie heißen Birke, Kastanie, Buche, Fichte, Ahorn, Eiche, Weide, Linde, Erle, Esche, Pappel, Tanne, Akazie, Ginkgo, Kiefer, Thuja, Ulme, Zeder, Robinie, Lärche, Zypresse, Berberitze, Hasel, Maulbeere und Eibe.

Doch für viele ist ein Stamm mit Ästen und Blättern oder Nadeln dran leider nur ein Baum. Sonst nichts. Vor allem für die, die ihn weg haben wollen.

„Ah, schau, was für ein schöner Baum!” ist häufig zu hören.  Man bewundert Blatt und Blattform, freut sich an buschig wachsenden, weichen Nadeln, Zapfen oder Früchten - und geht weiter seiner Wege. Das Interesse überdauert keinen Augenblick. Selten legt jemand die Hand auf seine Borke oder Rinde, versucht, ihn zu erfühlen. Er ist da - mehr braucht es nicht. Sein Name? Keine Ahnung!

Ständig werden Bäume gefällt. Weil sie eine bestimmte Höhe erreicht haben, weil sie alt sind und zur Gefahr (im Straßenverkehr) werden, weil sie Dreck machen, weil der Nachbar sich beschwert, weil sie den Sonnenstrahlen im Weg stehen und - wie in Stuttgart - weil sie einem riesigen Projekt hinderlich geworden sind. An ihre Stelle treten irgendwann einmal neue gezüchtete Bäume, die sich einige Jahre lang freuen dürfen, uns als „grüne Lunge” zu dienen. Bis auch sie wieder - zu groß oder zu gefährlich - im Weg stehen.

Die in Stuttgart gefällten Bäume durften nicht weiterleben. Man hätte sie weiterverarbeiten können, beispielsweise zu Klettergerüsten oder anderes Spielzeug für Kinder. Ihre Stämme wurden nicht zur Verfügung gestellt, um später als Skulpturen Gärten oder Ausstellungen zu schmücken und die Menschen zu erfreuen. Wozu weiter denken als bis zur Nasenspitze.

Die gefällten Bäume  wurden einfach gehäckselt. Vielleicht machen die ehemals stolzen Riesen noch was her als Rindenmulch für städtische Beete. Aus und vorbei.

Offenbar liegt es in der Natur des Menschen zu zerstören und zu vernichten. Was nicht passt, wird passend gemacht. Basta. Dass ein Wiederaufbau teilweise teurer werden kann, als Gegebenheiten durch maßvolles Planen einer für alle Seiten positiven Veränderung zuzuführen, wird in den seltensten Fällen die Gehirnwindungen erreichen. Hauptsache, der Mensch setzt seinen Willen durch. Und wie geht es weiter? Wie schaut das dann aus? Was kostet das? Na, irgendetwas wird sich schon ergeben.

Oder sehen Sie das anders?

Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen.

Alexander Freiherr von Humboldt

 

 

 

 

 

Reich, reich,  endlich reich!

 

 


Also, dass mir das auf meine alten Tage tatsächlich noch passiert. Immer wieder hab ich‘s mir gewünscht, hab zeitweise mit einem Lottoschein geliebäugelt, und jetzt fällt mir das große Geld - mir nichts, dir nichts - in den Schoß. Ganz von allein, ohne mein Zutun bekomme ich 2,6 Millionen US-Dollar. Geschenkt! Ich bin gänzlich aus dem Häuschen, kann mich kaum einkriegen vor Glück.

Ich will Ihnen kurz erzählen, wie es dazu kommen soll. Denn - ich habe das Geld noch nicht in der Hand, es muss nämlich erst über fünf Ecken transferiert werden.

Vor kurzem bekam ich eine Mail von einem Herrn Anderson Williams, der in einem Finanzhaus in den Niederlanden arbeitet. Dort hat die Überprüfung der Bankkonten seiner Abteilung „ein untätiges Konto” mit einer riesigen Geldsumme von US-Dollar 6,5 Mio. entdeckt. Der Inhaber dieses Kontos ist leider gestorben und hat keine Begünstigten hinterlassen.

Jetzt gibt es in dem niederländischen Finanzhaus jedoch Vorschriften - nicht fragen oder denken -, die besagen, dass nur ein Ausländer als nächster Verwandter gelten kann, weshalb sich Herr Anderson entschlossen hat, mich zu kontaktieren. Meine Adresse hätte er durch den International Web Directory Online gefunden.

Toll, dass mich der Herr Anderson aus Millionen von Interessierten als Ersatz-Erbin auserkoren hat. Ich freue mich und träume von einem Knusperhäuschen mit Sauna, einem Schwimmbad im Keller und einen Pool irgendwo in meinem riesigen Garten. Alle Arten von Rosen und viel Lavendel werde ich dort pflanzen. Eine Buche, vielleicht eine Trauerweide am kleinen Bach und eine Birke, dazwischen Bänke zum Lesen und Meditieren, und ein dunkler Holzpavillon, der mich vor dem Regen schützen wird. Durch den mehr oder weniger gepflegten Rasen schlängeln sich Kieswege, die abends von alten Laternen beleuchtet werden.  Ein Teil des Gartens wird mit Obstbäumen und Holunderbüschen bewachsen sein, und in einem weiteren Bereich werde ich Tomaten, weiße Wachsbohnen, Gurken und Karotten, viele Kräuter, Himbeeren, Johannisbeeren und natürlich Brombeeren ernten. Dieses Stück wird in einen Bauerngarten verwandelt mit Stockrosen und Dahlien, mit Wicken und Kapuzinerkresse, die sich an einem Zaun hochranken. Für meine beiden Gänse und die Enten brauche ich einen kleinen Teich. Und einen Stall für eine Ziege und ein Schaf, die Katze darf natürlich ins Haus …

Der nächste Satz des eindringlichen Briefes lässt mich jedoch ein bisschen stutzig werden. Anderson schreibt nämlich: „Wir dürfen mit ausländischen Kontos nicht arbeiten, das könnte in der Zeit der Überweisung auffallen.”

Ja was jetzt - krieg ich das Geld oder nicht? Wieso kann er es mir nicht überweisen? Immerhin verspricht er mir 40 Prozent dieser gigantischen Summe, wenn ich zustimme, mich als Verwandte des Verstorbenen auszugeben. Wie soll denn die Transaktion anders funktionieren als mittels Überweisung? Ich habe keine Lust, mit einem Köfferchen voller Millionen durch die Welt zu gondeln.

Immerhin hat Anderson alle notwendigen Dokumente, um die Transaktion erfolgreich zu verwirklichen, da muss doch eine Überweisung möglich sein.

„Wir haben nicht viel Zeit”, drängt er, „diese unglückliche Situation zu ändern”. Er befürchtet, dass ohne meine Hilfe alles verloren gehen wird. Ich soll ihm von wegen der Vertraulichkeit an seine private E-Mail-Adresse zurückschreiben.

Klingt das nicht verlockend? 2,6 Millionen US-Dollar bekomme ich, wenn ich ein paar (gefälschte) Dokumente vorlege.  Irgendwie klingt das zu verlockend, weshalb ich ins Grübeln komme. Der will seinen Abschied aus dem „Finanzhaus” vorbereiten und mich mit nur 40 Prozent abspeisen, obwohl - wie ich meine - das größere Risiko bei mir liegt?

Also nee, nicht mit mir. Jetzt bin ich beinhart. Der soll merken, mit wem er sich da eingelassen hat.  Ich will mindestens 75 Prozent, Herr Anderson. Sonst wird nichts aus dem Deal.

Doch jetzt ernsthaft. Ich ärgere mich darüber, dass solche Bauernfänger nach wie vor ungestraft im Internet nach gutgläubigen Opfern suchen. Und auch noch fündig werden! Dass diese Typen nach Erhalt der betreffenden Informationen die Konten der Adressaten abräumen, ist ja wohl sonnenklar.

Andersons Mail ist mindestens die vierzigste, die ich mit ähnlichem Inhalt in schöner Regelmäßigkeit bereits aus China, Malaysia, Südafrika, England und Singapur von so genannten besorgten „Bankern” erhalten habe.

Das heißt … hätte ich all die mir angebotenen  „untätigen” Konten mit besserer prozentualer Beteiligung abgesahnt, würde ich mich jetzt auf der europäischen Liste der Millionäre im guten Mittelfeld bewegen…

Na ja, eine kleine Träumerei ist ja wohl noch erlaubt.

 

 

 

 

 

Die wirklichen Macher sieht man nicht!

 

 


Das Vereinsleben ist lustig, das Vereinsleben ist schön … und manchmal total ungerecht.

Selten macht es Spaß, seinem Hobby für sich allein nachzugehen. Außer vielleicht beim Angeln. Also sucht man sich den entsprechenden Verein. Die Mitglieder sind sympathisch, der Vorstand sowieso um jedes neue Mitglied bemüht, der Beitrag hält sich im Rahmen, die Aktivitäten sind vielfältig - also nichts wie los und angemeldet. Im Kreise Gleichgesinnter macht es ja auch viel mehr Spaß sich auszutoben.

Feste werden gefeiert, die Kinder mit einbezogen, man besucht die diversen Veranstaltungen und Zusammenkünfte und kümmert sich freudig um ein erfülltes Vereinsleben. Denn man hatte ja von Anfang an den Eindruck eines starken Miteinanders gewonnen.

Doch mit einem Mal fühlt es sich nicht mehr stimmig an. Man hat sich doch schon bei den letzten Veranstaltungen bereit erklärt, die Getränke zu besorgen, Tische und Stühle aufzustellen sowie Servietten, Besteck, Teller und Gläser bereitzuhalten, den Grillmeister zu mimen, Preislisten zu schreiben, Getränke auszuschenken, hat Preise für eine Tombola beschafft oder Aufräumarbeiten erledigt. Und schon wieder wird es als Selbstverständlichkeit angesehen („Du machst das doch immer so gut!”), die Verantwortung für dieses oder jenes zu tragen?

Man arbeitet gerne für den Verein. Und doch fragt man sich: Was ist mit den anderen Mitgliedern? Wieso entziehen die sich permanent solchen Vereinspflichten? Obwohl für gewisse Arbeiten eingeteilt, glänzen sie durch Abwesenheit, reden von „verschlafen haben” oder einem „plötzlichen” Termin. „Ich hab‘s vergessen” ist auch eine sehr beliebte Ausrede dieser Kandidaten. Doch bei den Zusammenkünften  lassen gerade diese „die Sau raus” oder führen das große Wort, vor allem, wenn mal etwas schiefgelaufen ist.

Man hat sich offensichtlich so sehr um den Verein bemüht,  dass die restlichen Mitglieder keine Veranlassung sehen, selbst noch tätig zu werden. Außerdem ist es doch bequem, sich gemütlich zurücklehnen und genießen zu können, während andere für sie die Arbeit tun. „Der Peter ist doch eh da, der Hans auch und die Gerda kommt sowieso. Fällt also nicht auf, wenn ich nicht da bin.”

Natürlich freut man sich über gelungene Veranstaltungen und darüber, seinen Teil beigetragen zu haben. Doch innerlich wurmt es einem, weil es immer nur die gleichen sind, die sich anstrengen.

Es ist den vielen einsatzfreudigen Menschen im Hintergrund zu verdanken, dass ihre Vereine überhaupt noch existieren. Sie wirken still vor sich hin, werden schamlos ausgenutzt und machen doch weiter mit den Gedanken, dass sich irgendwann etwas ändern wird. Obwohl sie von den anderen Mitgliedern enttäuscht sind, engagieren sie sich. Sie können nicht „Nein!” sagen und glauben an das Miteinander. „Sonst macht es ja niemand”, sagen sie und unterstützen mit dieser Aussage die Faulheit und Bequemlichkeit der anderen Mitglieder.

Und was ist der Dank für den selbstlosen Einsatz der engagierten, wirklichen Macher? Nun, den Dank erhalten die Kreativen, die Ideenbringer; die, die ohnehin immer im Vordergrund stehen werden mit Lob überhäuft. Leider auch von den Medien, die sich lieber mit den so genannten Promis schmücken, als die wichtigen „No-Names” zu beachten.

Es ist die Aufgabe des Vorstandes, sich um ein Gleichgewicht im Verein zu kümmern. Hier ist Durchsetzungsfähigkeit gefragt. Mitglieder, die sich permanent vor Arbeitseinsätzen drücken, sollte der Vorstand den Austritt nahelegen. Kann er sich nicht durchsetzen, ist er als Vorstand eine Fehlbesetzung und abzuwählen.

Es muss ein Konzept geschaffen werden, wonach beispielsweise viertel- oder halbjährlich die Mitglieder wechselweise jeweils für die verschiedenen Vorbereitungen und Arbeiten zuständig sind. Mit derart rechtzeitig erstellten Konzepten und Plänen ist eine Ausgewogenheit hergestellt, wodurch es nicht mehr passieren kann, dass das Vereinsleben nur dem (stillen) Einsatz Einzelner zu verdanken ist.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ist so etwas noch als Mensch zu bezeichnen?

 

 


War das wieder eine Woche. Die Meldungen und Meinungen überschlugen sich zu Sarrazins Thesen, die er zwar nicht an die Türen der Bundesbank nagelte, sondern - in provozierender Schreibe - als Buch unter das Volk brachte. Dank seines Rücktritts muss sich Herr Wulff nun nicht mehr bemühen, zur Rettung des Rufes der Bundesbank einzugreifen.

Dann gab es noch die umstrittene Ehrung Westergaards durch Frau Merkel; ein Aufröhren zu deren Energiepolitik nebst Verlängerung des Betriebes der Atommeiler und das Auftauchens von (geheimen) Papieren, die eine Begünstigung dieser Energielieferanten dokumentieren. Dazu die „Reformpläne” des Gesundheitsministers,  die tausende Arbeitsplätze kosten sollen. Hohe Wellen schlug auch die vorgesehene Koranverbrennung eines irren Pastors in Amerika und vieles mehr.

Was mich jedoch am meisten in Rage brachte, war  der Bericht über die Darmstädter Gerichtsverhandlung betreffend den Kinderporno-Ring. Laut „Bild” sollen sich bei einem der Perversen über 66.000 Kinderpornos befunden haben.

66.000! Wie kaputt muss einer sein, der sich an Missbrauchsfotos von Babies und von Kleinkindern aufgeilt? Der solche Bilder anderen Perversen anbietet und weiterreicht?

Und die Kinder? Sie werden als Ware betrachtet, verkauft, vegetieren irgendwo vor sich hin, gefügig gemacht mit Drogen. Sie durften nie eine Kindheit erleben, werden krank sein das ganze Leben lang.

Ich bin weder Psychiater noch Therapeut oder Gutachter,  kann mich also nicht in ein solches Monster, das während des Tages unscheinbar vor sich hinwerkelt, vielleicht den liebevollen Vater, den honorigen Mann markiert,  hineinversetzen. Will es auch gar nicht, weil es mich  fürchterlich grausen würde vor dem Innenleben eines solchen Irren.

Wieder ist ein Kind verschwunden. Seit Tagen warten verzweifelte Angehörige auf ein Lebenszeichen des 10-Jährigen, doch die Polizei hat kaum noch Hoffnung. Die seelische Pein der Eltern kann sich wohl niemand vorstellen.

Es ist traurig, dass so etwas passiert, wird sich manch einer denken, und dann wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Denn man ist froh, dass einem selbst so etwas nicht passiert ist.

Allein der Gedanke, dass sich einer dieser Drecksäcke an meinem Kind hätte vergreifen können, lässt meinen Atem stocken. Ich glaube, ich wäre zu allem fähig gewesen.

Wahrscheinlich hätte dann ein salbungsvoller Therapeut versucht, mich wieder „auf Spur” zu bringen, doch das wäre ihm sicherlich nicht gelungen. Sämtliche guten Einrichtungen wie Therapiestunden, Sitzkreise, Selbsthilfegruppen oder wie sie alle heißen mögen, hätten nichts an meinen Hass- und Rachegefühlen ändern können.

Obwohl christlich erzogen, habe ich keinen Funken Mitleid mit den Angeklagten, die Babies, Kleinkindern und Kinder manipulieren, sich daran aufgeilen und damit auch noch Geld verdienen. An kleinen, unschuldigen Wesen, die sich nicht wehren können, die Angst haben, überhaupt nicht wissen, was Leben bedeutet.

Ich wünsche all diesen irren Perversen die Pest an den Hals.

Oder sehen Sie das anders?

Schreiben Sie mir unter: e. gordon@frankfurterstadtkurier.de

 

 

 

 

 

Glaube, Hoffnung und Liebe

 

 


Wie im Titel bereits beschrieben, waren wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen hoffnungsvoller Menschen, die den festen Glauben an die Umsetzungen unserer Ideen hatten. Dass die Liebe zur Arbeit nicht fehlen durfte, war Voraussetzung, dieses Projekt überhaupt erst in Angriff zu nehmen. Ohne die drei göttlichen Tugenden wäre vieles nicht zu bewerkstelligen gewesen.

In den fünf Jahren ist viel passiert, und manchmal sagt einer „Weißt du noch …?” Es sind lustige aber auch peinliche Begebenheiten, die uns begleiten, über die wir heute jedoch herzlich lachen können.

So erhielt beispielsweise eine Mitarbeiterin den Auftrag, eine Anzeige zu bauen. Es war Spätherbst, und der Kunde lud zum Gänseessen ein. Nachdem die Anzeige gebaut war, wurde sie an den Kunden zur Genehmigung weitergeschickt. Der hatte nur eine Anmerkung: „Gans - dick und fett.” In der folgenden Ausgabe war dann tatsächlich zu lesen: „Gans - dick und fett”, obwohl der Kunde lediglich gemeint hatte, das Wort Gans sollte in Fettdruck erscheinen. Wir brüllten vor Lachen und glücklicherweise bewies auch der Kunde Humor.

Einmal vertauschten wir - unabsichtlich und in der Eile des Gefechts natürlich - den Preis einer bekannten Limo-Marke mit dem eines Mineralwassers. Das Ergebnis:  das Geschäft des Kunden wurde von den Leserinnen und Lesern regelrecht gestürmt. Trotz des Ärgernisses - auch wir blieben davon nicht verschont - stieg der Umsatz des Kunden gleich am ersten Tag enorm.

Peinlich und wenig berauschend war, dass wir einmal zu Weihnachten die Osteranzeige eines Kunden abdruckten und umgekehrt während des Frühjahres die Anzeige eines Kunden mit seinen Weihnachts- und Neujahrswünschen.

Ein besonderes Schmankerl war uns gelungen, als wir die Frontfrau einer Musikgruppe als „Frontsau” bezeichneten. Selbst die Korrekturleser hatten diesen fürchterlichen Tippfehler nicht bemerkt wie leider auch heute noch einiges von ihren Adleraugen nicht erspäht oder aber  überlesen wird.

Jetzt können wir schallend über solche Vorkommnisse lachen, damals hätten wir uns am liebsten in ein Mäuseloch verkrochen.

Doch es geht nicht immer lustig und heiter bei uns zu. Viele Gedanken an unseren Mitarbeiter Helge Hebeler lassen uns oftmals innehalten. Immer ruhig und ausgeglichen, trotz schwerer Krankheit, war er plötzlich nicht mehr da. Wir alle vermissen ihn sehr.

Liebe Leserinnen und Leser, unser Alltag ist - genau wie der Ihre - ein Auf und Ab. Lassen Sie uns wissen, wenn Ihnen etwas nicht gefällt aber auch, wenn Sie etwas für gelungen befinden. Wir freuen uns über Ihre Kritiken und Anregungen gleichermaßen wie über Ihr Lob.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei unserem „Sonntags-Schreiber” Walter Oftring und dem Gastkommentator Dr. H.-J. Böhlk bedanken für ihre gelungenen Rückblicke und Gedanken, die sie für uns zu Papier bringen.

Danke auch an alle Austrägerinnen und Austräger, die sich bei jeder Wetterlage bemühen, den Frankfurter Stadtkurier so schnell wie möglich in die Briefkästen und Geschäfte zu legen.

Ihre Elvira M. Gordon-Pusch 

 

 

 

 

 

Meine Gen-Analyse - ein Versuch

 

 


Wieder einmal muss ich bekennen, dass ich vollkommen ausgepowert bin was meine Gedanken betrifft. Denn seit letzter Woche schreibe ich eine Kolumne nach der anderen, die ich korrigiere, wieder verwerfe, neu schreibe, und komme immer wieder nur zu einem Thema: Sarrazin, der hugenottische Provokateur.

Ich habe entrüstet aufgeröhrt, als ich die verschiedenen Auszüge aus Spiegel, Bild und Zeit gelesen habe, ich habe zustimmend genickt, und ich dachte „Frechheit”.

Und ich musste schlucken, als ich den Auswurf über die Gene las. Von einem „jüdischen” Gen war da unter anderem die Rede und von einem „baskischen”. Sind wir schon wieder so weit, dass wir klassifiziert und mit gelben Sternen oder roten Halbmonden „ausgezeichnet”  werden?

Dann musste ich doch lachen. Denn ich stellte mir vor, dass meine DNA - aus welchen Gründen auch immer - unter strengsten Laborbedingungen und dem Mikroskop betrachtet sowie genauestens durchleuchtet wird.

Und siehe da, in meiner Helix findet sich ein kleiner, aber doch gut sichtbarer „Wurmfortsatz” in rot-weiß-rot, der „Land der Berge, Land am Strome” singt und  signalisiert, dass ich mit einem Österreich-Gen ausgestattet bin. Na eh klar!

Doch die Laborratten sind nicht zufrieden mit diesem einen Gen, sie schauen genauer hin und finden neben dem österreichischen auch noch ein tschechisches und ein jüdisches Gen. Klasse - in der Vielfalt liegt die Würze. Möglicherweise könnten sich auch noch ungarische, italienische und polnische Gene in meiner DNA verbergen, aber das verrate ich denen noch nicht. Immerhin waren wir ein Vielvölkerstaat. Zudem standen 1529 und 1683 die Türken vor Wien und einige Sarazenen werden sich auch irgendwie unter die Bevölkerung gemischt haben.

Hilfe - wer bin ich eigentlich und wenn ja, wie viele?

 

 

 

 

 

Wieder: Einige - nicht alle!

 

 


Es gibt eine Buslinie, die am Industriepark Höchst abfährt und durch die Gegend gondelt, bis sie letztlich in der Triftstraße in Niederrad ankommt.

Eine Bekannte steigt täglich gegen oder kurz nach 8 Uhr in besagten Bus an der tränkstraße ein und an der Haltestelle Schwarzwaldstraße aus. Doch immer öfter klagt sie über die Unpünktlichkeit, was sich in der Zeitkarte ihres Betriebes nachlesen lässt.

Unlängst erzählte sie, dass sie eine Dreiviertelstunde (!) auf den Bus warten musste. Mit ihr einige Menschen, die nach und nach etwas entnervt reagierten. Als meine Bekannte schon nicht mehr daran glaubte, dass der Bus noch kommen würde, machte sie sich resigniert zu Fuß auf den Weg zur Arbeit. Nach einigen Metern wurde ihr von einem der Wartenden zugerufen, der Bus wäre in Sicht. Schnell sprintete sie zurück zur Haltestelle.

Als der Bus endlich hielt, getraute sie sich mit Blick auf die Uhr höflich zu fragen, wo er denn jetzt herkäme. Die pampige Antwort des  Busfahrers lautete wortwörtlich: „Das geht Sie doch nichts an.”

Wie bitte? Ist das die Ausdrucksweise zahlenden Fahrgästen gegenüber?

Meine Bekannte war entsprechend erbost über das unqualifizierte Verhalten des Busfahrers. Häufig, so bemerkte sie dann,  benutzen die Fahrer auch ungeniert und lautstark das Handy, woraufhin sie den Bus natürlich nur mit einer Hand lenken können. Sie musste auch bereits mehrmals miterleben, dass Busfahrer - außerhalb der Haltestelle - halten, um sich minutenlang hingebungsvoll per Handy auszutauschen. Ihnen ist es völlig egal, dass sie bei einem Beförderungsunternehmen angestellt sind, das die Fahrgäste pünktlich an den diversen Haltestellen abliefern soll.

Wenn sich zwei Busfahrer begegnen ist es üblich, sich freundlich zuzuwinken. Eine nette Geste, wie ich finde. Unangenehm ist es jedoch, wenn beide Busse auf Fahrerhöhe stehen bleiben,  miteinander Schwätzchen halten und so den Verkehr blockieren.

Solche herbeigeführten Begegnungen haben nichts mit einem Austausch über die Verkehrssituation zu tun, sondern es handelt sich um Privatgespräche. Denn ein besonderes Vorkommnis auf den Straßen wird dem Fahrer per Funk übermittelt.

Dass die Busfahrer mit einem derartigen Verhalten die Fahrgäste verärgern, die möglicherweise Anschlussbusse oder -züge verpassen, ist ihnen egal. Sie führen sich auf, als hätten sie Zeit und Recht für sich gepachtet.

Letztendlich - so meine Bekannte weiter -, hat sie schon einige Male erlebt, dass der Bus früher an einer Haltestelle ankam als im Plan zu lesen war und einfach an der „leeren” Haltestelle vorbeifuhr. Heftig winkende Fahrgäste, die versuchten, dem verfrühten Bus hinterher zu rennen, wurden nicht beachtet. Sie durften dank der überheblichen Ignoranz des Fahrers auf den nächsten Bus warten.

Ich habe selbst gesehen, dass ein Bus dieser Linie einfach die Türen schloss und abfuhr, während eine ältere Dame - mit ausgestrecktem Arm, bereit, den Haltegriff zu fassen und gerade mal zwei Schritte von der hinteren Eingangstür entfernt - das Nachsehen hatte.

Es war scheußliches Wetter, erzählte eine andere Bekannte. Es regnete und eine Frau hatte sich naturgemäß an der Bushaltestelle untergestellt. Der Busfahrer beachtete die Frau, die einen Schritt nach vorne machte als sie den ankommenden Bus bemerkte, nicht, sondern fuhr einfach weiter. Sie fuchtelte verzweifelt mit den Händen und erst ein Fahrgast konnte den Busfahrer stoppen. Der wiederum reagierte sehr unwirsch, weil er doch noch stehenbleiben musste, wollte er nicht alle Fahrgäste gegen sich aufbringen.

Von einer jungen Frau wurde mir erzählt, dass sie auch schon von einem Busfahrer „angemacht” wurde. Dieser Macho-Fahrer sah mehr in den Rückspiegel (auf sie), als auf die Straße. Der jungen Frau wurden diese offensichtlichen Blicke sichtlich peinlich, so dass ihr nichts anderes übrig blieb, als sich entgegen die Fahrtrichtung zu setzen.

Privatisierung ist eine nette Sache, wenn sie denn auch insgesamt funktioniert. Doch für einige der  Angestellten dieses großen Dienstleistungsunternehmens sind angemessenes Benehmen und Höflichkeit wohl noch immer Fremdworte.

Halbjährliche Schulungen, Präventivkontrollen und entsprechende Passagen in den Arbeitsverträgen könnten hier meiner Meinung nach Abhilfe schaffen.
Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Noch ist es ja nicht so weit!

 

 


Inspiration lautet das Zauberwort! In den meisten Ratgebern wird das sich Öffnen angesprochen, das Fließen von Energie und der daraus resultierende Anfall von erfolgreicher Inspiration seiner selbst und den anderen gegenüber.

Ja, denkste. Schaue ich aus dem Fenster, fühle ich mich völlig uninspiriert, eher unterkühlt. Schaue ich auf meinen Schreibtisch, packt mich nicht mal der Hauch einer Inspiration, eher das Grausen. Schaue ich mir die Menschen auf den Straßen an - Inspiration gleich Null. Also woher nehmen?

Ich kann noch so sehr in mich gehen und gezielte Mantras vor mich herflüstern - ich bin so was von uninspiriert, dass ich mir selber leid tue. Am besten lasse ich meinen Griffel fallen, gehe heim, zieh mir die Decke über den Kopf und warte, bis mich vielleicht im Traum etwas „anspringt”.

Nur leider kann ich das heute nicht bringen, da hätten die Kollegen etwas dagegen.

Keine Heile-Welt-Kolumne, nichts zum Lachen bringe ich zustande. Russland ist es mit den zahlreichen Waldbränden, das mich nicht zur Ruhe kommen lässt, und Pakistan, das im Wasser ertrinkt. Tausende wenn nicht Millionen Menschen wurden um ihr Hab und Gut gebracht, ziehen mehr oder weniger planlos durch die Seuchengebiete, harren den Hilfen, die viel zu lange brauchen, um zu ihnen vorzudringen.

Haben Feuer und Wasser Horrorszenarien unvorstellbaren Ausmaßes heraufbeschworen, könnte es möglich sein, dass Luft und Erde ebenfalls bald kräftig „aus der Art” schlagen und diesmal vielleicht uns mit Not und Elend überziehen.

Dass das Klima sich kontinuierlich erwärmt, muss wohl jedem klar sein. Und dass wir an den noch vorhandenen Ressourcen nicht weiterhin unkontrolliert Raubbau betreiben, gedankenlos unsere Umwelt verschmutzen und uns sorglos erhaben zeigen können, müsste auch bereits durchgedrungen sein.

Das Problem ist nur - viele wissen es, nur die Wenigsten tun etwas. Meist sind es nur wohl formulierte Lippenbekenntnisse, die man mit sorgenvoll gerunzelter Stirn für die Welt unserer Kinder und Kindeskinder übrig hat, mehr nicht. Dass diese es sind, die unsere Sorglosigkeit auszubaden haben, regt uns nur ein klein wenig auf. Es liegt ja alles noch in unendlich weiter Ferne…
Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Der Schmerz - eine Einkommensquelle?

 

 


Rückenschmerzen? Sind ja nicht so schlimm, die vergehen schon wieder, dachte Frau G. und bewegte sich wie üblich. Doch die Rückenschmerzen wollten sich nicht verabschieden, im Gegenteil. Die dumpfen Schmerzen drückten von hinten nach vorne, Frau G. konnte sich kaum mehr bewegen, und letztendlich überkam sie ein beängstigendes Beklemmungsgefühl mit Atemnot. Letzteres war dann endlich ein Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Nach eingehenden Untersuchungen wurde ein Brustwirbelsäulensyndrom festgestellt und Frau G. bekam zwei Medikamente verschrieben.

Sie nimmt ihre Medikamente nur ungern und zögert die Einnahme so lange hinaus, bis sie die Schmerzen nicht mehr aushält.

An einem Sonntagabend meldeten sich die Schmerzen in Wellen, bis Frau G. kaum noch laufen konnte. Als sie nach der erlösenden Medikamentenpackung greifen wollte, musste sie feststellen, dass keine einzige Tablette mehr vorhanden war.

Was blieb ihr übrig, als sich in die Notfallklinik fahren zu lassen; sie selbst war dazu nicht in der Lage.

Frau G. erhielt ein entsprechendes Rezept, ließ sich zur nahen Apotheke, die Notdienst hatte, fahren. Zu ihrem Erstaunen wurde ihr mitgeteilt, dass die Medikamente nicht vorrätig waren. Als Alternativpräparat  zu dem einen Medikament riet die Apothekerin zu einem Zuzahlungspräparat.

Frau G. lehnte ab mit dem Hinweis, dass dieses Medikament bei ihr Erbrechen auslösen würde.  Die Apothekerin gab ihr daraufhin das Rezept zurück mit einem Zettel, auf dem Anschrift und Telefonnummer der nächsten Apotheke - 30 Kilometer weit entfernt - stand. Sie kümmerte sich nicht um ein Alternativpräparat, rief auch nicht in der Klinik an, die das Rezept ausgestellt hatte, sondern zog sich wieder in ihre „Notfallapotheke” zurück.

Zufällig fand Frau G. in ihrer Handtasche noch einen Blisterstreifen mit einer Tablette und hoffte, damit die Nacht zu überstehen.

Am nächsten Morgen - Frau G. konnte sich wieder besser bewegen, suchte sie ihre gewohnte Apotheke auf. Anstandslos erhielt sie die betreffenden Medikamente. Bei dieser Gelegenheit schilderte sie den sonntäglichen Vorfall.

Die Apothekerin zeigte sich sehr erstaunt, wären doch die verschriebenen Medikamente Bedarfsmedikamente, die in einer Apotheke ständig vorrätig sein müssen. Auch gäbe es in jedem Fall Alternativen zu den beiden Präparaten. Dann überlegte sie und meinte, dass die betreffenden Medikamente möglicherweise deshalb nicht herausgegeben wurden, weil sie gebührenfrei seien. Das offerierte und von Frau G. abgelehnte Präparat dagegen hätte  eine Zuzahlung von 5 Euro plus die Notfallgebühr in die Apothekenkasse gespült.

Als ich diese Geschichte hörte, war ich entsetzt. Kann es wirklich sein, dass eine Apotheke versucht, mit einer Schmerzpatientin zu schachern, um sie dann 30 Kilometer weiter zu schicken, nur weil an ihr kein Geld zu verdienen ist?

Frau S. wiederum benötigt ein bestimmtes Insulinpräparat. Die Apothekerin meinte nach kurzem Blick in den Computer, das Präparat wäre nicht vorhanden und wollte ihr eine Alternative im wahrsten Sinne des Wortes „andrehen”.

Dieses (Zuzahlungs-) Präparat lobte sie über den grünen Klee, hob dessen besondere Vorzüge hervor, und als Frau S. ablehnte und auf ihrem Medikament, das auch von der Krankenkasse bezahlt wird, bestand, wurde sie „mit Bedauern” weggeschickt.  Es wurde nicht einmal die Bereitschaft signalisiert, das Medikament zu bestellen, so dass es Frau S. ein paar Stunden später hätte abholen können.

Für so ein menschenverachtendes Verhalten fehlt mir jegliches Verständnis.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Das Böse ist immer und überall!

 

 


Was von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung scherzhaft in einen Hit eingebaut wurde, ist schlichtweg traurige Wahrheit. Denn nach den neuesten Vorkommnissen - diesmal in einem Feriencamp - muss man sich die Frage stellen, wem man noch trauen, wem man seine Kinder anvertrauen darf.

An Orten, wo man es nie für möglich gehalten hätte, wurden und werden aus offenen, interessierten und neugierigen Kindern in sich gekehrte Missbrauchsopfer, die sich jahrelang oder überhaupt nicht mehr vom Schock der Übergriffe erholen. 

Nach den fürchterlichen Berichten der letzten Tage erinnere ich mich an meine Jungscharzeit. Jedes Jahr fuhren wir für 14 Tage in eine Jugendherberge in eines der Bundesländer, unternahmen Wanderungen, gingen schwimmen, besuchten Museen und Ausstellungen, es gab sportliche Veranstaltungen, Rätsel- und Spiele-abende, wir probten Sketche für die Abschlussveranstaltung und mehr. Unsere Erzieher kontrollierten abends immer wieder die Schlafsäle und hätten sofort eingegriffen, wäre etwas zu hören gewesen. Aber wir waren sowieso ausgepowert, so dass wir recht schnell einschliefen. Nur einmal gab es einen Vorfall, als nämlich einige Jungs beschlossen hatten, den Mädchen nachts einen Besuch abzustatten. Natürlich wurden sie erwischt. Der Rädelsführer wurde am nächsten Tag in den Zug Richtung Heimat gesetzt, die Mitläufer bekamen Strafen aufgebrummt.

Deshalb kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Staatsanwalt meint, „die Kinder hätten geschrien und versucht, über die Feuerleiter zu flüchten”, doch niemand hätte etwas gehört. Wo waren die so genannten Betreuer zu der Zeit, als ihre Schützlinge mit dem Bösen konfrontiert wurden?

Der Vorsitzende des Stadtsportbundes äußert sich erschüttert und schockiert -  und nimmt die Betreuer in Schutz. „Beschwerden über sexuelle Übergriffe habe es nicht gegeben”, steht zu lesen.

Hat ein Erwachsener schon die allergrößten Schwierigkeiten, sich zu einem Missbrauch oder einer Vergewaltigung zu äußern, wie sieht das erst bei einem 12- oder 14-Jährigen aus? Glauben die Verantwortlichen tatsächlich, dass ein gerade durch die Anfänge der Pubertät gebeuteltes Kind sich hinstellt und sagt: „Der X hat mir gestern Abend eine Cola-flasche in den After gestoßen” oder „Der Y hat mir einen Besenstil in den Anus gesteckt.”

Es wird davon berichtet, dass es Hinweise gegeben hätte, dass Ältere die Jüngeren ärgern, dass sie „gefistet”  würden. Diesen Hinweisen hätte unbedingt nachgegangen werden müssen. (Es hätte sich kein Betreuer etwas vergeben nachzufragen, was „fisten” bedeutet; dieses Wort ist - glücklicherweise - bislang nur in der Sado-Maso-Szene zu finden.) Wie anders sollten geschockte Kinder in ihrer natürlichen Scham solche Vorkommnisse schildern? Vielleicht protokollgerecht aufgearbeitet?

Es sieht so aus, als ob  - wieder einmal - etwas unter den Tisch gekehrt werden sollte und nur dem Umstand, dass wenigstens ein Junge sich seinen Eltern anvertraut hat, ist es zu verdanken, dass der Stein ins Rollen kam.

Man stelle sich vor: Kinder werden bestialisch gequält, sind in einer Notlage, schreien vor Angst und keiner der Verantwortlichen kümmert sich um die ihm Anvertrauten. Waren sie unterwegs? Feierten sie? Haben sie sich zugeprostet, wieder einen Tag mit der lästigen Kinderschar geschafft zu haben?

Wie kann man solch schlimmen Vorkommnissen an unseren Kindern begegnen?  Mit Stärkung des Selbstvertrauens durch die Eltern. Mit Kursen in Selbstverteidigung schon in jungen Jahren. Durch frühzeitige Aufklärung nicht nur über die Sexualität, auch über mögliche schleichende Auswüchse der Psyche bereits in den  Grundschulen. (Was nicht in drei Jahresstunden abgehandelt, sondern im steten Rhythmus eingeplant und von einem Experten vorgetragen werden müsste.) Durch kindgerechte Warnungen, die nicht allein in Verboten gipfeln. Durch Erklärungen und das immerwährende Angebot von Eltern, Erziehern und Lehrern, für alle Fragen offene Ansprechpartner zu sein - und diese Fragen auch ehrlich zu beantworten.

Wieviele Schläge braucht es noch, um uns und die Verantwortlichen endlich aus der trügerischen „Es-wird-schon-nichts-passieren” -Idylle wachzurütteln?

Das Böse ist immer und überall!

 

 

 

 

 

„Scham, oh Scham”

 

 


Es ist vorbei. Deutschland darf sich von den fieberhaften Diskussionen - war die blöde gelbe Karte daran schuld, dass Müller gegen Spanien pausieren musste und wir verloren haben, hätte Trochowski besser früher ausgetauscht werden sollen oder warum hatte Lahm, der sich die Hacken gegen die Spanier abrannte, doch keinen Einfluss auf das Spiel, obwohl er doch sonst ein guter Kapitän war, warum ließ Löw seine Mannschaft diesmal vorsichtiger spielen und anderes mehr - erholen.
Denn es ist Sommerpause.
Die Politiker sind im (wohlverdienten) Urlaub und kommen hoffentlich wieder gestärkt, einig und ihren Ämtern entsprechend  „mit Stil” zurück.
Also worüber könnten wir uns aufregen?

Vielleicht über den bösen Apothekenskandal, der seit April auf der Lauer liegt, Krebskranke und deren Angehörige verunsichert und jetzt - endlich - im beginnenden medialen Sommerloch die Gemüter erhitzt?

Oder die Ölpest, die vom Golf von Mexiko aus ihr Unwesen treibt und nicht nur Urlaubern die Strand- und Badelaune vergällt, sondern Menschen arbeitslos macht, die Gesundheit gefährdet und in rauen Mengen die Meeresbewohner tötet? Und das alles auf Jahre hin. Aber wen interessiert‘s, ist ja weit weg.

Na gut, dann nehmen wir doch den bayerischen Volksentscheid für einen rauchfreien Freistaat. Warum nicht gleich die Tabakindustrie des Landes verweisen? Ich denke, die Politik weiß schon, warum das nicht geschehen sollte.

Die Liste könnte man seitenlang fortsetzen.

Einen meiner momentanen Aufregerfavoriten möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Aus einem Jux geboren, haben einige Studenten unter dem Namen Uwu Lena den Yurowischn (bin gespannt wie lange es dauert, dass man Eurovision so schreibt wie man es in etwa spricht) Song Contest-Siegertitel dieses Jahres abgeändert in „Schland, oh Schland”.  An allen Ecken und Enden wurde dieses üble Machwerk als „WM-Hymne” gegröhlt und im Rhythmus des „geilen Feelings” rauf- und runtergespielt.

Was in der allgemeinen Hysterie als witziggeiler Song gefeiert wurde, ist für mich schlicht und ergreifend „a Schand”.

Wer aus Deutschland „Schland” macht, ist entweder total genial (und natürlich supergeil) - was sicherlich von den meisten Public Viewing-Besuchern blind unterschrieben wird -, publicitysüchtig oder einfach nur geistlos.

Aber vielleicht täusche ich mich auch und sollte meine Beurteilung etwas abmildern. Denn wenn das wirklich und wahrhaftig bildungswillige Studenten sind, die diesen Ballermanntext verbrochen haben, wollten sie möglicherweise nur ein Zeichen setzen und darauf aufmerksam machen, dass das Bildungsniveau stark gegen Null tendiert?

(Nach dem Spitzenspiel gegen Uruguay, dem trotzdem leider „nur” der dritte Platz der deutschen Nationalmannschaft folgte,  hätte Uwu Lena gleich einen zweiten Titel in petto haben sollen. Aber „Schad,  so Schad” wäre wohl eine viel zu große Herausforderung für die begnadeten Textdichter gewesen.)

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Sonnenuntergang auf der Mülldeponie

 

 


Irgendwann am Dienstagabend - ich schaute etwas ermüdet in der Gegend herum - lenkte ich meinen Blick in Richtung Küche. Auf der einen Schrankwand räkelten sich seltsame dunkelrote Gebilde. Mein erster Gedanke: Es ist etwas passiert und vor der Tür stehen Rettung, Feuerwehr und sonstige Autos mit blinkenden Lichtern. Ich lief in die Küche und konnte es kaum glauben. Denn durch die Fenster schienen die Strahlen eines rotglühenden Sonnenballs. Völlig gebannt war ich von diesem Schauspiel. Alle Geräusche waren plötzlich wie ausgeblendet und ich genoss dieses seltene Farbenspiel. Fast wähnte ich mich in exotischen Gegenden. So ein intensives Lichtspektakel hatte ich letztmals bei meinem Urlaub, der bereits sechs Jahre zurückliegt, erlebt.

Ein seltsamer Urlaub war das damals. Denn ich hatte mir eingebildet, einmal  Weihnachten in wärmeren Gefilden zu verbringen, fern von (selbstgemachtem) Stress und Hektik. Die ersten paar Tage haben mir sehr gut gefallen mit Sonne, Strand und haufenweise Büchern. Doch nach und nach dachte ich an doch an Daheim und die Weihnachtsvorbereitungen und musste mich damit abfinden, diesmal ohne Familie zu feiern.  Irgendwie fühlte sich diese Zeit trotz der Schönheit der Landschaft und der sagenhaften Sonnenuntergänge nicht richtig an.

Der Weihnachtsabend selbst wurde mit einem riesigen Buffet begangen, zu dem man Zutritt über eine Wiese bekam, die mit einem Rentier und einem Nikolaus auf Watte „geschmückt” war. Während die anderen Gäste feierten, saß ich zurückgezogen auf meinem Balkon und dachte nur: was für eine Fehlentscheidung.

Das alles kroch wieder in mir hoch, als ich diesen wunderschönen Sonnenuntergang beobachtete. Hier bei uns, mitten in der Stadt. Doch ein Blick verhagelte mir meine supergute Sonnenlaune.

Denken Sie sich einen langen, gepflegten Wiesenstreifen nahe am Main. Bevorzugt wird er zum Hundeauslauf genutzt. Begrenzt wird der Streifen von einigen Sträuchern, dahinter folgen Schrebergärten. Auf dem Wiesenrand zur Straße hin stehen in gewissen Abständen Abfalleimer - für den Hundekot, für Taschentücher, vielleicht eine Busfahrkarte, die nicht mehr gebraucht wird oder eine kleine Papiertüte, für die Reste eines Apfels oder eine Bananenschale.

Doch einige Schrebergärtner/innen denken, dass diese ohnehin viel zu kleinen Abfalleimer allein für ihren Müll gedacht sind. Und wenn nichts mehr in die Abfalleimer passt, schmeißen sie ihre prall gefüllten blauen und sonstigen Mülltüten zur Erbauung aller doch tatsächlich kreuz und quer auf den Rasen. Anstatt ihren Müll zuhause zu entsorgen, werfen sie ihren Unrat - natürlich im Schutz der Dunkelheit, denn feige sind diese Typen ja auch noch - unbekümmert in die Gegend. Sie sind nicht mal in der Lage, den Müll neben den Abfalleimern abzustellen.

Die „Stadt” wird’s schon wegräumen. Wofür zahlen wir denn die horrenden Gebühren? Dass die Gebühren wegen ihrer dummen Ignoranz teurer werden, geht nicht in ihre kleinen Gehirne. Und dass diese wilden Deponien auch Ungeziefer sowie Ratten, Marder & Co. anziehen, wird auch nicht bedacht.

Diese Leute sollten sich mal vorstellen wie es ist, würde in ihre gepflegten Schrebergärten still und heimlich Müll abgeladen.

Nur - gegen Dummheit und Ignoranz sind leider noch keine Kräuter gewachsen. Aber möglicherweise sorgt ja dieser sagenhafte Sonnenuntergang für Einsicht bei den Verursachern der wilden Mülldeponien.

 

 

 

 

 

Es ist so unfair!

 

 


Vor vielen Jahren wurde ich von einem Markinstitut angerufen. Ob ich mitmachen wolle bei einer Befragung. Ich solle  um eine bestimmte Uhrzeit eine Werbesendung im Fernsehen verfolgen; am nächsten Tag würde ich angerufen und mit der Interviewerin einen Fragenkatalog abarbeiten. Ich war einverstanden, sah mir die Sendung mit den verschiedenen Werbungen an und harrte des Telefonanrufs.

Ich war schlecht, ganz schlecht. Ich wusste nichts mehr, obwohl ich mich am Vorabend sehr konzentriert hatte. Immer wieder musste die Dame am Telefon nachhaken; die vielen Angebote, die während der Sendung auf mich eingeprasselt waren, hatten mich total überfordert. Bis sie mich fragte, ob in der Werbesendung auch das Waschmittel XY vorgekommen sei. O ja, diese Werbung war mir in sehr guter Erinnerung geblieben.

Es handelte sich um ein bekanntes Waschmittel, das von einem Mann beworben wurde. Der Spot war wohl im Ausland aufgenommen worden, weil die Synchronisation nicht passgenau war. Schon allein das regte mich auf, was ich der Dame am Telefon auch sagte.

„Wenn wir schon ein heimisches Mittel bewerben, dann sollten die Darsteller und die Sprecher ebenfalls aus heimischen Landen kommen. So könnte langwierige und teure Synchronarbeit vermieden werden und das Geld für die Aufnahmen würde außerdem im Land bleiben.“

Ich hatte (und habe) offensichtlich keine Ahnung von den Überlegungen in den obersten Waschmittel- und sonstigen Etagen, denn die Interviewerin ging mit einem kurzen Gehüstel über meine viel zu aufmerksame Beobachtung hinweg.

„Und was ist Ihnen noch aufgefallen an diesem Spot?“

„Es hat mich sehr irritiert, dass ein Mann dazu auserkoren wurde, die Vorzüge eines Waschmittels anzupreisen und Frau vor dem Bildschirm zu suggerieren, es unbedingt zu kaufen,“ sagte ich.

„Aha“, sagte die Dame, notierte etwas und fragte mich, weshalb es mich gestört hätte.

„Ganz einfach“, meinte ich.  „Wer hat die meiste Zeit mit dem Haushalt und somit auch der Wäsche zu tun? Sicherlich nicht der Mann, der sie meist nur fallen lässt. Die Frauen sind es, die für saubere Wäsche sorgen. Warum wurde keine Frau, die so etwas sicherlich authentischer vermitteln kann, als Sprecherin ausgewählt? Mir kommt es so vor, als ob noch immer die Meinung vorherrscht, dass Frauchen sich bescheiden soll mit den Errungenschaften von Waschmaschine, Elektroherd und Teflonpfannen und sich beschäftigen mit  Kindererziehung bei halbtägiger Sekretariatstätigkeit. Alles weitere, vor allem das Denken, fällt in den Zuständigkeitsbereich des Mannes!

Ich weiß nicht mehr, was ich der nun etwas sprachlosen Dame noch erzählt habe. An ihrer Reaktion konnte ich jedoch merken, dass ich für dieses Interview nicht unbedingt geeignet war. Immerhin hatte ich meinem Unmut Luft gemacht.

Das war vor rund 25 Jahren. Was hat sich geändert? Noch immer beherrscht der Mann die Szene, obwohl er nicht mehr Alleinunterhalter ist.

Wenn Sie mal genau beobachten, setzt die Werbung nach wie vor darauf, dass sein markiges Einschleimen bei Frauen Wunder wirkt und sie mehr verleitet, recht viel von diesem und jenem in den Einkaufskorb zu werfen.

Nach wie vor wird der Frau Intelligenz zu Themen wie Technik, Wirtschaft, Fassadendämmung, KFZ, Elektronik, Software, Telekommunikation und so weiter abgesprochen. Die miserable „Frauenquote“ - wer hat diesen Ausdruck erfunden? - in den diversen von eingeschworenen Männerclans geleiteten Firmen zeigt es anschaulich. Von etwaiger Gleichberechtigung beim Verdienst ganz zu schweigen. (Von unserem schmalen Gehalt dürfen wir auch noch höhere Versicherungssummen berappen weil wir uns auch noch erdreisten, älter zu werden als die so genannten Herren der Schöpfung. Aber das nur nebenbei.)

Frau als schmückendes Beiwerk, tief dekolletiert, langbeinig und mit laszivem Augenaufschlag - das ist akzeptabel und in gewissen Kreisen sogar ein Muss.  Frau mit Hirn - na ja, vereinzelt mag es durchgehen. Aber nur nicht übertreiben bitte.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Nur keine Gefühle zeigen!

 

 


Adelige Häupter haben es schwer. Sie sind permanent dem Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt. Jedes Hüsteln, jeder Blick, eine Handbewegung, die Wahl des Kleides oder des Anzuges  werden gnadenlos kommentiert und tagelang von der Presse breitgetreten. Man nehme nur die Frisur der stets gut behüteten Dauermonarchin Elisabeth II. Sie zu ändern hätte bedeutet, sämtliche geprägten Münzen, Bilder etc. austauschen zu müssen. Vermutlich aus Sparsamkeitsgründen beließ es also die Königin bei ihrer immer gleichen Frisur, doch wird diese sicherlich wie auch ihre farbenprächtige Garderobe immer wieder einen interessanten Gesprächsstoff bilden.

Ein weiteres Beispiel: Claus vom Amberg, der als Prinzgemahl („der traurige Prinz”) von Königin Beatrix in die Geschichte einging. Der Diplomat wurde deshalb so bezeichnet, weil er hauptsächlich nur repräsentative Aufgaben im Schatten seiner Frau zu erledigen hatte. Seine Krankheiten und Depressionen waren fast Dauerthema der Boulevardpresse und wurden ständig wiedergekäut, was weder für die niederländische Krone noch für die treuen Untertanen angenehm war.

Nächstes Beispiel: Prinzessin Di, die Königin der Herzen. Die königliche Regie sah vor, dem Volk ein stilles, repräsentatives Heimchen vorzuführen. Doch es kam anders als gewünscht und die Royals waren absolut nicht amused darüber. Zudem kommt, dass ihr Sohn William nicht sicher ist, ob er seine Kate ehelichen soll und ferner, wann dessen Bruder Harry endlich lernt, sich entsprechend zu benehmen.

Das Spanische Königshaus: Der Kronprinz heiratete mit Leticia eine Nachrichtensprecherin, deren Magersucht Europas Illustrierten einen ziemlichen Batzen Geld bescherte.

Das belgische Königshaus:

König Albert und eine nichteheliche Tochter. Wurde klarerweise auch ausgeschlachtet.

Last but not least das Schwedische Königshaus:

Carl Gustav XVI. ehelichte mit Silvia Sommerlath eine Bürgerliche, deren älteste Tochter Victoria Königin wird und … am vergangenen Samstag ihren Fitnesstrainer heiratete.

Da die Schweden langsam Monarchiemüde werden, ist wenigstens diesem jungen Paar zu wünschen, dass sie ein einigermaßen beobachtungs- und verfolgungsfreies Leben vor sich haben.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Weg mit dem Sonnenschirm?

 

 


Täglich wird in Deutschlands beliebtester Bildungsschrift das „In & Out” der nächsten Tage oder Wochen diktiert. Da dieses Blatt einen nicht unmaßgeblichen Einfluss auf die Bildung der Bevölkerung hat ist es unverständlich, wie es unter „Out” propagieren kann, Mega-Sonnenschirme zu verteufeln mit dem unglaublich sinnigen Zusatz: „Kaum ist die Sonne da, wird sie wieder ausgesperrt.”

Die Bedeutung der gedankenlosen Botschaft liegt auf der Hand: „Leute, wir haben so lange auf die Sonne verzichten müssen, also genießt sie in vollen Zügen und brutzelt euch schutzlos braun.”

Ich finde dieses Statement schlicht verantwortungslos. Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken ca. 140.000 Menschen in Deutschland jährlich an Hautkrebs, davon allein rund 15.000 Menschen am gefährlichen schwarzen Hautkrebs mit einer Todesrate von 2.300 Menschen pro Jahr.

Dank mehrerer Urlaube im Jahr verbringt sie der Mensch am liebsten in Sonnengegenden. Er denkt nicht daran, dass intensives Sonnenbräunen das Erbgut schädigt. Zählt man zu den Sonnenbränden etliche Solarienbesuche dazu, den Hauttyp (hellere Typen sind stärker gefährdet als dunklere), zusätzlich noch die genetische Veranlagung (von der man häufig keine Ahnung hat) und mögliche Muttermale, ist das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, groß.

Anstatt solchen Unsinn wie anfangs geschildert zu verbreiten, sollten die Bildungsbeauftragten des Blattes sich lieber ernsthaft darum kümmern, die Menschen über die Schädlichkeit von prall genossenen UV-Strahlen aufzuklären.

Dermatologen und Onkologen haben genug zu tun und die Krankenkassen sind ohnehin Oberlippe Unterkante.

Deshalb sollten Sie (und Ihre Kinder) zwischen 10 und 15 Uhr die Sonne meiden und sich lieber im Schatten aufhalten. Der Sonnenschutz sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden aufgetragen werden. Bestenfalls tragen Sie leichte luftige Kleidung und eine Kappe oder einen Sonnenhut, für Kinder und Kleinkinder ohnehin ein Muss. Und vergessen Sie nicht, den Sonnenschirm aufzuspannen! So kommen Sie sicherlich hautfreundlich und gesund durch den Sommer.

 

 

 

 

 

Der Krug geht solange zum Brunnen …

 

 


Wird ein Arbeitnehmer von Kollegen und/oder dem Chef schief angeschaut, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Werden Privatgespräche eingestellt, wenn ein bestimmter Arbeitnehmer auftritt, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Wird am Verhalten oder an Aussagen eines Arbeitnehmers Kritik geübt, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Wird ein Arbeitnehmer von seinen Kollegen angeblich boykottiert, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht.

Was macht jedoch ein Staatsoberhaupt, dessen Sätze permanent auf die Goldwaage gelegt und von der Journaille ausgeschlachtet und auch aus dem Zusammenhang gerissen werden? Der karikiert und dessen Aussprache, Kopfhaltung und Handbewegungen in einschlägigen Sendungen und Kabaretts nachgeäfft werden? Den die so genannten Spitzenpolitiker verbale Tritte verpassen, nur weil er sich erlaubt, Stellung zu nehmen oder überhaupt nicht zu reagieren?

Sein Amt gibt es nicht her, dass er sich beschwert und vor Gericht zieht. Er hat niemandem, dem er sich diesbezüglich anvertrauen kann. Angemessen souverän hat er über den Dingen zu stehen und dieses Verhalten zu ertragen.

Herr Köhler hat das Amt des Staatsoberhauptes Deutschlands nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt. Teilweise waren seine Äußerungen etwas unbequem, teilweise war es sehr ruhig um ihn und seine Person. Egal, wie man seine Stimme einstufen mochte, sie rief die geifernde Medien- und Politikmeute auf den Plan, die ungeniert deutete und interpretierte.

Während der Normalbürger schnell nach Recht und Gesetz schreit, kann ein Staatsoberhaupt lediglich erläuternde Erklärungen der Präsidialkanzlei nachschieben in der Hoffnung, sich nun klar, logisch, nachvollziehbar und entsprechend der Verantwortung seines Amtes ausgedrückt zu haben. Was in Herrn Köhlers Fall folgte, war respektloser Verriss und der erhobene Zeigefinger der ach so klugen und profilierungssüchtigen Warner. Leuten, denen die Tatsache, dass sie damit großen Schaden anrichten, nicht nur, weil das Ausland sehr genau beobachtet, völlig abhanden gekommen war.

Herrn Köhlers  Bemerkungen während des Afghanistanbesuchs haben SPD und Grüne zu hämischer Schelte veranlasst. Wohl auch deshalb, um die derzeit wackelnde Regierung, deren Wunschkandidat Herr Köhler war, noch mehr in Misskredit zu bringen.

Diese Schelte, von den Medien gerne und ausufernd übernommen, brachte das Fass zum Überlaufen.

Herr Köhler tat das einzig Richtige: Er verabschiedete sich aus seinem Amt.

Die Mehrheit des deutschen Volkes, in dessen Herzen Herr Köhler schnell einen Platz gefunden hatte, steht auf seiner Seite.

Herr Köhler hat jahrelange Medien- und Parteienschelte ertragen; er ließ jahrelang Kritik über sich ergehen. Ihm jetzt Dünnhäutigkeit oder Empfindlichkeit vorzuwerfen, ihm vorzuwerfen, gerade in dieser Krisenperiode (wann gibt es eine solche nicht) verantwortungslos das Handtuch zu werfen,  ist beschämende Hetze und völlig unqualifiziert.

Wer die Nachfolge dieses Amtes antritt, kann eigentlich dahingestellt bleiben.

Fakt ist: Deutschland braucht für diese Position einen Menschen. Einen herzlichen Menschen. Jemanden, der das Volk anspricht und uns im Ausland entsprechend vertritt. 

Es ist höchste Zeit, dass einige Politiker und Journalisten erst nachdenken, bevor sie den Mund aufmachen und Schädliches - für unser aller Ansehen -  von sich geben.

Herr Köhler, es war uns eine Ehre!

 

 

 

 

 

Vorsicht: Abzocke!

 

 


Kaum sagt sich der Frühling an, kriechen auch wieder die Verbrecher aus ihren Löchern. Diejenigen, die sich darauf spezialisiert haben, hauptsächlich ältere und alte Menschen verwerflich abzuzocken. Sie locken mit Gewinnen, kostenlosen Ausflugsfahrten, Stadtbesichtigung und -rundfahrt, einer „kiloweisen” Auswahl feinster und edelster Lebensmittel (insgesamt 8 Pfund) und einem speziellen Gratis-Geschenkpaket, reichhaltigem und kostenlosem Frühstück und Mittagessen, wobei drei mitgebrachte Freunde und Gäste keinen einzigen Cent dazuzahlen - es ist alles gratis! Zusätzlich wird für jede Dame und jeden Herrn ein Handy mit Notruffunktion angeboten und Paare/Ehepaare erhalten einen LCD-TV Flachbildfernseher. Gratis, versteht sich.

Das kostenlose Frühstück wird genauso schmecken, wie es sich anhört, das frugale Mittagessen sich als trockene Schuhsole mit Gemantschtem erweisen. Die „insgesamt” 8 Pfund feinster und edelster Lebensmittel verstehen sich natürlich für sämtliche Teilnehmer - also vielleicht 10 Gramm Irgendwas für jeden; für die kostenlosen Handys müssen Verträge abgeschlossen werden, und über Größe und Funktion der gratis LCD-Flachbildfernseher können nur Zentimetergroße Vermutungen angestellt werden.

Frau K. schickte mir einen Brief vom Reiseservice Hömmen aus 49618 Löningen, die oben Beschriebenes eindringlich anpreist. Das freundliche Unternehmen haust in einem billigen, kleinwinzigen Postfach mit der Nummer 11 10.

Frau K. wird nicht nur vom Tourismusverein „Würzburg” (wo ist der zu finden?)  zu einem kostenlosen Ganztagesausflug mit Bus und Schiff eingeladen, sondern auch beglückwünscht, bei der großen Sonderverlosung (ach ja?) den 2. Preis in Höhe von € 3.500 gewonnen zu haben. Es ist unverständlich, schreibt die Postfachfirma, dass Frau K. auf das erste Gewinnschreiben nicht reagiert hat, woraufhin der Außendienstmitarbeiter Herr Leihen beauftragt wurde, Frau K. persönlich  zu besuchen.  Leider wurde dieser auf dem Weg zu ihr in einen Verkehrsunfall verwickelt (tja, Heinzelmännchen in Postfachgröße haben wohl so   ihre Probleme) … Aber es sei noch nichts verloren, denn wenn sie die ausgefüllte Antwortkarte schnellstmöglich zurückgeschickt, kann sie die Auszahlung des 2. Preises garantiert am 14.6. erwarten.

Auf der Anmeldung stehen diverse Abfahrtszeiten. Los geht es um 4.45 Uhr am S-Bahnhof Eppstein, bis endlich nach 13 Haltestellen um 6.30 Uhr die Bushaltestelle Im Prüfling angefahren wird. Das heißt, wer in Eppstein einsteigt, hat sich schon mal eindreiviertel Stunden den Hintern plattgesessen. Zählt man die Fahrt zum Bauernmarkt im Irgendwo und die Rückfahrt dazu, kann es sein, dass man sich kaum mehr rühren kann vom stundenlangen Herumgehocke.

Stichwort Schifffahrt: Glauben Sie nur nicht, dass die Gewinner in Ruhe ihren Gewinn genießen  dürfen. Eine Verkaufsveranstaltung ist ihnen - falls sie nicht entnervt über Bord springen - sicher.

Also: Hände weg von solch obskuren Gewinn- oder sonstigen Mitteilungen, die damit enden, dass Sie überhöhte Preise für etwas bezahlen, das Sie anderswo 50 bis sogar 90 Prozent billiger haben könnten!

Diese Art Lockschreiben werden tausendfach verschickt und so hat auch  Prof. F.  eine „Festsetzung des nachträglichen Gewinnübergabetermins auf den 9.6.” erhalten, die er mir zusandte. Dr. Krüger & Partner Finanzdienstleistungen - ebenfalls ohne korrekte Anschrift; nur auf der Antwortkarte ist ein Postfach 18 23 in 49648 Bethen vermerkt - ist nämlich seit einiger Zeit dabei, „alle Geschädigten anzuschreiben, die Gewinnmitteilungen u.a. von der Firma Lotto Gewinn-Service (?) bekommen und den versprochenen Gewinn nicht erhalten haben”. Was für ein menschenfreundlicher Finanzdienstleister! Ein Herr Hartmann, seines Zeichens Sachbearbeiter und offensichtlich ebenfalls wie im ersten Fall kleinwüchsig teilt mit, dass bei der Abwicklung dieser Firmen für Herrn Prof. F. eine angemessene Summe von 1.000 € zuzüglich Zinsen abzüglich Geschäftsgebühr sowie Post- und Telekommunikationskosten, somit ein Restguthaben von € 946,72 zur Verfügung steht. In vollem Umfang, versteht sich. 

Die Rechnung ist so aufgemacht, wie es bei Anwalts- oder Inkassoschreiben üblich ist, nur dass die entsprechenden Paragraphen vor den Gebühren fehlen.

Aus Datenschutzgründen (!) dürfe jedoch das Konto nur eine gewisse Zeit weitergeführt und muss aufgelöst werden. Deshalb wird Prof. F. letztmalig Gelegenheit gegeben, den Betrag am 9.6. „in unserer Zweigstelle in der Nähe von Frankfurt” (wo ist das bitte?) persönlich abzuholen.  Das Ganze versteht sich als kostenloser Hol- und Bringservice und als Entschädigung dafür, dass betreffende Firmen nicht ausgezahlt haben, wurde „extra ein wunderschönes Rahmenprogramm mit kostenlosem Frühstück … und warmem Imbiss … organisiert”.

Achtung: Als fettgedrucktes Schmankerl wartet als Zusatzprämie aus den „Lagerbestandsauflösungen der betroffenen Firmen” ein nagelneuer Express-Kaffee-Automat auf Prof. F.

Also, Herr Prof. F., wenigstens jetzt müssten Sie unbedingt die Antwortkarte gezückt und sich angemeldet haben, oder?

Liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie sich nicht einwickeln. Sie werden keinen Cent bekommen, weil die Verantwortlichen nicht greifbar sind. Im Gegenteil, Sie werden mit vollmundig angepreisten, aber unwirksamen Mittelchen und Billigstimporten aus Fernost, mit wertlosen Restposten, Nippes und Ramsch von geschulten Verkäufern überhäuft und trickreich ausgenommen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Und jetzt wieder …eine kleine Mischkulanz

 

 


Die Kandidaten standen in zwei abgeschlossenen Kabinen. Wurde der eine gefragt, hatte der andere einen Kopfhörer auf und wurde mit Musik berieselt. „Quiz 21“ hieß dieses spannende Rätselraten, das von 1958 bis 1974 in Österreich äußerst populär war.

Sehen konnte ich diese Sendung jeweils nur in den Ferien, die ich bei meiner Großmutter verbrachte. Denn sie hatte bereits sehr früh einen Fernseher, vor dem sie mit Hingabe Nachrichten, Krimis, Konzerte und eben auch diese Quizsendung verfolgte.

Damals genügten die zwei Programme des Senders in schwarz-weiß; die Menschen waren zufrieden, überrascht, gespannt oder erschüttert, und diskutierten noch tagelang über das Gesehene. Gab es nichts, was sie interessierte, wurde Karten gespielt, Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht. Eine andere Zeit, eine andere Kultur.

Nun war also dieser (für mich als Kind) alte Rateonkel mit den beiden Kandidaten zugange, die teilweise sehr schwierige Fragen zu lösen hatten. Im Gegensatz zu heute gab es keine anderen Lösungsmöglichkeiten zur Auswahl; entweder wusste man die Antwort oder eben nicht.

Herr Hornegg, sein Name fällt mir gerade wieder ein, führte „eine kleine Mischkulanz“ mit den Karten der verschiedenen Wissensgebiete durch und der Kandidat durfte wählen, ob er eher eine leichtere oder die  schwierigste Frage, für die er elf Punkte sammeln konnte, beantworten wollte. Sieger war, wer als erstes 21 Punkte auf dem Konto hatte.

Klar, dass meine Großmutter und ich gespannt vor dem riesigen Kasten hockten und mitrieten. Wir bewunderten den Mut, mit dem die Kandidaten sich in ihrem kleinen Kabäuschen von der Kamera und dem Publikum im Saal begaffen ließen und dafür, dass sie dabei noch ruhig bleiben konnten. Vielleicht wurde ihnen vorher Baldrian verabreicht? Jedenfalls drückten wir unserem jeweiligen Favoriten die Daumen, und manchmal, wenn er sich zu lange Zeit ließ mit der Antwort, riefen wir: „Mach doch, schnell, sag es doch!“

Wurde eine Frage nicht beantwortet, kam keine Häme von Herrn Hornegg, so wie es heutzutage üblich und von den Sendern sogar verlangt wird, um die Einschaltquoten zu erhöhen. Diese Quizsendung hatte etwas Edles und Ernsthaftes, falls man das so bezeichnen kann. Es ging um das Wissen und nicht um die Präsentation seines lederhautgebräunten Dekolletes oder affigen Machogehabes.

Was es zu gewinnen gab, weiß ich nicht mehr. Sicher aber ist, dass nur ein Bruchteil dessen gewonnen wurde, was derzeit ausgeschüttet wird. 

Es heißt ja immer wieder, dass man nicht in der Vergangenheit leben, sondern auf das Morgen schauen soll. Doch manchmal, denke ich, würde sich die Besinnung auf Vergangenes schon sehr lohnen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ein Protest und seine Folgen

 

 


Ich verstehe die Welt nicht mehr. Tausende Menschen machen sich auf, um in friedlichen Sitzblockaden gegen braune Aufmärsche und hirnloses Gedankengut  zu demonstrieren - und die Polizei hat nichts Besseres zu tun, als sich empört zu geben. Insbesondere Bundestagsvizepräsident Thierse steht in der Kritik; sein Verhalten  sei gemäß dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt „einfach unerträglich”.

Auch ich finde es unerträglich. Doch nicht Thierses und anderer prominenter Politiker Blockaden, sondern die Ereiferung Einzelner, die auf das Verfassungsrecht der Demonstrationsfreiheit - hier der Braunen - pochen.

Erhart Körting, seines Zeichens Berliner Innensenator, habe seinen Parteifreund Thierse sogar „freundschaftlich” darauf hingewiesen, dass es „nicht so toll” sei, wenn sich Mitglieder von Verfassungsorganen an solchen rechtswidrigen Aktionen beteiligen.

Während Wendt Thierse empfiehlt, „seinen Hut zu nehmen” (steht ihm eine derartige Äußerung überhaupt zu?) -, und Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei sich darüber empört, dass Thierse seinen Prominentenstatus ausgenutzt und blockiert hätte, damit die Medien auf ihn aufmerksam würden (ausgerechnet Thierse!), prüft die Staatsanwaltschaft - unabhängig von der Anzeige eines  Neonazis -, ob  Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und Nötigung vorlägen.

(Immerhin haben Thierse und Co. Einsatzkräfte der Polizei behindert …). 

Thierses Courage wird in den Schmutz getreten; dem Gegendemonstranten wird Nötigung und öffentlicher Rechtsbruch vorgeworfen.

Weil die Demos erlaubt waren. So stand die Polizei nun dem Dilemma gegenüber, die Aufmärsche der Braunen zu schützen. Doch was tun mit denjenigen, die friedlich sitzend die Züge der geistlosen Müll produzierenden Neonazis durch die Städte blockieren und es damit sogar schaffen, sie zum Umkehren zu bewegen? Tja, die Polizei musste irgendwie tätig werden. Ein Polizist kann ja nicht ohne weiteres zu- oder gar wegschauen, auch wenn ihm das Herz dabei lacht, dass die Braunen nichts gewonnen haben. Man hat  einen Auftrag. Also versucht man, die friedlichen Nötiger von den Kampf-erprobten zu trennen. Irgendwie ist das ja auch ein Schutz für die Gegendemonstranten, oder?

Wie man es dreht und wendet - ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass gegen diese Volksverhetzer endlich ein absolutes Verbot ausgesprochen werden MUSS!

Es geht nicht an, dass Prominente - egal welcher Couleur - und couragierte Bürger sich eine Behandlung gefallen lassen müssen, die ihr demokratisches Recht (auf Gegendemonstration) beschneidet und sie mit möglichen Prüf-, Ermittlungs-, Straf- und sonstigen Verfahren überzieht.

Betrachtet man das Ziel der Fehlgeleiteten, nämlich durch die Abschaffung der Demokratie einen autoritären/totalitären Staat zu schaffen, von ihren antisemitischen und rassistischen Haltungen ganz zu schweigen, und die Rechtfertigung und Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, ist es nur zu begreiflich, dass wir nicht nachlassen dürfen, ein striktes Verbot einzufordern.

Denn die vermehrt als Biedermänner auftretenden Rechtsextremen versuchen sich als „Stimme des Volkes”. (Glücklicherweise liegt der IQ der Bürger weit über dem der braunen Ideologen.)

Sie denken vielleicht, dass das nur eine Handvoll Irrer ist, die völlig diffuse Äußerungen von sich geben? Und was ist mit deren nach wie vor existenten Gewaltbereitschaft? Allein in 2009 gab es über 20.000 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund. Was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die dank getarnter Geburtstagsfeiern und Bands wie „Oithanasie” (!) auf dieses abstoßende Gedankengut eingeschworen und rekrutiert werden?

Wir sollten uns bei dem Menschen Thierse - unabhängig von der Frage, ob diese Aktion mit seinem Amt als Bundestagsvizepräsident vereinbar war oder nicht - und allen anderen bedanken, die sich nicht nur am 1. Mai, sondern immer wieder gegen Rechts wenden.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Der Kindergarten - die Brutstätte

 

 


„Engelgarten” hieß die Institution, die 1828 in Ungarn gegründet wurde.
12 Jahre später war auch Friedrich Wilhelm August Fröbel von der frühkindlichen Erziehung überzeugt - der Kindergarten war geboren.
Heutzutage kümmern sich Profis nach langjähriger Ausbildung um die ihnen Anvertrauten. Sie fördern die Kleinen nicht nur in Sachen Soziales Miteinander, sondern auch in der Motorik und in der Kreativität. Selbstverständlich wird dabei auch ein hohes Augenmaß auf die Förderung der Sprachentwicklung gelegt.

Und doch hat dieser Beruf noch immer nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, den er beispielsweise in Finnland oder in Japan einnimmt.

Was ist denn schon eine Erzieherin? Eigentlich nichts Besonderes. Sie spielt mit den Kindern, beaufsichtigt sie beim Essen … tut sie noch etwas? Na ja, vielleicht mal einen Streit unter den Kleinen schlichten und ein Pflaster aufkleben.

Der an sich wunderschöne Beruf einer Erzieherin bedingt Liebe zu den Schutzbefohlenen, Geduld, körperliche Fitness und ein überaus reißfestes Nervenkostüm.

Letzteres nicht nur den Kindern gegenüber, sondern vor allem auch den Eltern. Insbesondere die Mütter stehen häufig kampfeslustig mit Fragen und Beschwerden vor der Berufsgruppe, die die Entwicklung der Kinder fördern soll.

Differenzen sind an der Tagesordnung, vor allem dann, wenn Hausfrauen ihre Kinder abgeben, die sichtlich krank sind. Mütter, die Zeit hätten, ihre Kinder zu versorgen, bestehen offensichtlich auf die kinderfreien Stunden. Der Plausch mit der Freundin, das Fitness- und Nagelstudio - all das ist wichtiger als ein fieberndes Kind.

Auch karrieregeile Mütter sehen im Kindergarten eine Art Verwahranstalt, in die sie die kleinen Kranken stecken können. Lieber dorthin, als Erziehungsurlaub zu beanspruchen.

Dabei haben diese Mütter kein schlechtes Gewissen, weder ihren noch den anderen Kindern (Ansteckung) und schon gar nicht den Erzieherinnen gegenüber.

Währenddessen hockt das kranke Kind in der Kuschelecke oder im Ruheraum des Kindergartens. Es hat Schmerzen, fühlt sich nicht wohl, Ruhe hat es nur bedingt und darf seine Unwohlsein, Fieber oder gar eine „versteckte” Krankheit nicht in der heimeligen Umgebung - umsorgt von der Mutter - auskurieren. Weil seine Mutter beschlossen hat, dass es „schon nicht so schlimm” sein wird.

Mir geht es nicht um die Mütter, die alles tun, das Kind gemäß seiner Befindlichkeit zu umsorgen. Die ich anprangere sind jene, welche beispielsweise auch bei Notdiensten - Fortbildungen etc. - sofort ihre Kinder anmelden, obwohl sie Zeit genug hätten, sich um ihre kleinen Racker zu kümmern. Sie nehmen für ihre Kinder einen Platz in Anspruch, der für Kinder solcher Eltern gedacht ist, die an diesen Tagen absolut keine Möglichkeit haben, die Kleinen zu versorgen.

Dass die Erzieherinnen - unabhängig von den viel zu großen Gruppen und das für ihre Leistung wenig ansprechende Gehalt - mehr als frustriert sind, ist wohl verständlich.
Geht man davon aus, dass manche Eltern bereits mit der „Erziehung” nur eines Kindes völlig überfordert sind, sollte manch einer seine Einstellung überdenken.
Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Man könnte k…

 

 


Themen gibt es genug, die ich aufgreifen könnte.
Allen voran Afghanistan, dessen Drumherum uns einmal mehr tote Soldaten beklagten lässt.
Oder die Aschewolke des unaussprechlichen Vulkans auf Island, die die Wirtschaft, Luftfahrt, Export-Import, Messen und Veranstaltungen, Reisebüros und Reisewillige - in große Kalamitäten stürzt. (Wenn ich daran denke, dass Frau Merkel per Bus durch die Lande kurvte, während die von allen geliebte ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt selbst an ihrem Urlaubsort den Dienstwagen im Schlepptau hatte …).

Dazu das 5-Jährige unseres Papstes, der sich nicht mehr so frenetischer Umjubelung erfreuen darf wie auch andere aus seinem Tross immer mehr in die Kritik geraten.

Doch neben all den großen Problemen, die uns in unserer frühlingshaften Drangperiode umschwirren, fällt mein Blick auf einen Leitartikel der Frankfurter Rundschau. Betitelt mit „Teenager in der Todeszone” berichtet Arnd Festerling unter anderem über eine 14-jährige Niederländerin, die allein (!) die Welt umsegeln will und den 13 Jahre alten Jordan Romero, der sich als jüngster Gipfelstürmer des Mount Everest ins Guinnessbuch der Rekorde beweisen möchte.

Offenbar ist es dem zwanghaften Ehrgeiz der verantwortungslosen Eltern zu verdanken, dass der kleine Mann nun im Gerede ist.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihr Kind so lange zu trietzen, bis es endlich so weit ist, nicht nur den Gipfel, sondern auch den Abstieg dieses gefährlichen Berges bezwingen zu können? Nanga Parbat und der Tod des erfahrenen Bergsteigers Günther Messner in 1970 ist Ihnen sicherlich auch noch in Erinnerung.

Ich machte mir schon Vorwürfe, meine Tochter mit Gitarrenstunden zu drangsalieren bis ich irgendwann resigniert merken musste, aus ihr wird keine zweite Suzie Quattro. Auch die Keyboard-Alternative hat sie recht bald abgelehnt. Dabei dachte ich nicht an Illustrierte oder gar Fernsehen, sondern nur, ihr ein Hobby für später zu schaffen oder zumindest die Grundlagen dazu.

Mir geht die Galle über wenn ich daran denke, was der kleine Jordan alles über sich ergehen lassen muss. Und niemand kann mir erzählen, dass sich eine 14-jährige - wochenlang völlig allein auf sich gestellt - gerne auf den unberechenbaren Meeren und Ozeanen dieser Welt tummelt. Oder - wie Festerling schreibt - die 16-Jährige Jessica, die - gesponsert von einem Elektronikkonzern - seit Oktober von Australien um die Welt segelt.

Vielleicht ist es lächerlich zuzugeben, dass ich Ängste ausstand, als meine Tochter zum ersten Mal allein in den Kindergarten oder zur Schule ging, obwohl diese in nur fünf bzw. sieben Minuten erreichbar waren und wir tagelang geübt hatten. Niemals hätte ich ihr eine Weltumsegelung erlaubt. Weder mit 14 noch mit 16 Jahren. Und auf die Idee, selbst in Begleitung den über 8000 m hohen Mount Everest zu besteigen, wäre ich nie gekommen - schon gar nicht meine Tochter.

Vielleicht wirke ich in den Augen der Visionäre ein bisschen kleinkariert. Aber ich denke, kein „normaler” Mensch würde leichtfertig das Leben seines Kindes aufs Spiel setzen, nur um in die Schlagzeilen zu kommen und „für die spannende Geschichte” (über Leben oder Tod) noch Geld zu kassieren.

Für mich sind diese so genannten Eltern mehr als verantwortungslose Leute. Ob die Kinder nun lebend oder tot von ihren aufsehenerregenden Trips zurückkommen - die Eltern stehen in jedem Fall in der Kritik. Realisieren ihre Gehirne das überhaupt?

Ich hoffe sehr, diese und viele andere Kinder (beispielsweise die kleinen, grell geschminkten Lolitas in ihren „putzigen” kurzen Kleidchen), die der Öffentlichkeit so zum Fraß vorgeworfen werden, tragen keinen Schaden davon, werden schnell erwachsen und erkennen, was ihre Ernährer in Wirklichkeit an ihnen verbrochen haben.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ausgelöscht

 

 


Innerlich aufgewühlt nach dem grausamen Bombenanschlag in Moskau, beschäftigen mich Fragen über Fragen.
Wer stellt sich freiwillig als Selbstmordattentäter(in) zur Verfügung? Menschen die meinen, ohnehin keine Perspektiven mehr zu haben?
Religiös Irregeleitete? Politische Fanatiker, welche Versprechungen der Rädelsführer glauben, im Himmel für die - leider unvermeidbaren - Kollateralschäden belohnt zu werden?

Sind es Menschen, die sich für ein Versprechen, dass die arme, vielköpfige Familie lebenslang unterhalten wird, geopfert haben? Sind es zornige Menschen, die meinen, durch ihre Selbstmordattentate würde sich etwas bessern?
Was haben diese fehlgeleiteten, bedauernswerten Geschöpfe in ihren letzten Minuten gedacht?
Haben sie überhaupt gedacht?
Haben sie sich gefreut darüber, Familien auseinanderzureißen? Ohnmächtige Angehörige zurückzulassen? Billigend in Kauf nehmend, dass ihretwegen viele Menschen unglaubliche Schmerzen erleiden, möglicherweise mit Folgeschäden weiterleben müssen?
Wollten Sie das sensible Pflänzchen Vertrauen vernichten, um allseitigen Argwohn zu schüren?
Auf dass wiederum Angst um sich greift?
Was hat sich in ihren Gehirnen festgefressen, um derart hinterhältig und feige ihnen Fremde mitzureißen in den Tod?
Die Lust am Töten?
Von Menschen, die nichts weiter tun, als zu ihrer Arbeit zu fahren?
Wurden sie einer Gehirnwäsche unterzogen? Gequält und gefoltert, um unter freiwilligem Einsatz ihres Lebens andere mit auszulöschen? Wollten sie Unruhe schüren in einem Land, das zwar reich ist, die meisten Menschen jedoch arm sind?
Wer hat ihre Bomben gebaut, wer sie ihnen umgehängt?

Und was tun die Hintermänner oder -frauen? Sie verstecken sich hinter politisch-religiösen und aus dem Zusammenhang gerissenen Überlieferungen, Texten und veralteten Bildern. Sie treten entweder nie oder nur unter größtmöglichem Schutz in Erscheinung. Sie verstecken sich hinter einer so genannten Ideologie - gedeckt vom sie anbetenden Fußvolk, das ihre gewissenlosen Ergüsse und Heilsversprechen dank maroder oder gar verbotener Bildungssysteme aufsaugt wie ein Schwamm. Ohne jeden Funken von Schuldgefühl maßen sie sich an, über Leben und Tod zu beschließen, zu entscheiden, ihn einfach zu diktieren.

Wer sich diesen Irren anschließt, wer sich erlaubt, ihr gefährliches Gedankengut kennenzulernen, hat bereits verloren. Er wird zum Gejagten, sollte er wieder aussteigen wollen. Und er wird gejagt, tut er es nicht. So oder so sind er oder sie Märtyrer. Vorbilder für den nicht nachlassenden Strom der Irregeleiteten.

Und die wirklichen Opfer dieser Gräueltaten?
Sie sind Opfer.
Nicht mehr und nicht weniger. Noch ist die Trauer groß.
Bald schon sind sie in Vergessenheit geraten.
Zu Gedenkfeiern werden die Opferzahlen wieder hervorgeholt aus den Annalen.
Und zu Jahrestagen.
Und sicherlich beim nächsten Anschlag.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Eins, zwei drei - und Sie sind sicherlich dabei!

 

 


Es kostet nicht nur viel Zeit und Geld. Auch die Aufregung ist groß, hat man einen „Wurm” eingefangen. Wie irre muss ein Mensch sein, der im kleinen miefenden Zimmerchen stundenlang auf plattgedrücktem Hintern herumlungert und Viren und Trojaner verschickt? Er kann sich ja nicht mal an den Gesichtern derjenigen erfreuen, denen er still und unheimlich seine Widerlichkeiten zusendet.

Er phantasiert sich in seinem kranken Hirn etwas zusammen, geht - sollte er mal einen Fuß vor die Tür setzen - stolz durch die Straßen … aber niemand wird sein Tun bewundern. Außer vielleicht ein kleiner Kreis Eingeweihter, denen nicht nur ein Rad im Getriebe fehlt.

Innerlich jubelnd, es wieder mal geschafft zu haben, Spam-Mails in alle Herren Länder zu verteilen, dürfen sie es ja niemandem verraten.  Ihre abartige Kunst ist eine heimliche, doch eine von jedem Normalsterblichen verdammte.

Anstatt einer geregelten Arbeit nachzugehen, brüten sie dreckige Ideen aus, um uns größtmöglichen Schaden zuzufügen! Noch schlimmer, sollten diese Verbrecher ehrlicher Arbeit nachgehen und ihre Freizeit damit verbringen, sich bösartige Programme auszudenken.

Jeder, der schon einmal Bekanntschaft mit derart ekeligem und schädlichem Gewürm gemacht hat, wünscht die unbekannten Wahnsinnigen zum Teufel und vor allem in die Psychiatrie.

Unerträglich zu wissen ist, dass man nie sicher sein kann. Selbst wenn Sie regelmäßig  ein Virusprogramm durch die Innereien Ihres Computers jagen, bekommen Sie - früher oder später - eines dieser elenden Geschenke.

Auch ein unschuldiges pdf oder ein bestimmter Link, verschickt von einer vertrauten Quelle, kann bereits verseucht sein.

In den letzten Jahren sind vor allem schrille und obszöne Sex-Angebote in Erscheinung getreten. Glauben Sie wirklich, dass die alle „sauber” sind? Selbst wenn Sie diese ungeöffnet  in den Junkmail-Ordner werfen kann eine dabei sein, die Ihnen den Tag versaut. Im schlimmsten Fall können Sie als Verbreiter von Spam-Mails ausfindig gemacht werden, weil sich ein Krimineller Zugang über die Internet-Einwahl verschafft hat.

Man heult verzweifelt auf, ist ein Text, über dem man tagelang gebrütet hat oder die monatelange Arbeit an einem Bericht verschwunden. Und mit ihm sämtliche Korrespondenz, Gedanken, Tabellen und Pläne, die man erstellt hat. Würmer, Viren und Trojaner können das gesamte Betriebssystem infiltriert haben, und Abhilfe kann nur eine vollständige Neu-Installation schaffen.

Auch die Telekom warnt davor, unerwartete E-Mails mit Dateianhängen und/oder Links zu öffnen. Auch, wenn Ihnen der Account vertraut sein sollte, könnten von diesem - unwissentlich - bereits infizierte Mails versandt worden sein.

Lassen Sie nicht nach in Ihrer Achtsamkeit und machen Sie auch Ihre Kinder darauf aufmerksam, nicht zu sorglos zu sein. Denn die verantwortungslosen Kriminellen bombardieren uns ständig mit immer neuen und noch gefährlicheren Codes.

Der Segen des Fortschritts, überall erreichbar zu sein und - selbst neugierig auf alles und jederzeit Zugriff zu haben -, ist ein Fluch geworden.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Außenminister, lieber Herr Westerwelle!

 

 


Nach langem Abwägen von Für und Wider haben mich meine Kollegen angespitzt, Ihnen zu schreiben. Keine Sorge, meine Zeilen haben nichts mit Ihren politischen Drahtseilakten zu tun, die ich weder verurteile noch gutheiße. Es geht - wie könnte es dank permanenter Kolportagen der deutschen Leib- und Magenblätter anders sein - um Ihre Reisebegleitung.

Sowohl Ihr Lebensgefährte als auch Ihr Bruder oder unter anderem das Verwaltungsratsmitglied von Mountain Partners (frei übersetzt würde ich diese Firma mit „Bergkameraden” übersetzen, wobei ich Sie bitte, meine minimalistischen Englischkenntnisse zu entschuldigen), Herr Boersch, kamen bereits in den Genuss einer Reise ins Glück mit Ihnen, Herr Außenminister.

Sicherlich ist es auf diesen Reisen sehr lustig zugegangen, denn wer drängt sich nicht gerne um einen so erfrischenden Rhetoriker wie Sie, lieber Herr Westerwelle, der Witzperle an Witzperle reiht. (Das Wort Witzperle ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, was Sie als gebildeter Mann des Äußeren gewiss gleich erkannt haben, sondern dem unvergesslichen und jederzeit zitierbaren Karl Kraus entliehen. Obwohl - vielleicht mögen Sie den gar nicht. Denn der zielsichere Satiriker widmete Ihrer Betrachtung wahrscheinlich mehrere Abhandlungen, die Sie weniger erhellten, Ihnen eher die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte - bei seiner Wortgewalt bedeutete dies das sichere und einsame Abseits. Heutzutage mangelt es ja leider an derart geistvollen und zudem scharfzüngigen Beobachtern.)

Sie haben - soweit ich mich ungern erinnere - medienwirksam und selbstgefällig einen Satz hinausposaunt, der tsunamihohe Wellen schlug. Machen wir uns nichts vor, das tun viele Politiker ohne vorher darüber nachzudenken. Denn das, was man kleinen Menschlein wieder und wieder einbläut, nämlich erst zu denken, dann zu reden, legen Politiker seltsamerweise recht schnell ab, sofern sie eines der begehrten Ämter ergattert haben.

Sie meinten also vor einiger Zeit folgenden Satz von sich geben zu müssen: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”

Sehr geehrter, lieber Herr Westerwelle, ich meine, dieser harte Sager beinhaltet wohl  eine sehr harsche Kritik an Ihrer Reisebegleitung. Und damit an sich selbst, was Sie so vielleicht noch gar nicht bemerkt haben.

Denn wer anstrengungslos mit ein paar Tausendern wedelt - Ihren Begleitern fällt das meines Erachtens keineswegs schwer -, und mit Ihnen dank Einladung (wer erstellt denn diese überhaupt?) anstrengungslos verreisen darf, kann sich anstrengungslos im Ausland umtun, anstrengungslos Geschäftsbeziehungen knüpfen oder pflegen und sich danach - spätrömisch-dekadent - zurücklehnen. Weil er es (ohne darum kämpfen zu müssen und ohne sich die Hände schmutzig zu machen) geschafft hat, anstrengungslos ins Gespräch zu kommen, seine Bekanntheit zu steigern und sein Bankkonto weiter anzufüllen.

Je länger ich über Ihren vielzitierten Spruch nachdenke, desto mehr befällt mich jedoch der Gedanken, dass Sie von Ihrer blutsaugenden Reisebegleitung genervt sind (und sich im Endeffekt sogar öffentlich auch selbst dafür anklagen). Dass Sie diese wichtigen Leute  - eben weil spätrömisch-dekadent - eigentlich loswerden möchten. Nur, nicht jeder, der in Ihrem Fahrwasser mitreitet, hat auch Ihre Intelligenz und denkt über derartige Sprüche wirklich nach meint er doch, dass Derartiges auf andere gemünzt ist. Ich habe auch lange gebraucht, Ihre versteckte Botschaft zu verstehen.

Erlauben Sie mir einen freundlichen Rat, lieber Herr Westerwelle. Verfassen Sie doch mal ein eindeutiges Memo und schicken es an den diplomatisch-wirtschaftlichen Rattenschwanz, der sich ständig unangestrengt in Ihrer Sonne suhlen möchte. Machen Sie den smarten Gerndabeis ein für allemal klar, dass  Sie bezahlt werden, um für Ihr Land zu arbeiten und keine Zeit haben, für spätrömische Dekadenzler den Türöffner zu markieren. Basta. (Im Nachsatz könnten Sie ja noch beiläufig erwähnen, dass Spenden nach wie vor gerne entgegengenommen werden.)

So, lieber Herr Westerwelle, ich hoffe, dass das Lesen dieser Zeilen nicht zu viel Ihrer kostbaren Zeit verschlungen hat. Sollten Sie mal eine Reisebegleitung für über den Wolken in ferne Lande suchen, die keinerlei Ambitionen hat, in Ihrem Windschatten anstrengungslos die Hand aufzuhalten, kann ich Ihnen gerne einige Betroffene aus der anonymen Volksmasse vorstellen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen inneren wie äußeren Frühlingsputz.

 

 

 

 

 

Aus dem Leben einer Heftklammer

 

 


Verkupfert oder verzinkt bin ich. Ein Stück Metall, unscheinbar in Form und Aussehen. 

Früher … ach ja, früher wurden meine Verwandten von Hand hergestellt. Sie suhlten sich im Luxus ihrer kostbaren Einzigartigkeit.

Ich dagegen liege heute im wahrsten Sinne maschinell zusammengepresst  mit meinen Brüdern und Schwestern in einer kleinen dunklen Schachtel. Werde ich endlich einmal gebraucht, legt man mich ungeduldig in das ebenso dunkle und enge Behältnis eines Tackers. Und dort warte ich dann auf meinen Einsatz. Und warte. Und warte.

Ich bin ein anonymer Gebrauchsgegenstand, über den sich niemand Gedanken macht, worüber ich sehr traurig bin.  Vornehmlich in Büros stehe ich herum, manchmal auch in irgendeine Ecke einer Wohnung hingeknallt. Dort, wo mich niemand findet, sollte ich doch mal gebraucht werden.

Wenn ich Glück habe, wird der Tacker von einer zarten Frauenhand zusammengedrückt, so dass ich endlich meiner Bestimmung nachkommen kann, Papiere miteinander zu verbinden. Wobei ich es vorziehen würde, die Papiere lösbar zu umklammern. Denn dann könnte ich mich endlich geruhsam ausstrecken und, falls nötig, von Hand entfernt werden. Denn mir graut fürchterlich von dem brachialen Klammerentferner, über den man nämlich schaurige Geschichten hört.

Manchmal, so habe ich von meinen Brüdern und Schwestern erfahren, greift aber auch eine raue Männerhand nach dem Gerät und klopft so ungestüm auf den Tacker, dass nicht nur einer, sondern zwei meiner Verwandten sich durch die Papiere spießen, um sie zusammenzuhalten. Männer sollen ja ziemlich ungeduldig sein, wenn sie etwas gleich, sofort und auf der Stelle erledigt haben wollen. Dabei kann es  passieren, dass eine der Heftklammern, die so selten das Tageslicht erblicken, im Tacker hängen bleibt, wütend mit einem spitzen Gegenstand entfernt und anschließend in den Papierkorb oder den Aschenbecher entsorgt wird. Was für ein schnödes Ende für unsereiner!

Ich stelle mir gerne vor, einmal Papiere zusammenzuhalten, die Menschen glücklich machen. Das würde mich mit Freude erfüllen, weil es mir das Gefühl von Einzigartigkeit gäbe. Solche wunderbare Papiere umklammernd zu verteidigen, ist meine Lebensaufgabe, die ich gerne leiste. Auch wenn ich mit diesen Papieren in die Dunkelheit eines Ordners abgelegt würde, kämpfte ich um sie.

Schaut mich doch endlich einmal richtig an! Ich diene euch, solange ihr mich nicht entsorgt. Mindestens zehn Jahre lang wenn nicht sogar länger halte ich eure wichtigen Dokumente zusammen. Auch wenn das Papier schon leicht vergilbt ist und ich matt bin von meiner jahrelangen Arbeit - meine Unterstützung ist euch sicher.
Das wollte ich einmal loswerden. Danke für eure Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

 

Führe uns nicht in Versuchung!

 

 


Während sich nun alle Knut-Fans die Haare raufen ob der möglicherweise drohenden Kastration des herzigen und knuffigen lebenden Berliner Wahrzeichens (offensichtlich ist bei der Ahnenforschung herausgefunden worden, dass seine geliebte Giovanna und er einen gemeinsamen Großvater haben, was eine Erhaltungszucht ad absurdum führen dürfte), hat Mutter Kirche ganz andere Sorgen.

Ihr rennen nämlich die Gläubigen weg was kein Wunder ist, denkt man an den eher zurückhaltenden Aufklärungswillen der jahrelang unter Verschluss gehaltenen Missbrauchsfälle.

Wo eigentlich rasches Handeln und ein offener Umgang gefordert ist, wird erst Betroffenheit gezeigt, später dann Empörung. Anschließend werden Konferenzen abgehalten, und dann?

Während Naomi Campbells neuester Wutausbruch die Welt bewegt, werden Leitlinien „überprüft” und „mögliche” Änderungen (hoffentlich schnell) besprochen. Für die betroffenen Opfer der Missbrauchsfälle, die sich nach jahrelangem Schweigen endlich getraut haben, ihre seelische Qual öffentlich zu machen, wird das nicht unbedingt hilfreich sein. Genauso wenig wie eine salbungsvoll vorgebrachte Entschuldigung.

Andererseits kann seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nicht einfach tobend seinen Unmut kundtun. Er muss, der Würde seines Amtes entsprechend, seine Bestürzung in wohlfeile Worte verpacken. „Raus aus dem Tempel, ihr verdammten Nestbeschmutzer und ab in die Engelsburg mit euch!”, würde wohl vielen besser gefallen.

Während Loddar wieder medienwirksam mit seiner Liliana herumhängt, beschäftigt sich der Gläubige mit der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche. Denn einerseits werden des Missbrauchs Verdächtigte oder Überführte - beschützt vom weitreichenden Mantel der Heiligen Mutter Kirche - von Kloster zu Pfarre zu Diözese weitergereicht, und - welch Irrsinn - wieder auf Schutzbefohlene losgelassen. Andererseits wird Geistlichen verboten ihr Amt auszuüben, weil sie sich erdreisten, eine Frau zu lieben, eine Ehe zu schließen, Kinder zu zeugen.

Während ein Herr Sarrazin sich für die Gesundheit von Hartz IV-lern stark macht und ihnen das Kaltduschen empfiehlt, bleibt uns unerklärlich, dass das Milliardenunternehmen Katholische Kirche in all den Jahren nicht den Mut aufbrachte, sich derartigen Skandalen zu stellen und die Pädophilen-Problematik sogar heute noch nur hinter fest verschlossener Tür diskutiert.

Jedenfalls ist es an der Zeit, dass die Kirche das, was sie den Gläubigen predigt, für sich selbst entdeckt:
Besinnung und Einkehr,
den Blick auf das Wesentliche und ehrliche Ordnung in den eigenen Reihen. 

Es sind Einzelne, die die Kirche immer wieder in Verruf bringen und die gilt es, herauszufiltern. Man darf - Gott bewahre - nicht alle Geistlichen, die sich rührend der Kinder- und Jugendseelsorge widmen, in einen Topf mit den Fehlgeleiteten stecken.

Erlöse uns von diesem Übel! Amen.

 

 

 

 

 

Der Mensch ist ein Kunstwerk

 

 


… und manch einer ein geistiges Nackerbatzl!
Wie konnte es sonst geschehen, dass in der Wiener Secession ein Swingerclub als Kunstausstellung Einzug hielt?

Nun gut, man könnte zugunsten der „Künstler” einwenden, dass um 1897, als  unter Klimt, Moser, Olbrich und anderen der Jugendstil seine Hochzeit feierte, sich jedermann damals der Leidenschaft - in jeder Hinsicht - hingab. Das ist aber auch schon alles, was einem dazu einfallen könnte.

Während man also tagsüber durch die ehrwürdigen Kunsthallen wandelt, darf Mann sich abends für 36 Euro, Frau für die Hälfte, wolllüstig in kuscheligen Separées den Elementen der Nacht hingeben und verborgene Gelüste ausleben.

Das entsprechende SM-Spielzeug - für Interessierte ab 18 Jahren - ist ausreichend vorhanden und Gynäkologenstühle und Fesselgestelle laden zum „Ausprobieren” ein.

Initiiert wurde diese absolute Traurigkeit von dem Schweizer Künstler Christoph Büchel und der Wiener Secession.

Dass dafür sogar österreichische Sponsorengelder von 90.000 Euro flossen, bedarf keiner weiteren Kommentierung mehr.

Es ist klar, dass es sich um die Provokation eines Künstlers handeln soll. Meiner bescheidenen Meinung nach hat jedoch ein Swingerclub mit Auslebecharakter in einer derartigen Kunsteinrichtung nichts zu suchen.

Einige schwarze Politiker fühlen sich getäuscht, weil im Antrag der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession von einer „Ausstellung und Rahmenprogramm in Form von musikalischen Darbietungen mit Publikumstanz” die Rede war, nicht von einem Allerwelten-Gruppensex-Happening, wie es jetzt der Fall ist.
Die Freiheitlichen stellten einen Fragenkatalog an den roten Kulturstadtrat zusammen, dessen Partei darauf herumreitet, dass die Freiheitlichen „gegen die Kunst” eingestellt sind. Die Grünen wiederum lehnen sich gemütlich zurück, freuen sich über den matten Schlagabtausch der anderen Parteien und meinen lapidar, die Diskussionen darüber seien lächerlich.

Einen Swingerclub als Kunstwerk zu verkaufen, hat schon was. Das kann auch nur in Wien passieren.

Das vielgerühmte und moserisch-grantelnde Wiener Blut ist nicht mehr süß, es ist dickflüssig-dekadent geworden. Es riecht nach Fäulnis in einer Zeit, in der die Menschen durch meterhohe Sorgen waten.

Unter Umständen ist es gerade das, was die Menschen zu Sauferei und Hurerei veranlasst.

Möglicherweise hat Christoph Büchel den Swingerclub als eine Ausdrucksform zur Ohnmacht Leben erkannt - vielleicht wird diese Art der zeitgenössischen Kunst unter diesem Gesichtspunkt verständlich.

Was wird wohl als nächstes in der Secession zu sehen sein?

Morbide, wie das derzeit swingende Wien zu allen Zeiten war und ist, würde jetzt wohl eine Anleitung zum perfekten Selbstmord in 666 „lebenden” Bildern das Passende sein.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Katzenliebe

 

 


Vor einigen Tagen telefonierte ich mit meiner heulenden Tochter. Vor meinem geistigen Auge spielten sich Horrorszenarien ab, die meine beiden Lieblingsenkel zum Thema hatten wie Finger im Ausguß, weggelaufen, aus dem ebenerdigen Fenster gesprungen, nackt herumgelaufen, Kekse in den Schlitz des DVD-Players gesteckt, Platzwunde, Bücherregale ausgeräumt, Nase gebohrt, Zähne ausgeschlagen, Katzenfutter versteckt, Cut in der Augenbraue, fiebrige Erkältung, Essen ausgespuckt, Tobsuchtsanfall, weil das Lieblingsshirt in der Schmutzwäsche liegt, Schokolade geklaut, Finger auf heißer Herdplatte, Beine mit Kuli angemalt, Getränk umgestoßen, böse Schimpfworte gelernt, Schlüsselbeinbruch, Handschuhe verloren, Prügelei im Kindergarten, Schreikonzert, weil ein Puzzleteil fehlt, ganze Packung Gummibärchen verdrückt und Bauchweh und mehr.

Glücklicherweise war dem nicht so. Meine Tochter heulte, weil ein Kater, der sich früher mit schöner Regelmäßigkeit bei ihr durchfutterte, nach einigen Monaten Abwesenheit wieder bei ihr aufgetaucht war.

Ich könne mir nicht vorstellen, sagte sie unter Tränen, wie Clarence ausgesehen hätte. Ausgemergelt, mit struppigem Fell hätte er leise vor dem Fenster miaut. In der Wohnung wäre er dann ängstlich herumgelaufen. Sie hatte ihm schnell einen Fressnapf gefüllt, auf den er sich sofort stürzte, und ein Schüsselchen mit Wasser hingestellt. Hektisch hat sich Clarence immer wieder umgesehen, ob nicht vielleicht von irgendwoher Gefahr drohte und sich dann unter die Essbank verkrochen.

Es hat einige Zeit gebraucht, bis er wieder ein klein wenig zutraulich wurde.

Meine Tochter fragte sich natürlich, was dem Kerl während der Zeit seiner Abwesenheit zugestoßen war.  Er sei Epileptiker - sie war damals mit ihm beim Tierarzt -, der viel Zuwendung braucht, meinte sie. Vielleicht wurde er wegen seiner Krankheit ausgesetzt wie so viele Tiere, die nicht mehr putzig-jung sind und irgendwann Arbeit machen? Nachdem sie sich einige Zeit mit ihm beschäftigt hatte, verließ Clarence sie wieder, erzählte sie traurig.

Ich kann meine Tochter verstehen. Von klein auf an einen respektvollen Umgang mit Katzen gewöhnt, pflegt und hegt sie alle Samtpfoten, die bei ihr auftauchen.

Sie selbst hat zwei Stubentiger. Goliath ist ihr vor fünf Jahren zugelaufen, und Katie, bereits damals eine alte Dame, übernahm sie nach einem Todesfall. Da sie nie sterilisiert wurde, bekommt die gute noch ab und an Frühlingsgefühle. Die verarbeitet sie dergestalt, dass sie nachts an der Schlafzimmertür kratzt, auf das erbärmlichste maunzt und dann bespielt werden will. Um drei oder vier Uhr früh hätte ich nicht den Nerv dazu, im Gegensatz zu meinem Kind. Katie bringt Stoffmäuschen, Tochter wirft. Nach rund einer halben Stunde ist die alte Dame endlich müde und Tochterherz darf wieder ins Bett.

Goliath ist ein Freigänger, der sich manchmal bei meiner Tochter mit kannibalischen Geschenken bedankt, was nicht gerade appetitlich ist. Das gehört nun mal dazu, meint meine Tochter nur.

Eines Tages tauchte bei ihr ein kleiner schwarzer Kater auf, der sich sehr schnell heimisch fühlte. Und blieb. Sein Bezugspunkt war mein Enkel - die beiden wurden ein Herz und eine Seele. Leider war der Kater unheilbar krank, so dass er eingeschläfert werden musste. Dieses Erlebnis war so dramatisch, dass mein Enkel sogar noch heute von seinem kranken Flumi spricht. Er vermisst ihn, trotz der anderen vierbeinigen Besucher.

Meine Tochter ist sehr traurig über Clarences Zustand. Sie hofft, dass er Menschen findet die ihm helfen, wenn er vor ihrer Türe sitzt und nicht weiter weiß.

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

 

Kehrseite einer Faschingsmedaille

 

 


Die 21-jährige Maxi befindet sich in einer Ausbildung zur Sozialpädagogin. Sie wohnt bei ihrer alleinstehenden Mutter, die sich jedoch das Vergnügen einer lockeren Beziehung zu einem verheirateten Mann leistet. Da die junge Frau sich der Mutter, die sie mit allen möglichen Geschenken und Klamotten immer wieder gängelte, unterordnete, kam Maxi auch einigermaßen gut mit ihr aus.  Doch seit einiger Zeit hat Maxi einen Freund. Der ist zwölf Jahre älter und der Mutter ein Dorn im Auge.

Dass sich Maxi nun täglich anhören muss, nur die Mutter wüsste, was gut für sie ist, was sie unter Entbehrungen alles für sie geleistet hat, und dass der Freund viel zu alt ist, sich zwischen Mutter und Tochter drängt und vieles mehr, ist grausam. Die Tiraden gehen so weit, dass sie der Tochter vorjammert, ohne sie allein zu sein und nicht zu wissen, was sie ohne die Tochter anfangen sollte. Zudem verlangt die Frau, über alles informiert zu werden. Wenn Maxi sich nicht drei Mal am Tag telefonisch bei der Mutter meldet, ist im wahrsten Sinne der Teufel los. Um die Tragik perfekt zu machen, bestimmt die Mutter auch über das Kindergeld und speist Maxi mit fünf Euro ab, wenn diese mal ausgehen möchte.

Die junge Frau weiß insgeheim, dass sie sich zur Wehr setzen und von der Mutter lösen müsste, doch sie ist dazu nicht in der Lage. Sie getraut sich nicht, Stopp zu sagen.

Maxi ist hin- und hergerissen. Einerseits will sie die Mutter nicht „alleine” lassen und schon gar nicht verletzen, andererseits ihren Freund nicht verlieren.

Die mütterlichen Vergiftungen tun weh. So sehr, dass Maxi nicht mehr schlafen kann. Ihre vormals guten Noten sind - salopp gesagt - im Keller. Ratschläge Dritter saugt sie auf, ist jedoch nicht in der Lage, sie auch in Taten umzusetzen.

Mittlerweile wiegt Maxi bei einer Körpergröße von 1,78 cm gerade mal 45 kg. Als sie unlängst bei einer Freundin auftauchte, war diese entsetzt über Maxis Zustand. Weil ihr schwindelig war und sie kaum noch stehen oder gehen konnte, packte die Freundin Maxi kurzerhand ins Auto und fuhr mit ihr zum Arzt.

Nach einem längeren Frage- und Antwortspiel nebst Untersuchung konstatierte dieser bei der jungen Frau ein Burn-out-Syndrom und verwies sie sofort an einen Therapeuten.

Maxis Mutter kann diese Diagnose überhaupt nicht verstehen. Als die Freundin bei ihr anrief weigerte sie sich, den bedrohlichen Zustand ihrer Tochter zur Kenntnis zu nehmen. Es wäre doch alles in Ordnung.

„Siehst du nicht, dass es Maxi nicht gut geht? Sie hat zehn Kilo abgenommen, ihre Noten werden immer schlechter. Die Belastungen sind viel zu groß, weil du ihr dauernd vorjammerst, was du alles für das Kind getan hast. Du verlangst zu viel von ihr. Lass Maxi doch endlich ihr eigenes Leben leben. Mit 21 ist sie alt genug dafür. Willst du, dass sie zusammenbricht? Sie muss unbedingt zu einem Therapeuten.”

„Was soll das? Wovon soll Maxi denn ein Burn-out-Syndrom haben? Es geht ihr doch gut. Sie hat schon 500 Gramm zugenommen. Und heute Abend ist wieder eine Faschingssitzung, da tanzt sie in der Garde mit …”

„Verstehst du nicht, dass Maxi krank ist? Sie braucht dringend Hilfe und Unterstützung!”

„Ja aber nicht jetzt. Erst wenn der Fasching vorbei ist.”

Zur Erklärung: Maxis Mutter ist, was den Fasching betrifft, regelrecht besessen. Maxi tanzt seit ihrer Kindheit in einem Faschingsverein. Was ihr früher noch Spaß gemacht hat, ist heute ein eher ungeliebtes Pflichtprogramm, das sie für ihre Mutter absolviert. Im letzten Jahr wurde sie von der Mutter sogar zu den Auftritten gezwungen, obwohl sie keine rechte Lust dazu hatte.

Die Mutter sonnt sich im Glanz ihrer Tochter, die mit ihren Tanzdarbietungen zum Gelingen der diversen Feiern beiträgt.

Selbst ihre drei und fünf Jahre alten Enkel will diese Frau zu den Faschingssitzungen schleifen. Glücklicherweise hält deren Mutter nichts von dieser Art der Überforderung und weist die Obsessive in die Schranken.

Ich denke, nicht nur Maxi braucht dringend eine Therapie.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ein Freund, ein guter Freund …

 

 


Zwei Freunde unterhalten sich darüber, dass der Fernseher des einen nicht richtig funktioniert. Sie rätseln hin und her, probieren hier, schalten da und schließlich kommen sie auf die Idee, dass möglicherweise etwas mit der Satellitenschüssel nicht richtig funktioniert. Sie sprechen darüber, aufs Dach zu steigen und dort mal nach dem Rechten zu sehen.

Plötzlich, unvermutet und völlig aus heiterem Himmel findet Michael seinen Freund Peter schwer verletzt vor seinem Haus am Boden liegend vor. Entsetzt informiert er die Rettung.

Peter liegt einige Zeit im Koma, ist jetzt halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl und braucht für jeden Handgriff seine Lebensgefährtin; selbst wenn er die Toilette aufsuchen will, ist er auf Hilfe angewiesen.

Michael geht es gut. Er hat sich dergestalt aus der Verantwortung gezogen, dass er angibt nicht zu wissen, was Peter auf seinem Dach gesucht haben könnte. Vielleicht nach der Sat-Anlage zu sehen? Das kann er sich nicht vorstellen. Wieso denn auch? Ist doch alles in Ordnung.

Peter hat sich also still und heimlich die Leiter seines Freundes Michael genommen, ist - natürlich ohne Michael zu verständigen - auf dessen Dach gestiegen und hat, wiederum ohne Michaels Wissen, versucht, dessen Sat-Anlage zu reparieren. Dass Peter dabei vom Dach gerutscht ist, kann Michael nicht angelastet werden. Denn Michael weiß von nichts.

Michaels Gewissen ist rein wie mit Persil gewaschen. Weder er noch sonst irgendein Nachbar hat etwas gesehen oder gehört. Es ist allein Peters Schuld, so eine Arbeit - in seiner Freizeit - in aller Heimlichkeit ausgeführt zu haben. Jetzt Michael zu beschuldigen, wäre eine bodenlose Frechheit!

Wie bitte? Diese Geschichte hat doch mehr als einen Haken. Ich kümmere mich doch nicht heimlich um eine Anlage auf dem Dach meines Freundes, ohne mit ihm darüber zu reden. Außerdem würde ich doch auch sofort wissen wollen, ob das Fernsehbild nun in Ordnung ist oder nicht. Mir kann doch keiner erzählen, dass eine dörfliche Gemeinschaft nichts davon weiß, wenn einer der Nachbarn auf das Dach eines anderen steigt. Gerade in einem Dorf, wo alles genauestens beobachtet, „breit getreten” und betratscht wird.

Peter kann froh sein, dass sein „Freund” wenigstens noch die Rettung informierte. Das war wohl der letzte so genannte Freundschaftsdienst, den er Peter erwiesen hat. Denn nach Peters „selbst verschuldetem” Unfall ist es aus zwischen den beiden.

Dank Peters Amnesie spielt Michael Pilatus - er wäscht seine Hände in Unschuld. Er braucht sich um nichts zu kümmern. Was er auch ausgiebig tut.

Und die Nachbarn? Die wollen es sich mit dem guten Michael nicht verscherzen. Sollte einer vielleicht doch rein zufällig etwas gesehen haben, müsste Michael möglicherweise für seinen früheren Freund Zahlungen leisten. Das will dem armen Michael niemand zumuten. Noch dazu, wo man in dem kleinen Dorf in enger Nachbarschaft miteinander auskommen muss.

Während also Michael aus dem Schneider ist, sitzt Peter im Rollstuhl. Na und, während der Freizeit passieren die schlimmsten Unfälle. Das kann doch jedem passieren. Geht ganz schnell.

Ich hoffe, Michael fühlt sich wohl in seiner Haut. Und ich hoffe für Peter, dass er trotz des erlittenen Leides und der bitteren Enttäuschung Freude in seinem Leben findet.

Den sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache.
Quintus Ennius
(129 - 169 v. Chr)

Eine vollkommene Freundschaft gibt es nur zwischen guten und an Rechtschaffenheit gleichstehenden Menschen.
Aristoteles
(384 - 322 v. Chr)
 

Ein gewesener Freund ist schlimmer als ein Feind.
Sprichwort