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Stadtzeitung für Frankfurt


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Gedanken, Geschichten, Kommentare von Elvira M. Gordon-Pusch

 

Das Böse ist immer und überall!

 

 


Was von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung scherzhaft in einen Hit eingebaut wurde, ist schlichtweg traurige Wahrheit. Denn nach den neuesten Vorkommnissen - diesmal in einem Feriencamp - muss man sich die Frage stellen, wem man noch trauen, wem man seine Kinder anvertrauen darf.

An Orten, wo man es nie für möglich gehalten hätte, wurden und werden aus offenen, interessierten und neugierigen Kindern in sich gekehrte Missbrauchsopfer, die sich jahrelang oder überhaupt nicht mehr vom Schock der Übergriffe erholen. 

Nach den fürchterlichen Berichten der letzten Tage erinnere ich mich an meine Jungscharzeit. Jedes Jahr fuhren wir für 14 Tage in eine Jugendherberge in eines der Bundesländer, unternahmen Wanderungen, gingen schwimmen, besuchten Museen und Ausstellungen, es gab sportliche Veranstaltungen, Rätsel- und Spiele-abende, wir probten Sketche für die Abschlussveranstaltung und mehr. Unsere Erzieher kontrollierten abends immer wieder die Schlafsäle und hätten sofort eingegriffen, wäre etwas zu hören gewesen. Aber wir waren sowieso ausgepowert, so dass wir recht schnell einschliefen. Nur einmal gab es einen Vorfall, als nämlich einige Jungs beschlossen hatten, den Mädchen nachts einen Besuch abzustatten. Natürlich wurden sie erwischt. Der Rädelsführer wurde am nächsten Tag in den Zug Richtung Heimat gesetzt, die Mitläufer bekamen Strafen aufgebrummt.

Deshalb kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Staatsanwalt meint, „die Kinder hätten geschrien und versucht, über die Feuerleiter zu flüchten”, doch niemand hätte etwas gehört. Wo waren die so genannten Betreuer zu der Zeit, als ihre Schützlinge mit dem Bösen konfrontiert wurden?

Der Vorsitzende des Stadtsportbundes äußert sich erschüttert und schockiert -  und nimmt die Betreuer in Schutz. „Beschwerden über sexuelle Übergriffe habe es nicht gegeben”, steht zu lesen.

Hat ein Erwachsener schon die allergrößten Schwierigkeiten, sich zu einem Missbrauch oder einer Vergewaltigung zu äußern, wie sieht das erst bei einem 12- oder 14-Jährigen aus? Glauben die Verantwortlichen tatsächlich, dass ein gerade durch die Anfänge der Pubertät gebeuteltes Kind sich hinstellt und sagt: „Der X hat mir gestern Abend eine Cola-flasche in den After gestoßen” oder „Der Y hat mir einen Besenstil in den Anus gesteckt.”

Es wird davon berichtet, dass es Hinweise gegeben hätte, dass Ältere die Jüngeren ärgern, dass sie „gefistet”  würden. Diesen Hinweisen hätte unbedingt nachgegangen werden müssen. (Es hätte sich kein Betreuer etwas vergeben nachzufragen, was „fisten” bedeutet; dieses Wort ist - glücklicherweise - bislang nur in der Sado-Maso-Szene zu finden.) Wie anders sollten geschockte Kinder in ihrer natürlichen Scham solche Vorkommnisse schildern? Vielleicht protokollgerecht aufgearbeitet?

Es sieht so aus, als ob  - wieder einmal - etwas unter den Tisch gekehrt werden sollte und nur dem Umstand, dass wenigstens ein Junge sich seinen Eltern anvertraut hat, ist es zu verdanken, dass der Stein ins Rollen kam.

Man stelle sich vor: Kinder werden bestialisch gequält, sind in einer Notlage, schreien vor Angst und keiner der Verantwortlichen kümmert sich um die ihm Anvertrauten. Waren sie unterwegs? Feierten sie? Haben sie sich zugeprostet, wieder einen Tag mit der lästigen Kinderschar geschafft zu haben?

Wie kann man solch schlimmen Vorkommnissen an unseren Kindern begegnen?  Mit Stärkung des Selbstvertrauens durch die Eltern. Mit Kursen in Selbstverteidigung schon in jungen Jahren. Durch frühzeitige Aufklärung nicht nur über die Sexualität, auch über mögliche schleichende Auswüchse der Psyche bereits in den  Grundschulen. (Was nicht in drei Jahresstunden abgehandelt, sondern im steten Rhythmus eingeplant und von einem Experten vorgetragen werden müsste.) Durch kindgerechte Warnungen, die nicht allein in Verboten gipfeln. Durch Erklärungen und das immerwährende Angebot von Eltern, Erziehern und Lehrern, für alle Fragen offene Ansprechpartner zu sein - und diese Fragen auch ehrlich zu beantworten.

Wieviele Schläge braucht es noch, um uns und die Verantwortlichen endlich aus der trügerischen „Es-wird-schon-nichts-passieren” -Idylle wachzurütteln?

Das Böse ist immer und überall!

 

 

 

 

 

„Scham, oh Scham”

 

 


Es ist vorbei. Deutschland darf sich von den fieberhaften Diskussionen - war die blöde gelbe Karte daran schuld, dass Müller gegen Spanien pausieren musste und wir verloren haben, hätte Trochowski besser früher ausgetauscht werden sollen oder warum hatte Lahm, der sich die Hacken gegen die Spanier abrannte, doch keinen Einfluss auf das Spiel, obwohl er doch sonst ein guter Kapitän war, warum ließ Löw seine Mannschaft diesmal vorsichtiger spielen und anderes mehr - erholen.
Denn es ist Sommerpause.
Die Politiker sind im (wohlverdienten) Urlaub und kommen hoffentlich wieder gestärkt, einig und ihren Ämtern entsprechend  „mit Stil” zurück.
Also worüber könnten wir uns aufregen?

Vielleicht über den bösen Apothekenskandal, der seit April auf der Lauer liegt, Krebskranke und deren Angehörige verunsichert und jetzt - endlich - im beginnenden medialen Sommerloch die Gemüter erhitzt?

Oder die Ölpest, die vom Golf von Mexiko aus ihr Unwesen treibt und nicht nur Urlaubern die Strand- und Badelaune vergällt, sondern Menschen arbeitslos macht, die Gesundheit gefährdet und in rauen Mengen die Meeresbewohner tötet? Und das alles auf Jahre hin. Aber wen interessiert‘s, ist ja weit weg.

Na gut, dann nehmen wir doch den bayerischen Volksentscheid für einen rauchfreien Freistaat. Warum nicht gleich die Tabakindustrie des Landes verweisen? Ich denke, die Politik weiß schon, warum das nicht geschehen sollte.

Die Liste könnte man seitenlang fortsetzen.

Einen meiner momentanen Aufregerfavoriten möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Aus einem Jux geboren, haben einige Studenten unter dem Namen Uwu Lena den Yurowischn (bin gespannt wie lange es dauert, dass man Eurovision so schreibt wie man es in etwa spricht) Song Contest-Siegertitel dieses Jahres abgeändert in „Schland, oh Schland”.  An allen Ecken und Enden wurde dieses üble Machwerk als „WM-Hymne” gegröhlt und im Rhythmus des „geilen Feelings” rauf- und runtergespielt.

Was in der allgemeinen Hysterie als witziggeiler Song gefeiert wurde, ist für mich schlicht und ergreifend „a Schand”.

Wer aus Deutschland „Schland” macht, ist entweder total genial (und natürlich supergeil) - was sicherlich von den meisten Public Viewing-Besuchern blind unterschrieben wird -, publicitysüchtig oder einfach nur geistlos.

Aber vielleicht täusche ich mich auch und sollte meine Beurteilung etwas abmildern. Denn wenn das wirklich und wahrhaftig bildungswillige Studenten sind, die diesen Ballermanntext verbrochen haben, wollten sie möglicherweise nur ein Zeichen setzen und darauf aufmerksam machen, dass das Bildungsniveau stark gegen Null tendiert?

(Nach dem Spitzenspiel gegen Uruguay, dem trotzdem leider „nur” der dritte Platz der deutschen Nationalmannschaft folgte,  hätte Uwu Lena gleich einen zweiten Titel in petto haben sollen. Aber „Schad,  so Schad” wäre wohl eine viel zu große Herausforderung für die begnadeten Textdichter gewesen.)

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Sonnenuntergang auf der Mülldeponie

 

 


Irgendwann am Dienstagabend - ich schaute etwas ermüdet in der Gegend herum - lenkte ich meinen Blick in Richtung Küche. Auf der einen Schrankwand räkelten sich seltsame dunkelrote Gebilde. Mein erster Gedanke: Es ist etwas passiert und vor der Tür stehen Rettung, Feuerwehr und sonstige Autos mit blinkenden Lichtern. Ich lief in die Küche und konnte es kaum glauben. Denn durch die Fenster schienen die Strahlen eines rotglühenden Sonnenballs. Völlig gebannt war ich von diesem Schauspiel. Alle Geräusche waren plötzlich wie ausgeblendet und ich genoss dieses seltene Farbenspiel. Fast wähnte ich mich in exotischen Gegenden. So ein intensives Lichtspektakel hatte ich letztmals bei meinem Urlaub, der bereits sechs Jahre zurückliegt, erlebt.

Ein seltsamer Urlaub war das damals. Denn ich hatte mir eingebildet, einmal  Weihnachten in wärmeren Gefilden zu verbringen, fern von (selbstgemachtem) Stress und Hektik. Die ersten paar Tage haben mir sehr gut gefallen mit Sonne, Strand und haufenweise Büchern. Doch nach und nach dachte ich an doch an Daheim und die Weihnachtsvorbereitungen und musste mich damit abfinden, diesmal ohne Familie zu feiern.  Irgendwie fühlte sich diese Zeit trotz der Schönheit der Landschaft und der sagenhaften Sonnenuntergänge nicht richtig an.

Der Weihnachtsabend selbst wurde mit einem riesigen Buffet begangen, zu dem man Zutritt über eine Wiese bekam, die mit einem Rentier und einem Nikolaus auf Watte „geschmückt” war. Während die anderen Gäste feierten, saß ich zurückgezogen auf meinem Balkon und dachte nur: was für eine Fehlentscheidung.

Das alles kroch wieder in mir hoch, als ich diesen wunderschönen Sonnenuntergang beobachtete. Hier bei uns, mitten in der Stadt. Doch ein Blick verhagelte mir meine supergute Sonnenlaune.

Denken Sie sich einen langen, gepflegten Wiesenstreifen nahe am Main. Bevorzugt wird er zum Hundeauslauf genutzt. Begrenzt wird der Streifen von einigen Sträuchern, dahinter folgen Schrebergärten. Auf dem Wiesenrand zur Straße hin stehen in gewissen Abständen Abfalleimer - für den Hundekot, für Taschentücher, vielleicht eine Busfahrkarte, die nicht mehr gebraucht wird oder eine kleine Papiertüte, für die Reste eines Apfels oder eine Bananenschale.

Doch einige Schrebergärtner/innen denken, dass diese ohnehin viel zu kleinen Abfalleimer allein für ihren Müll gedacht sind. Und wenn nichts mehr in die Abfalleimer passt, schmeißen sie ihre prall gefüllten blauen und sonstigen Mülltüten zur Erbauung aller doch tatsächlich kreuz und quer auf den Rasen. Anstatt ihren Müll zuhause zu entsorgen, werfen sie ihren Unrat - natürlich im Schutz der Dunkelheit, denn feige sind diese Typen ja auch noch - unbekümmert in die Gegend. Sie sind nicht mal in der Lage, den Müll neben den Abfalleimern abzustellen.

Die „Stadt” wird’s schon wegräumen. Wofür zahlen wir denn die horrenden Gebühren? Dass die Gebühren wegen ihrer dummen Ignoranz teurer werden, geht nicht in ihre kleinen Gehirne. Und dass diese wilden Deponien auch Ungeziefer sowie Ratten, Marder & Co. anziehen, wird auch nicht bedacht.

Diese Leute sollten sich mal vorstellen wie es ist, würde in ihre gepflegten Schrebergärten still und heimlich Müll abgeladen.

Nur - gegen Dummheit und Ignoranz sind leider noch keine Kräuter gewachsen. Aber möglicherweise sorgt ja dieser sagenhafte Sonnenuntergang für Einsicht bei den Verursachern der wilden Mülldeponien.

 

 

 

 

 

Es ist so unfair!

 

 


Vor vielen Jahren wurde ich von einem Markinstitut angerufen. Ob ich mitmachen wolle bei einer Befragung. Ich solle  um eine bestimmte Uhrzeit eine Werbesendung im Fernsehen verfolgen; am nächsten Tag würde ich angerufen und mit der Interviewerin einen Fragenkatalog abarbeiten. Ich war einverstanden, sah mir die Sendung mit den verschiedenen Werbungen an und harrte des Telefonanrufs.

Ich war schlecht, ganz schlecht. Ich wusste nichts mehr, obwohl ich mich am Vorabend sehr konzentriert hatte. Immer wieder musste die Dame am Telefon nachhaken; die vielen Angebote, die während der Sendung auf mich eingeprasselt waren, hatten mich total überfordert. Bis sie mich fragte, ob in der Werbesendung auch das Waschmittel XY vorgekommen sei. O ja, diese Werbung war mir in sehr guter Erinnerung geblieben.

Es handelte sich um ein bekanntes Waschmittel, das von einem Mann beworben wurde. Der Spot war wohl im Ausland aufgenommen worden, weil die Synchronisation nicht passgenau war. Schon allein das regte mich auf, was ich der Dame am Telefon auch sagte.

„Wenn wir schon ein heimisches Mittel bewerben, dann sollten die Darsteller und die Sprecher ebenfalls aus heimischen Landen kommen. So könnte langwierige und teure Synchronarbeit vermieden werden und das Geld für die Aufnahmen würde außerdem im Land bleiben.“

Ich hatte (und habe) offensichtlich keine Ahnung von den Überlegungen in den obersten Waschmittel- und sonstigen Etagen, denn die Interviewerin ging mit einem kurzen Gehüstel über meine viel zu aufmerksame Beobachtung hinweg.

„Und was ist Ihnen noch aufgefallen an diesem Spot?“

„Es hat mich sehr irritiert, dass ein Mann dazu auserkoren wurde, die Vorzüge eines Waschmittels anzupreisen und Frau vor dem Bildschirm zu suggerieren, es unbedingt zu kaufen,“ sagte ich.

„Aha“, sagte die Dame, notierte etwas und fragte mich, weshalb es mich gestört hätte.

„Ganz einfach“, meinte ich.  „Wer hat die meiste Zeit mit dem Haushalt und somit auch der Wäsche zu tun? Sicherlich nicht der Mann, der sie meist nur fallen lässt. Die Frauen sind es, die für saubere Wäsche sorgen. Warum wurde keine Frau, die so etwas sicherlich authentischer vermitteln kann, als Sprecherin ausgewählt? Mir kommt es so vor, als ob noch immer die Meinung vorherrscht, dass Frauchen sich bescheiden soll mit den Errungenschaften von Waschmaschine, Elektroherd und Teflonpfannen und sich beschäftigen mit  Kindererziehung bei halbtägiger Sekretariatstätigkeit. Alles weitere, vor allem das Denken, fällt in den Zuständigkeitsbereich des Mannes!

Ich weiß nicht mehr, was ich der nun etwas sprachlosen Dame noch erzählt habe. An ihrer Reaktion konnte ich jedoch merken, dass ich für dieses Interview nicht unbedingt geeignet war. Immerhin hatte ich meinem Unmut Luft gemacht.

Das war vor rund 25 Jahren. Was hat sich geändert? Noch immer beherrscht der Mann die Szene, obwohl er nicht mehr Alleinunterhalter ist.

Wenn Sie mal genau beobachten, setzt die Werbung nach wie vor darauf, dass sein markiges Einschleimen bei Frauen Wunder wirkt und sie mehr verleitet, recht viel von diesem und jenem in den Einkaufskorb zu werfen.

Nach wie vor wird der Frau Intelligenz zu Themen wie Technik, Wirtschaft, Fassadendämmung, KFZ, Elektronik, Software, Telekommunikation und so weiter abgesprochen. Die miserable „Frauenquote“ - wer hat diesen Ausdruck erfunden? - in den diversen von eingeschworenen Männerclans geleiteten Firmen zeigt es anschaulich. Von etwaiger Gleichberechtigung beim Verdienst ganz zu schweigen. (Von unserem schmalen Gehalt dürfen wir auch noch höhere Versicherungssummen berappen weil wir uns auch noch erdreisten, älter zu werden als die so genannten Herren der Schöpfung. Aber das nur nebenbei.)

Frau als schmückendes Beiwerk, tief dekolletiert, langbeinig und mit laszivem Augenaufschlag - das ist akzeptabel und in gewissen Kreisen sogar ein Muss.  Frau mit Hirn - na ja, vereinzelt mag es durchgehen. Aber nur nicht übertreiben bitte.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Nur keine Gefühle zeigen!

 

 


Adelige Häupter haben es schwer. Sie sind permanent dem Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt. Jedes Hüsteln, jeder Blick, eine Handbewegung, die Wahl des Kleides oder des Anzuges  werden gnadenlos kommentiert und tagelang von der Presse breitgetreten. Man nehme nur die Frisur der stets gut behüteten Dauermonarchin Elisabeth II. Sie zu ändern hätte bedeutet, sämtliche geprägten Münzen, Bilder etc. austauschen zu müssen. Vermutlich aus Sparsamkeitsgründen beließ es also die Königin bei ihrer immer gleichen Frisur, doch wird diese sicherlich wie auch ihre farbenprächtige Garderobe immer wieder einen interessanten Gesprächsstoff bilden.

Ein weiteres Beispiel: Claus vom Amberg, der als Prinzgemahl („der traurige Prinz”) von Königin Beatrix in die Geschichte einging. Der Diplomat wurde deshalb so bezeichnet, weil er hauptsächlich nur repräsentative Aufgaben im Schatten seiner Frau zu erledigen hatte. Seine Krankheiten und Depressionen waren fast Dauerthema der Boulevardpresse und wurden ständig wiedergekäut, was weder für die niederländische Krone noch für die treuen Untertanen angenehm war.

Nächstes Beispiel: Prinzessin Di, die Königin der Herzen. Die königliche Regie sah vor, dem Volk ein stilles, repräsentatives Heimchen vorzuführen. Doch es kam anders als gewünscht und die Royals waren absolut nicht amused darüber. Zudem kommt, dass ihr Sohn William nicht sicher ist, ob er seine Kate ehelichen soll und ferner, wann dessen Bruder Harry endlich lernt, sich entsprechend zu benehmen.

Das Spanische Königshaus: Der Kronprinz heiratete mit Leticia eine Nachrichtensprecherin, deren Magersucht Europas Illustrierten einen ziemlichen Batzen Geld bescherte.

Das belgische Königshaus:

König Albert und eine nichteheliche Tochter. Wurde klarerweise auch ausgeschlachtet.

Last but not least das Schwedische Königshaus:

Carl Gustav XVI. ehelichte mit Silvia Sommerlath eine Bürgerliche, deren älteste Tochter Victoria Königin wird und … am vergangenen Samstag ihren Fitnesstrainer heiratete.

Da die Schweden langsam Monarchiemüde werden, ist wenigstens diesem jungen Paar zu wünschen, dass sie ein einigermaßen beobachtungs- und verfolgungsfreies Leben vor sich haben.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Weg mit dem Sonnenschirm?

 

 


Täglich wird in Deutschlands beliebtester Bildungsschrift das „In & Out” der nächsten Tage oder Wochen diktiert. Da dieses Blatt einen nicht unmaßgeblichen Einfluss auf die Bildung der Bevölkerung hat ist es unverständlich, wie es unter „Out” propagieren kann, Mega-Sonnenschirme zu verteufeln mit dem unglaublich sinnigen Zusatz: „Kaum ist die Sonne da, wird sie wieder ausgesperrt.”

Die Bedeutung der gedankenlosen Botschaft liegt auf der Hand: „Leute, wir haben so lange auf die Sonne verzichten müssen, also genießt sie in vollen Zügen und brutzelt euch schutzlos braun.”

Ich finde dieses Statement schlicht verantwortungslos. Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken ca. 140.000 Menschen in Deutschland jährlich an Hautkrebs, davon allein rund 15.000 Menschen am gefährlichen schwarzen Hautkrebs mit einer Todesrate von 2.300 Menschen pro Jahr.

Dank mehrerer Urlaube im Jahr verbringt sie der Mensch am liebsten in Sonnengegenden. Er denkt nicht daran, dass intensives Sonnenbräunen das Erbgut schädigt. Zählt man zu den Sonnenbränden etliche Solarienbesuche dazu, den Hauttyp (hellere Typen sind stärker gefährdet als dunklere), zusätzlich noch die genetische Veranlagung (von der man häufig keine Ahnung hat) und mögliche Muttermale, ist das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, groß.

Anstatt solchen Unsinn wie anfangs geschildert zu verbreiten, sollten die Bildungsbeauftragten des Blattes sich lieber ernsthaft darum kümmern, die Menschen über die Schädlichkeit von prall genossenen UV-Strahlen aufzuklären.

Dermatologen und Onkologen haben genug zu tun und die Krankenkassen sind ohnehin Oberlippe Unterkante.

Deshalb sollten Sie (und Ihre Kinder) zwischen 10 und 15 Uhr die Sonne meiden und sich lieber im Schatten aufhalten. Der Sonnenschutz sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden aufgetragen werden. Bestenfalls tragen Sie leichte luftige Kleidung und eine Kappe oder einen Sonnenhut, für Kinder und Kleinkinder ohnehin ein Muss. Und vergessen Sie nicht, den Sonnenschirm aufzuspannen! So kommen Sie sicherlich hautfreundlich und gesund durch den Sommer.

 

 

 

 

 

Der Krug geht solange zum Brunnen …

 

 


Wird ein Arbeitnehmer von Kollegen und/oder dem Chef schief angeschaut, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Werden Privatgespräche eingestellt, wenn ein bestimmter Arbeitnehmer auftritt, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Wird am Verhalten oder an Aussagen eines Arbeitnehmers Kritik geübt, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht. Wird ein Arbeitnehmer von seinen Kollegen angeblich boykottiert, fühlt er sich gemobbt und zieht vor Gericht.

Was macht jedoch ein Staatsoberhaupt, dessen Sätze permanent auf die Goldwaage gelegt und von der Journaille ausgeschlachtet und auch aus dem Zusammenhang gerissen werden? Der karikiert und dessen Aussprache, Kopfhaltung und Handbewegungen in einschlägigen Sendungen und Kabaretts nachgeäfft werden? Den die so genannten Spitzenpolitiker verbale Tritte verpassen, nur weil er sich erlaubt, Stellung zu nehmen oder überhaupt nicht zu reagieren?

Sein Amt gibt es nicht her, dass er sich beschwert und vor Gericht zieht. Er hat niemandem, dem er sich diesbezüglich anvertrauen kann. Angemessen souverän hat er über den Dingen zu stehen und dieses Verhalten zu ertragen.

Herr Köhler hat das Amt des Staatsoberhauptes Deutschlands nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt. Teilweise waren seine Äußerungen etwas unbequem, teilweise war es sehr ruhig um ihn und seine Person. Egal, wie man seine Stimme einstufen mochte, sie rief die geifernde Medien- und Politikmeute auf den Plan, die ungeniert deutete und interpretierte.

Während der Normalbürger schnell nach Recht und Gesetz schreit, kann ein Staatsoberhaupt lediglich erläuternde Erklärungen der Präsidialkanzlei nachschieben in der Hoffnung, sich nun klar, logisch, nachvollziehbar und entsprechend der Verantwortung seines Amtes ausgedrückt zu haben. Was in Herrn Köhlers Fall folgte, war respektloser Verriss und der erhobene Zeigefinger der ach so klugen und profilierungssüchtigen Warner. Leuten, denen die Tatsache, dass sie damit großen Schaden anrichten, nicht nur, weil das Ausland sehr genau beobachtet, völlig abhanden gekommen war.

Herrn Köhlers  Bemerkungen während des Afghanistanbesuchs haben SPD und Grüne zu hämischer Schelte veranlasst. Wohl auch deshalb, um die derzeit wackelnde Regierung, deren Wunschkandidat Herr Köhler war, noch mehr in Misskredit zu bringen.

Diese Schelte, von den Medien gerne und ausufernd übernommen, brachte das Fass zum Überlaufen.

Herr Köhler tat das einzig Richtige: Er verabschiedete sich aus seinem Amt.

Die Mehrheit des deutschen Volkes, in dessen Herzen Herr Köhler schnell einen Platz gefunden hatte, steht auf seiner Seite.

Herr Köhler hat jahrelange Medien- und Parteienschelte ertragen; er ließ jahrelang Kritik über sich ergehen. Ihm jetzt Dünnhäutigkeit oder Empfindlichkeit vorzuwerfen, ihm vorzuwerfen, gerade in dieser Krisenperiode (wann gibt es eine solche nicht) verantwortungslos das Handtuch zu werfen,  ist beschämende Hetze und völlig unqualifiziert.

Wer die Nachfolge dieses Amtes antritt, kann eigentlich dahingestellt bleiben.

Fakt ist: Deutschland braucht für diese Position einen Menschen. Einen herzlichen Menschen. Jemanden, der das Volk anspricht und uns im Ausland entsprechend vertritt. 

Es ist höchste Zeit, dass einige Politiker und Journalisten erst nachdenken, bevor sie den Mund aufmachen und Schädliches - für unser aller Ansehen -  von sich geben.

Herr Köhler, es war uns eine Ehre!

 

 

 

 

 

Vorsicht: Abzocke!

 

 


Kaum sagt sich der Frühling an, kriechen auch wieder die Verbrecher aus ihren Löchern. Diejenigen, die sich darauf spezialisiert haben, hauptsächlich ältere und alte Menschen verwerflich abzuzocken. Sie locken mit Gewinnen, kostenlosen Ausflugsfahrten, Stadtbesichtigung und -rundfahrt, einer „kiloweisen” Auswahl feinster und edelster Lebensmittel (insgesamt 8 Pfund) und einem speziellen Gratis-Geschenkpaket, reichhaltigem und kostenlosem Frühstück und Mittagessen, wobei drei mitgebrachte Freunde und Gäste keinen einzigen Cent dazuzahlen - es ist alles gratis! Zusätzlich wird für jede Dame und jeden Herrn ein Handy mit Notruffunktion angeboten und Paare/Ehepaare erhalten einen LCD-TV Flachbildfernseher. Gratis, versteht sich.

Das kostenlose Frühstück wird genauso schmecken, wie es sich anhört, das frugale Mittagessen sich als trockene Schuhsole mit Gemantschtem erweisen. Die „insgesamt” 8 Pfund feinster und edelster Lebensmittel verstehen sich natürlich für sämtliche Teilnehmer - also vielleicht 10 Gramm Irgendwas für jeden; für die kostenlosen Handys müssen Verträge abgeschlossen werden, und über Größe und Funktion der gratis LCD-Flachbildfernseher können nur Zentimetergroße Vermutungen angestellt werden.

Frau K. schickte mir einen Brief vom Reiseservice Hömmen aus 49618 Löningen, die oben Beschriebenes eindringlich anpreist. Das freundliche Unternehmen haust in einem billigen, kleinwinzigen Postfach mit der Nummer 11 10.

Frau K. wird nicht nur vom Tourismusverein „Würzburg” (wo ist der zu finden?)  zu einem kostenlosen Ganztagesausflug mit Bus und Schiff eingeladen, sondern auch beglückwünscht, bei der großen Sonderverlosung (ach ja?) den 2. Preis in Höhe von € 3.500 gewonnen zu haben. Es ist unverständlich, schreibt die Postfachfirma, dass Frau K. auf das erste Gewinnschreiben nicht reagiert hat, woraufhin der Außendienstmitarbeiter Herr Leihen beauftragt wurde, Frau K. persönlich  zu besuchen.  Leider wurde dieser auf dem Weg zu ihr in einen Verkehrsunfall verwickelt (tja, Heinzelmännchen in Postfachgröße haben wohl so   ihre Probleme) … Aber es sei noch nichts verloren, denn wenn sie die ausgefüllte Antwortkarte schnellstmöglich zurückgeschickt, kann sie die Auszahlung des 2. Preises garantiert am 14.6. erwarten.

Auf der Anmeldung stehen diverse Abfahrtszeiten. Los geht es um 4.45 Uhr am S-Bahnhof Eppstein, bis endlich nach 13 Haltestellen um 6.30 Uhr die Bushaltestelle Im Prüfling angefahren wird. Das heißt, wer in Eppstein einsteigt, hat sich schon mal eindreiviertel Stunden den Hintern plattgesessen. Zählt man die Fahrt zum Bauernmarkt im Irgendwo und die Rückfahrt dazu, kann es sein, dass man sich kaum mehr rühren kann vom stundenlangen Herumgehocke.

Stichwort Schifffahrt: Glauben Sie nur nicht, dass die Gewinner in Ruhe ihren Gewinn genießen  dürfen. Eine Verkaufsveranstaltung ist ihnen - falls sie nicht entnervt über Bord springen - sicher.

Also: Hände weg von solch obskuren Gewinn- oder sonstigen Mitteilungen, die damit enden, dass Sie überhöhte Preise für etwas bezahlen, das Sie anderswo 50 bis sogar 90 Prozent billiger haben könnten!

Diese Art Lockschreiben werden tausendfach verschickt und so hat auch  Prof. F.  eine „Festsetzung des nachträglichen Gewinnübergabetermins auf den 9.6.” erhalten, die er mir zusandte. Dr. Krüger & Partner Finanzdienstleistungen - ebenfalls ohne korrekte Anschrift; nur auf der Antwortkarte ist ein Postfach 18 23 in 49648 Bethen vermerkt - ist nämlich seit einiger Zeit dabei, „alle Geschädigten anzuschreiben, die Gewinnmitteilungen u.a. von der Firma Lotto Gewinn-Service (?) bekommen und den versprochenen Gewinn nicht erhalten haben”. Was für ein menschenfreundlicher Finanzdienstleister! Ein Herr Hartmann, seines Zeichens Sachbearbeiter und offensichtlich ebenfalls wie im ersten Fall kleinwüchsig teilt mit, dass bei der Abwicklung dieser Firmen für Herrn Prof. F. eine angemessene Summe von 1.000 € zuzüglich Zinsen abzüglich Geschäftsgebühr sowie Post- und Telekommunikationskosten, somit ein Restguthaben von € 946,72 zur Verfügung steht. In vollem Umfang, versteht sich. 

Die Rechnung ist so aufgemacht, wie es bei Anwalts- oder Inkassoschreiben üblich ist, nur dass die entsprechenden Paragraphen vor den Gebühren fehlen.

Aus Datenschutzgründen (!) dürfe jedoch das Konto nur eine gewisse Zeit weitergeführt und muss aufgelöst werden. Deshalb wird Prof. F. letztmalig Gelegenheit gegeben, den Betrag am 9.6. „in unserer Zweigstelle in der Nähe von Frankfurt” (wo ist das bitte?) persönlich abzuholen.  Das Ganze versteht sich als kostenloser Hol- und Bringservice und als Entschädigung dafür, dass betreffende Firmen nicht ausgezahlt haben, wurde „extra ein wunderschönes Rahmenprogramm mit kostenlosem Frühstück … und warmem Imbiss … organisiert”.

Achtung: Als fettgedrucktes Schmankerl wartet als Zusatzprämie aus den „Lagerbestandsauflösungen der betroffenen Firmen” ein nagelneuer Express-Kaffee-Automat auf Prof. F.

Also, Herr Prof. F., wenigstens jetzt müssten Sie unbedingt die Antwortkarte gezückt und sich angemeldet haben, oder?

Liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie sich nicht einwickeln. Sie werden keinen Cent bekommen, weil die Verantwortlichen nicht greifbar sind. Im Gegenteil, Sie werden mit vollmundig angepreisten, aber unwirksamen Mittelchen und Billigstimporten aus Fernost, mit wertlosen Restposten, Nippes und Ramsch von geschulten Verkäufern überhäuft und trickreich ausgenommen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Und jetzt wieder …eine kleine Mischkulanz

 

 


Die Kandidaten standen in zwei abgeschlossenen Kabinen. Wurde der eine gefragt, hatte der andere einen Kopfhörer auf und wurde mit Musik berieselt. „Quiz 21“ hieß dieses spannende Rätselraten, das von 1958 bis 1974 in Österreich äußerst populär war.

Sehen konnte ich diese Sendung jeweils nur in den Ferien, die ich bei meiner Großmutter verbrachte. Denn sie hatte bereits sehr früh einen Fernseher, vor dem sie mit Hingabe Nachrichten, Krimis, Konzerte und eben auch diese Quizsendung verfolgte.

Damals genügten die zwei Programme des Senders in schwarz-weiß; die Menschen waren zufrieden, überrascht, gespannt oder erschüttert, und diskutierten noch tagelang über das Gesehene. Gab es nichts, was sie interessierte, wurde Karten gespielt, Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht. Eine andere Zeit, eine andere Kultur.

Nun war also dieser (für mich als Kind) alte Rateonkel mit den beiden Kandidaten zugange, die teilweise sehr schwierige Fragen zu lösen hatten. Im Gegensatz zu heute gab es keine anderen Lösungsmöglichkeiten zur Auswahl; entweder wusste man die Antwort oder eben nicht.

Herr Hornegg, sein Name fällt mir gerade wieder ein, führte „eine kleine Mischkulanz“ mit den Karten der verschiedenen Wissensgebiete durch und der Kandidat durfte wählen, ob er eher eine leichtere oder die  schwierigste Frage, für die er elf Punkte sammeln konnte, beantworten wollte. Sieger war, wer als erstes 21 Punkte auf dem Konto hatte.

Klar, dass meine Großmutter und ich gespannt vor dem riesigen Kasten hockten und mitrieten. Wir bewunderten den Mut, mit dem die Kandidaten sich in ihrem kleinen Kabäuschen von der Kamera und dem Publikum im Saal begaffen ließen und dafür, dass sie dabei noch ruhig bleiben konnten. Vielleicht wurde ihnen vorher Baldrian verabreicht? Jedenfalls drückten wir unserem jeweiligen Favoriten die Daumen, und manchmal, wenn er sich zu lange Zeit ließ mit der Antwort, riefen wir: „Mach doch, schnell, sag es doch!“

Wurde eine Frage nicht beantwortet, kam keine Häme von Herrn Hornegg, so wie es heutzutage üblich und von den Sendern sogar verlangt wird, um die Einschaltquoten zu erhöhen. Diese Quizsendung hatte etwas Edles und Ernsthaftes, falls man das so bezeichnen kann. Es ging um das Wissen und nicht um die Präsentation seines lederhautgebräunten Dekolletes oder affigen Machogehabes.

Was es zu gewinnen gab, weiß ich nicht mehr. Sicher aber ist, dass nur ein Bruchteil dessen gewonnen wurde, was derzeit ausgeschüttet wird. 

Es heißt ja immer wieder, dass man nicht in der Vergangenheit leben, sondern auf das Morgen schauen soll. Doch manchmal, denke ich, würde sich die Besinnung auf Vergangenes schon sehr lohnen.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ein Protest und seine Folgen

 

 


Ich verstehe die Welt nicht mehr. Tausende Menschen machen sich auf, um in friedlichen Sitzblockaden gegen braune Aufmärsche und hirnloses Gedankengut  zu demonstrieren - und die Polizei hat nichts Besseres zu tun, als sich empört zu geben. Insbesondere Bundestagsvizepräsident Thierse steht in der Kritik; sein Verhalten  sei gemäß dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt „einfach unerträglich”.

Auch ich finde es unerträglich. Doch nicht Thierses und anderer prominenter Politiker Blockaden, sondern die Ereiferung Einzelner, die auf das Verfassungsrecht der Demonstrationsfreiheit - hier der Braunen - pochen.

Erhart Körting, seines Zeichens Berliner Innensenator, habe seinen Parteifreund Thierse sogar „freundschaftlich” darauf hingewiesen, dass es „nicht so toll” sei, wenn sich Mitglieder von Verfassungsorganen an solchen rechtswidrigen Aktionen beteiligen.

Während Wendt Thierse empfiehlt, „seinen Hut zu nehmen” (steht ihm eine derartige Äußerung überhaupt zu?) -, und Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei sich darüber empört, dass Thierse seinen Prominentenstatus ausgenutzt und blockiert hätte, damit die Medien auf ihn aufmerksam würden (ausgerechnet Thierse!), prüft die Staatsanwaltschaft - unabhängig von der Anzeige eines  Neonazis -, ob  Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und Nötigung vorlägen.

(Immerhin haben Thierse und Co. Einsatzkräfte der Polizei behindert …). 

Thierses Courage wird in den Schmutz getreten; dem Gegendemonstranten wird Nötigung und öffentlicher Rechtsbruch vorgeworfen.

Weil die Demos erlaubt waren. So stand die Polizei nun dem Dilemma gegenüber, die Aufmärsche der Braunen zu schützen. Doch was tun mit denjenigen, die friedlich sitzend die Züge der geistlosen Müll produzierenden Neonazis durch die Städte blockieren und es damit sogar schaffen, sie zum Umkehren zu bewegen? Tja, die Polizei musste irgendwie tätig werden. Ein Polizist kann ja nicht ohne weiteres zu- oder gar wegschauen, auch wenn ihm das Herz dabei lacht, dass die Braunen nichts gewonnen haben. Man hat  einen Auftrag. Also versucht man, die friedlichen Nötiger von den Kampf-erprobten zu trennen. Irgendwie ist das ja auch ein Schutz für die Gegendemonstranten, oder?

Wie man es dreht und wendet - ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass gegen diese Volksverhetzer endlich ein absolutes Verbot ausgesprochen werden MUSS!

Es geht nicht an, dass Prominente - egal welcher Couleur - und couragierte Bürger sich eine Behandlung gefallen lassen müssen, die ihr demokratisches Recht (auf Gegendemonstration) beschneidet und sie mit möglichen Prüf-, Ermittlungs-, Straf- und sonstigen Verfahren überzieht.

Betrachtet man das Ziel der Fehlgeleiteten, nämlich durch die Abschaffung der Demokratie einen autoritären/totalitären Staat zu schaffen, von ihren antisemitischen und rassistischen Haltungen ganz zu schweigen, und die Rechtfertigung und Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, ist es nur zu begreiflich, dass wir nicht nachlassen dürfen, ein striktes Verbot einzufordern.

Denn die vermehrt als Biedermänner auftretenden Rechtsextremen versuchen sich als „Stimme des Volkes”. (Glücklicherweise liegt der IQ der Bürger weit über dem der braunen Ideologen.)

Sie denken vielleicht, dass das nur eine Handvoll Irrer ist, die völlig diffuse Äußerungen von sich geben? Und was ist mit deren nach wie vor existenten Gewaltbereitschaft? Allein in 2009 gab es über 20.000 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund. Was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die dank getarnter Geburtstagsfeiern und Bands wie „Oithanasie” (!) auf dieses abstoßende Gedankengut eingeschworen und rekrutiert werden?

Wir sollten uns bei dem Menschen Thierse - unabhängig von der Frage, ob diese Aktion mit seinem Amt als Bundestagsvizepräsident vereinbar war oder nicht - und allen anderen bedanken, die sich nicht nur am 1. Mai, sondern immer wieder gegen Rechts wenden.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Der Kindergarten - die Brutstätte

 

 


„Engelgarten” hieß die Institution, die 1828 in Ungarn gegründet wurde.
12 Jahre später war auch Friedrich Wilhelm August Fröbel von der frühkindlichen Erziehung überzeugt - der Kindergarten war geboren.
Heutzutage kümmern sich Profis nach langjähriger Ausbildung um die ihnen Anvertrauten. Sie fördern die Kleinen nicht nur in Sachen Soziales Miteinander, sondern auch in der Motorik und in der Kreativität. Selbstverständlich wird dabei auch ein hohes Augenmaß auf die Förderung der Sprachentwicklung gelegt.

Und doch hat dieser Beruf noch immer nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, den er beispielsweise in Finnland oder in Japan einnimmt.

Was ist denn schon eine Erzieherin? Eigentlich nichts Besonderes. Sie spielt mit den Kindern, beaufsichtigt sie beim Essen … tut sie noch etwas? Na ja, vielleicht mal einen Streit unter den Kleinen schlichten und ein Pflaster aufkleben.

Der an sich wunderschöne Beruf einer Erzieherin bedingt Liebe zu den Schutzbefohlenen, Geduld, körperliche Fitness und ein überaus reißfestes Nervenkostüm.

Letzteres nicht nur den Kindern gegenüber, sondern vor allem auch den Eltern. Insbesondere die Mütter stehen häufig kampfeslustig mit Fragen und Beschwerden vor der Berufsgruppe, die die Entwicklung der Kinder fördern soll.

Differenzen sind an der Tagesordnung, vor allem dann, wenn Hausfrauen ihre Kinder abgeben, die sichtlich krank sind. Mütter, die Zeit hätten, ihre Kinder zu versorgen, bestehen offensichtlich auf die kinderfreien Stunden. Der Plausch mit der Freundin, das Fitness- und Nagelstudio - all das ist wichtiger als ein fieberndes Kind.

Auch karrieregeile Mütter sehen im Kindergarten eine Art Verwahranstalt, in die sie die kleinen Kranken stecken können. Lieber dorthin, als Erziehungsurlaub zu beanspruchen.

Dabei haben diese Mütter kein schlechtes Gewissen, weder ihren noch den anderen Kindern (Ansteckung) und schon gar nicht den Erzieherinnen gegenüber.

Währenddessen hockt das kranke Kind in der Kuschelecke oder im Ruheraum des Kindergartens. Es hat Schmerzen, fühlt sich nicht wohl, Ruhe hat es nur bedingt und darf seine Unwohlsein, Fieber oder gar eine „versteckte” Krankheit nicht in der heimeligen Umgebung - umsorgt von der Mutter - auskurieren. Weil seine Mutter beschlossen hat, dass es „schon nicht so schlimm” sein wird.

Mir geht es nicht um die Mütter, die alles tun, das Kind gemäß seiner Befindlichkeit zu umsorgen. Die ich anprangere sind jene, welche beispielsweise auch bei Notdiensten - Fortbildungen etc. - sofort ihre Kinder anmelden, obwohl sie Zeit genug hätten, sich um ihre kleinen Racker zu kümmern. Sie nehmen für ihre Kinder einen Platz in Anspruch, der für Kinder solcher Eltern gedacht ist, die an diesen Tagen absolut keine Möglichkeit haben, die Kleinen zu versorgen.

Dass die Erzieherinnen - unabhängig von den viel zu großen Gruppen und das für ihre Leistung wenig ansprechende Gehalt - mehr als frustriert sind, ist wohl verständlich.
Geht man davon aus, dass manche Eltern bereits mit der „Erziehung” nur eines Kindes völlig überfordert sind, sollte manch einer seine Einstellung überdenken.
Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Man könnte k…

 

 


Themen gibt es genug, die ich aufgreifen könnte.
Allen voran Afghanistan, dessen Drumherum uns einmal mehr tote Soldaten beklagten lässt.
Oder die Aschewolke des unaussprechlichen Vulkans auf Island, die die Wirtschaft, Luftfahrt, Export-Import, Messen und Veranstaltungen, Reisebüros und Reisewillige - in große Kalamitäten stürzt. (Wenn ich daran denke, dass Frau Merkel per Bus durch die Lande kurvte, während die von allen geliebte ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt selbst an ihrem Urlaubsort den Dienstwagen im Schlepptau hatte …).

Dazu das 5-Jährige unseres Papstes, der sich nicht mehr so frenetischer Umjubelung erfreuen darf wie auch andere aus seinem Tross immer mehr in die Kritik geraten.

Doch neben all den großen Problemen, die uns in unserer frühlingshaften Drangperiode umschwirren, fällt mein Blick auf einen Leitartikel der Frankfurter Rundschau. Betitelt mit „Teenager in der Todeszone” berichtet Arnd Festerling unter anderem über eine 14-jährige Niederländerin, die allein (!) die Welt umsegeln will und den 13 Jahre alten Jordan Romero, der sich als jüngster Gipfelstürmer des Mount Everest ins Guinnessbuch der Rekorde beweisen möchte.

Offenbar ist es dem zwanghaften Ehrgeiz der verantwortungslosen Eltern zu verdanken, dass der kleine Mann nun im Gerede ist.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihr Kind so lange zu trietzen, bis es endlich so weit ist, nicht nur den Gipfel, sondern auch den Abstieg dieses gefährlichen Berges bezwingen zu können? Nanga Parbat und der Tod des erfahrenen Bergsteigers Günther Messner in 1970 ist Ihnen sicherlich auch noch in Erinnerung.

Ich machte mir schon Vorwürfe, meine Tochter mit Gitarrenstunden zu drangsalieren bis ich irgendwann resigniert merken musste, aus ihr wird keine zweite Suzie Quattro. Auch die Keyboard-Alternative hat sie recht bald abgelehnt. Dabei dachte ich nicht an Illustrierte oder gar Fernsehen, sondern nur, ihr ein Hobby für später zu schaffen oder zumindest die Grundlagen dazu.

Mir geht die Galle über wenn ich daran denke, was der kleine Jordan alles über sich ergehen lassen muss. Und niemand kann mir erzählen, dass sich eine 14-jährige - wochenlang völlig allein auf sich gestellt - gerne auf den unberechenbaren Meeren und Ozeanen dieser Welt tummelt. Oder - wie Festerling schreibt - die 16-Jährige Jessica, die - gesponsert von einem Elektronikkonzern - seit Oktober von Australien um die Welt segelt.

Vielleicht ist es lächerlich zuzugeben, dass ich Ängste ausstand, als meine Tochter zum ersten Mal allein in den Kindergarten oder zur Schule ging, obwohl diese in nur fünf bzw. sieben Minuten erreichbar waren und wir tagelang geübt hatten. Niemals hätte ich ihr eine Weltumsegelung erlaubt. Weder mit 14 noch mit 16 Jahren. Und auf die Idee, selbst in Begleitung den über 8000 m hohen Mount Everest zu besteigen, wäre ich nie gekommen - schon gar nicht meine Tochter.

Vielleicht wirke ich in den Augen der Visionäre ein bisschen kleinkariert. Aber ich denke, kein „normaler” Mensch würde leichtfertig das Leben seines Kindes aufs Spiel setzen, nur um in die Schlagzeilen zu kommen und „für die spannende Geschichte” (über Leben oder Tod) noch Geld zu kassieren.

Für mich sind diese so genannten Eltern mehr als verantwortungslose Leute. Ob die Kinder nun lebend oder tot von ihren aufsehenerregenden Trips zurückkommen - die Eltern stehen in jedem Fall in der Kritik. Realisieren ihre Gehirne das überhaupt?

Ich hoffe sehr, diese und viele andere Kinder (beispielsweise die kleinen, grell geschminkten Lolitas in ihren „putzigen” kurzen Kleidchen), die der Öffentlichkeit so zum Fraß vorgeworfen werden, tragen keinen Schaden davon, werden schnell erwachsen und erkennen, was ihre Ernährer in Wirklichkeit an ihnen verbrochen haben.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ausgelöscht

 

 


Innerlich aufgewühlt nach dem grausamen Bombenanschlag in Moskau, beschäftigen mich Fragen über Fragen.
Wer stellt sich freiwillig als Selbstmordattentäter(in) zur Verfügung? Menschen die meinen, ohnehin keine Perspektiven mehr zu haben?
Religiös Irregeleitete? Politische Fanatiker, welche Versprechungen der Rädelsführer glauben, im Himmel für die - leider unvermeidbaren - Kollateralschäden belohnt zu werden?

Sind es Menschen, die sich für ein Versprechen, dass die arme, vielköpfige Familie lebenslang unterhalten wird, geopfert haben? Sind es zornige Menschen, die meinen, durch ihre Selbstmordattentate würde sich etwas bessern?
Was haben diese fehlgeleiteten, bedauernswerten Geschöpfe in ihren letzten Minuten gedacht?
Haben sie überhaupt gedacht?
Haben sie sich gefreut darüber, Familien auseinanderzureißen? Ohnmächtige Angehörige zurückzulassen? Billigend in Kauf nehmend, dass ihretwegen viele Menschen unglaubliche Schmerzen erleiden, möglicherweise mit Folgeschäden weiterleben müssen?
Wollten Sie das sensible Pflänzchen Vertrauen vernichten, um allseitigen Argwohn zu schüren?
Auf dass wiederum Angst um sich greift?
Was hat sich in ihren Gehirnen festgefressen, um derart hinterhältig und feige ihnen Fremde mitzureißen in den Tod?
Die Lust am Töten?
Von Menschen, die nichts weiter tun, als zu ihrer Arbeit zu fahren?
Wurden sie einer Gehirnwäsche unterzogen? Gequält und gefoltert, um unter freiwilligem Einsatz ihres Lebens andere mit auszulöschen? Wollten sie Unruhe schüren in einem Land, das zwar reich ist, die meisten Menschen jedoch arm sind?
Wer hat ihre Bomben gebaut, wer sie ihnen umgehängt?

Und was tun die Hintermänner oder -frauen? Sie verstecken sich hinter politisch-religiösen und aus dem Zusammenhang gerissenen Überlieferungen, Texten und veralteten Bildern. Sie treten entweder nie oder nur unter größtmöglichem Schutz in Erscheinung. Sie verstecken sich hinter einer so genannten Ideologie - gedeckt vom sie anbetenden Fußvolk, das ihre gewissenlosen Ergüsse und Heilsversprechen dank maroder oder gar verbotener Bildungssysteme aufsaugt wie ein Schwamm. Ohne jeden Funken von Schuldgefühl maßen sie sich an, über Leben und Tod zu beschließen, zu entscheiden, ihn einfach zu diktieren.

Wer sich diesen Irren anschließt, wer sich erlaubt, ihr gefährliches Gedankengut kennenzulernen, hat bereits verloren. Er wird zum Gejagten, sollte er wieder aussteigen wollen. Und er wird gejagt, tut er es nicht. So oder so sind er oder sie Märtyrer. Vorbilder für den nicht nachlassenden Strom der Irregeleiteten.

Und die wirklichen Opfer dieser Gräueltaten?
Sie sind Opfer.
Nicht mehr und nicht weniger. Noch ist die Trauer groß.
Bald schon sind sie in Vergessenheit geraten.
Zu Gedenkfeiern werden die Opferzahlen wieder hervorgeholt aus den Annalen.
Und zu Jahrestagen.
Und sicherlich beim nächsten Anschlag.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Eins, zwei drei - und Sie sind sicherlich dabei!

 

 


Es kostet nicht nur viel Zeit und Geld. Auch die Aufregung ist groß, hat man einen „Wurm” eingefangen. Wie irre muss ein Mensch sein, der im kleinen miefenden Zimmerchen stundenlang auf plattgedrücktem Hintern herumlungert und Viren und Trojaner verschickt? Er kann sich ja nicht mal an den Gesichtern derjenigen erfreuen, denen er still und unheimlich seine Widerlichkeiten zusendet.

Er phantasiert sich in seinem kranken Hirn etwas zusammen, geht - sollte er mal einen Fuß vor die Tür setzen - stolz durch die Straßen … aber niemand wird sein Tun bewundern. Außer vielleicht ein kleiner Kreis Eingeweihter, denen nicht nur ein Rad im Getriebe fehlt.

Innerlich jubelnd, es wieder mal geschafft zu haben, Spam-Mails in alle Herren Länder zu verteilen, dürfen sie es ja niemandem verraten.  Ihre abartige Kunst ist eine heimliche, doch eine von jedem Normalsterblichen verdammte.

Anstatt einer geregelten Arbeit nachzugehen, brüten sie dreckige Ideen aus, um uns größtmöglichen Schaden zuzufügen! Noch schlimmer, sollten diese Verbrecher ehrlicher Arbeit nachgehen und ihre Freizeit damit verbringen, sich bösartige Programme auszudenken.

Jeder, der schon einmal Bekanntschaft mit derart ekeligem und schädlichem Gewürm gemacht hat, wünscht die unbekannten Wahnsinnigen zum Teufel und vor allem in die Psychiatrie.

Unerträglich zu wissen ist, dass man nie sicher sein kann. Selbst wenn Sie regelmäßig  ein Virusprogramm durch die Innereien Ihres Computers jagen, bekommen Sie - früher oder später - eines dieser elenden Geschenke.

Auch ein unschuldiges pdf oder ein bestimmter Link, verschickt von einer vertrauten Quelle, kann bereits verseucht sein.

In den letzten Jahren sind vor allem schrille und obszöne Sex-Angebote in Erscheinung getreten. Glauben Sie wirklich, dass die alle „sauber” sind? Selbst wenn Sie diese ungeöffnet  in den Junkmail-Ordner werfen kann eine dabei sein, die Ihnen den Tag versaut. Im schlimmsten Fall können Sie als Verbreiter von Spam-Mails ausfindig gemacht werden, weil sich ein Krimineller Zugang über die Internet-Einwahl verschafft hat.

Man heult verzweifelt auf, ist ein Text, über dem man tagelang gebrütet hat oder die monatelange Arbeit an einem Bericht verschwunden. Und mit ihm sämtliche Korrespondenz, Gedanken, Tabellen und Pläne, die man erstellt hat. Würmer, Viren und Trojaner können das gesamte Betriebssystem infiltriert haben, und Abhilfe kann nur eine vollständige Neu-Installation schaffen.

Auch die Telekom warnt davor, unerwartete E-Mails mit Dateianhängen und/oder Links zu öffnen. Auch, wenn Ihnen der Account vertraut sein sollte, könnten von diesem - unwissentlich - bereits infizierte Mails versandt worden sein.

Lassen Sie nicht nach in Ihrer Achtsamkeit und machen Sie auch Ihre Kinder darauf aufmerksam, nicht zu sorglos zu sein. Denn die verantwortungslosen Kriminellen bombardieren uns ständig mit immer neuen und noch gefährlicheren Codes.

Der Segen des Fortschritts, überall erreichbar zu sein und - selbst neugierig auf alles und jederzeit Zugriff zu haben -, ist ein Fluch geworden.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Außenminister, lieber Herr Westerwelle!

 

 


Nach langem Abwägen von Für und Wider haben mich meine Kollegen angespitzt, Ihnen zu schreiben. Keine Sorge, meine Zeilen haben nichts mit Ihren politischen Drahtseilakten zu tun, die ich weder verurteile noch gutheiße. Es geht - wie könnte es dank permanenter Kolportagen der deutschen Leib- und Magenblätter anders sein - um Ihre Reisebegleitung.

Sowohl Ihr Lebensgefährte als auch Ihr Bruder oder unter anderem das Verwaltungsratsmitglied von Mountain Partners (frei übersetzt würde ich diese Firma mit „Bergkameraden” übersetzen, wobei ich Sie bitte, meine minimalistischen Englischkenntnisse zu entschuldigen), Herr Boersch, kamen bereits in den Genuss einer Reise ins Glück mit Ihnen, Herr Außenminister.

Sicherlich ist es auf diesen Reisen sehr lustig zugegangen, denn wer drängt sich nicht gerne um einen so erfrischenden Rhetoriker wie Sie, lieber Herr Westerwelle, der Witzperle an Witzperle reiht. (Das Wort Witzperle ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, was Sie als gebildeter Mann des Äußeren gewiss gleich erkannt haben, sondern dem unvergesslichen und jederzeit zitierbaren Karl Kraus entliehen. Obwohl - vielleicht mögen Sie den gar nicht. Denn der zielsichere Satiriker widmete Ihrer Betrachtung wahrscheinlich mehrere Abhandlungen, die Sie weniger erhellten, Ihnen eher die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte - bei seiner Wortgewalt bedeutete dies das sichere und einsame Abseits. Heutzutage mangelt es ja leider an derart geistvollen und zudem scharfzüngigen Beobachtern.)

Sie haben - soweit ich mich ungern erinnere - medienwirksam und selbstgefällig einen Satz hinausposaunt, der tsunamihohe Wellen schlug. Machen wir uns nichts vor, das tun viele Politiker ohne vorher darüber nachzudenken. Denn das, was man kleinen Menschlein wieder und wieder einbläut, nämlich erst zu denken, dann zu reden, legen Politiker seltsamerweise recht schnell ab, sofern sie eines der begehrten Ämter ergattert haben.

Sie meinten also vor einiger Zeit folgenden Satz von sich geben zu müssen: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”

Sehr geehrter, lieber Herr Westerwelle, ich meine, dieser harte Sager beinhaltet wohl  eine sehr harsche Kritik an Ihrer Reisebegleitung. Und damit an sich selbst, was Sie so vielleicht noch gar nicht bemerkt haben.

Denn wer anstrengungslos mit ein paar Tausendern wedelt - Ihren Begleitern fällt das meines Erachtens keineswegs schwer -, und mit Ihnen dank Einladung (wer erstellt denn diese überhaupt?) anstrengungslos verreisen darf, kann sich anstrengungslos im Ausland umtun, anstrengungslos Geschäftsbeziehungen knüpfen oder pflegen und sich danach - spätrömisch-dekadent - zurücklehnen. Weil er es (ohne darum kämpfen zu müssen und ohne sich die Hände schmutzig zu machen) geschafft hat, anstrengungslos ins Gespräch zu kommen, seine Bekanntheit zu steigern und sein Bankkonto weiter anzufüllen.

Je länger ich über Ihren vielzitierten Spruch nachdenke, desto mehr befällt mich jedoch der Gedanken, dass Sie von Ihrer blutsaugenden Reisebegleitung genervt sind (und sich im Endeffekt sogar öffentlich auch selbst dafür anklagen). Dass Sie diese wichtigen Leute  - eben weil spätrömisch-dekadent - eigentlich loswerden möchten. Nur, nicht jeder, der in Ihrem Fahrwasser mitreitet, hat auch Ihre Intelligenz und denkt über derartige Sprüche wirklich nach meint er doch, dass Derartiges auf andere gemünzt ist. Ich habe auch lange gebraucht, Ihre versteckte Botschaft zu verstehen.

Erlauben Sie mir einen freundlichen Rat, lieber Herr Westerwelle. Verfassen Sie doch mal ein eindeutiges Memo und schicken es an den diplomatisch-wirtschaftlichen Rattenschwanz, der sich ständig unangestrengt in Ihrer Sonne suhlen möchte. Machen Sie den smarten Gerndabeis ein für allemal klar, dass  Sie bezahlt werden, um für Ihr Land zu arbeiten und keine Zeit haben, für spätrömische Dekadenzler den Türöffner zu markieren. Basta. (Im Nachsatz könnten Sie ja noch beiläufig erwähnen, dass Spenden nach wie vor gerne entgegengenommen werden.)

So, lieber Herr Westerwelle, ich hoffe, dass das Lesen dieser Zeilen nicht zu viel Ihrer kostbaren Zeit verschlungen hat. Sollten Sie mal eine Reisebegleitung für über den Wolken in ferne Lande suchen, die keinerlei Ambitionen hat, in Ihrem Windschatten anstrengungslos die Hand aufzuhalten, kann ich Ihnen gerne einige Betroffene aus der anonymen Volksmasse vorstellen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen inneren wie äußeren Frühlingsputz.

 

 

 

 

 

Aus dem Leben einer Heftklammer

 

 


Verkupfert oder verzinkt bin ich. Ein Stück Metall, unscheinbar in Form und Aussehen. 

Früher … ach ja, früher wurden meine Verwandten von Hand hergestellt. Sie suhlten sich im Luxus ihrer kostbaren Einzigartigkeit.

Ich dagegen liege heute im wahrsten Sinne maschinell zusammengepresst  mit meinen Brüdern und Schwestern in einer kleinen dunklen Schachtel. Werde ich endlich einmal gebraucht, legt man mich ungeduldig in das ebenso dunkle und enge Behältnis eines Tackers. Und dort warte ich dann auf meinen Einsatz. Und warte. Und warte.

Ich bin ein anonymer Gebrauchsgegenstand, über den sich niemand Gedanken macht, worüber ich sehr traurig bin.  Vornehmlich in Büros stehe ich herum, manchmal auch in irgendeine Ecke einer Wohnung hingeknallt. Dort, wo mich niemand findet, sollte ich doch mal gebraucht werden.

Wenn ich Glück habe, wird der Tacker von einer zarten Frauenhand zusammengedrückt, so dass ich endlich meiner Bestimmung nachkommen kann, Papiere miteinander zu verbinden. Wobei ich es vorziehen würde, die Papiere lösbar zu umklammern. Denn dann könnte ich mich endlich geruhsam ausstrecken und, falls nötig, von Hand entfernt werden. Denn mir graut fürchterlich von dem brachialen Klammerentferner, über den man nämlich schaurige Geschichten hört.

Manchmal, so habe ich von meinen Brüdern und Schwestern erfahren, greift aber auch eine raue Männerhand nach dem Gerät und klopft so ungestüm auf den Tacker, dass nicht nur einer, sondern zwei meiner Verwandten sich durch die Papiere spießen, um sie zusammenzuhalten. Männer sollen ja ziemlich ungeduldig sein, wenn sie etwas gleich, sofort und auf der Stelle erledigt haben wollen. Dabei kann es  passieren, dass eine der Heftklammern, die so selten das Tageslicht erblicken, im Tacker hängen bleibt, wütend mit einem spitzen Gegenstand entfernt und anschließend in den Papierkorb oder den Aschenbecher entsorgt wird. Was für ein schnödes Ende für unsereiner!

Ich stelle mir gerne vor, einmal Papiere zusammenzuhalten, die Menschen glücklich machen. Das würde mich mit Freude erfüllen, weil es mir das Gefühl von Einzigartigkeit gäbe. Solche wunderbare Papiere umklammernd zu verteidigen, ist meine Lebensaufgabe, die ich gerne leiste. Auch wenn ich mit diesen Papieren in die Dunkelheit eines Ordners abgelegt würde, kämpfte ich um sie.

Schaut mich doch endlich einmal richtig an! Ich diene euch, solange ihr mich nicht entsorgt. Mindestens zehn Jahre lang wenn nicht sogar länger halte ich eure wichtigen Dokumente zusammen. Auch wenn das Papier schon leicht vergilbt ist und ich matt bin von meiner jahrelangen Arbeit - meine Unterstützung ist euch sicher.
Das wollte ich einmal loswerden. Danke für eure Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

 

Führe uns nicht in Versuchung!

 

 


Während sich nun alle Knut-Fans die Haare raufen ob der möglicherweise drohenden Kastration des herzigen und knuffigen lebenden Berliner Wahrzeichens (offensichtlich ist bei der Ahnenforschung herausgefunden worden, dass seine geliebte Giovanna und er einen gemeinsamen Großvater haben, was eine Erhaltungszucht ad absurdum führen dürfte), hat Mutter Kirche ganz andere Sorgen.

Ihr rennen nämlich die Gläubigen weg was kein Wunder ist, denkt man an den eher zurückhaltenden Aufklärungswillen der jahrelang unter Verschluss gehaltenen Missbrauchsfälle.

Wo eigentlich rasches Handeln und ein offener Umgang gefordert ist, wird erst Betroffenheit gezeigt, später dann Empörung. Anschließend werden Konferenzen abgehalten, und dann?

Während Naomi Campbells neuester Wutausbruch die Welt bewegt, werden Leitlinien „überprüft” und „mögliche” Änderungen (hoffentlich schnell) besprochen. Für die betroffenen Opfer der Missbrauchsfälle, die sich nach jahrelangem Schweigen endlich getraut haben, ihre seelische Qual öffentlich zu machen, wird das nicht unbedingt hilfreich sein. Genauso wenig wie eine salbungsvoll vorgebrachte Entschuldigung.

Andererseits kann seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nicht einfach tobend seinen Unmut kundtun. Er muss, der Würde seines Amtes entsprechend, seine Bestürzung in wohlfeile Worte verpacken. „Raus aus dem Tempel, ihr verdammten Nestbeschmutzer und ab in die Engelsburg mit euch!”, würde wohl vielen besser gefallen.

Während Loddar wieder medienwirksam mit seiner Liliana herumhängt, beschäftigt sich der Gläubige mit der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche. Denn einerseits werden des Missbrauchs Verdächtigte oder Überführte - beschützt vom weitreichenden Mantel der Heiligen Mutter Kirche - von Kloster zu Pfarre zu Diözese weitergereicht, und - welch Irrsinn - wieder auf Schutzbefohlene losgelassen. Andererseits wird Geistlichen verboten ihr Amt auszuüben, weil sie sich erdreisten, eine Frau zu lieben, eine Ehe zu schließen, Kinder zu zeugen.

Während ein Herr Sarrazin sich für die Gesundheit von Hartz IV-lern stark macht und ihnen das Kaltduschen empfiehlt, bleibt uns unerklärlich, dass das Milliardenunternehmen Katholische Kirche in all den Jahren nicht den Mut aufbrachte, sich derartigen Skandalen zu stellen und die Pädophilen-Problematik sogar heute noch nur hinter fest verschlossener Tür diskutiert.

Jedenfalls ist es an der Zeit, dass die Kirche das, was sie den Gläubigen predigt, für sich selbst entdeckt:
Besinnung und Einkehr,
den Blick auf das Wesentliche und ehrliche Ordnung in den eigenen Reihen. 

Es sind Einzelne, die die Kirche immer wieder in Verruf bringen und die gilt es, herauszufiltern. Man darf - Gott bewahre - nicht alle Geistlichen, die sich rührend der Kinder- und Jugendseelsorge widmen, in einen Topf mit den Fehlgeleiteten stecken.

Erlöse uns von diesem Übel! Amen.

 

 

 

 

 

Der Mensch ist ein Kunstwerk

 

 


… und manch einer ein geistiges Nackerbatzl!
Wie konnte es sonst geschehen, dass in der Wiener Secession ein Swingerclub als Kunstausstellung Einzug hielt?

Nun gut, man könnte zugunsten der „Künstler” einwenden, dass um 1897, als  unter Klimt, Moser, Olbrich und anderen der Jugendstil seine Hochzeit feierte, sich jedermann damals der Leidenschaft - in jeder Hinsicht - hingab. Das ist aber auch schon alles, was einem dazu einfallen könnte.

Während man also tagsüber durch die ehrwürdigen Kunsthallen wandelt, darf Mann sich abends für 36 Euro, Frau für die Hälfte, wolllüstig in kuscheligen Separées den Elementen der Nacht hingeben und verborgene Gelüste ausleben.

Das entsprechende SM-Spielzeug - für Interessierte ab 18 Jahren - ist ausreichend vorhanden und Gynäkologenstühle und Fesselgestelle laden zum „Ausprobieren” ein.

Initiiert wurde diese absolute Traurigkeit von dem Schweizer Künstler Christoph Büchel und der Wiener Secession.

Dass dafür sogar österreichische Sponsorengelder von 90.000 Euro flossen, bedarf keiner weiteren Kommentierung mehr.

Es ist klar, dass es sich um die Provokation eines Künstlers handeln soll. Meiner bescheidenen Meinung nach hat jedoch ein Swingerclub mit Auslebecharakter in einer derartigen Kunsteinrichtung nichts zu suchen.

Einige schwarze Politiker fühlen sich getäuscht, weil im Antrag der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession von einer „Ausstellung und Rahmenprogramm in Form von musikalischen Darbietungen mit Publikumstanz” die Rede war, nicht von einem Allerwelten-Gruppensex-Happening, wie es jetzt der Fall ist.
Die Freiheitlichen stellten einen Fragenkatalog an den roten Kulturstadtrat zusammen, dessen Partei darauf herumreitet, dass die Freiheitlichen „gegen die Kunst” eingestellt sind. Die Grünen wiederum lehnen sich gemütlich zurück, freuen sich über den matten Schlagabtausch der anderen Parteien und meinen lapidar, die Diskussionen darüber seien lächerlich.

Einen Swingerclub als Kunstwerk zu verkaufen, hat schon was. Das kann auch nur in Wien passieren.

Das vielgerühmte und moserisch-grantelnde Wiener Blut ist nicht mehr süß, es ist dickflüssig-dekadent geworden. Es riecht nach Fäulnis in einer Zeit, in der die Menschen durch meterhohe Sorgen waten.

Unter Umständen ist es gerade das, was die Menschen zu Sauferei und Hurerei veranlasst.

Möglicherweise hat Christoph Büchel den Swingerclub als eine Ausdrucksform zur Ohnmacht Leben erkannt - vielleicht wird diese Art der zeitgenössischen Kunst unter diesem Gesichtspunkt verständlich.

Was wird wohl als nächstes in der Secession zu sehen sein?

Morbide, wie das derzeit swingende Wien zu allen Zeiten war und ist, würde jetzt wohl eine Anleitung zum perfekten Selbstmord in 666 „lebenden” Bildern das Passende sein.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Katzenliebe

 

 


Vor einigen Tagen telefonierte ich mit meiner heulenden Tochter. Vor meinem geistigen Auge spielten sich Horrorszenarien ab, die meine beiden Lieblingsenkel zum Thema hatten wie Finger im Ausguß, weggelaufen, aus dem ebenerdigen Fenster gesprungen, nackt herumgelaufen, Kekse in den Schlitz des DVD-Players gesteckt, Platzwunde, Bücherregale ausgeräumt, Nase gebohrt, Zähne ausgeschlagen, Katzenfutter versteckt, Cut in der Augenbraue, fiebrige Erkältung, Essen ausgespuckt, Tobsuchtsanfall, weil das Lieblingsshirt in der Schmutzwäsche liegt, Schokolade geklaut, Finger auf heißer Herdplatte, Beine mit Kuli angemalt, Getränk umgestoßen, böse Schimpfworte gelernt, Schlüsselbeinbruch, Handschuhe verloren, Prügelei im Kindergarten, Schreikonzert, weil ein Puzzleteil fehlt, ganze Packung Gummibärchen verdrückt und Bauchweh und mehr.

Glücklicherweise war dem nicht so. Meine Tochter heulte, weil ein Kater, der sich früher mit schöner Regelmäßigkeit bei ihr durchfutterte, nach einigen Monaten Abwesenheit wieder bei ihr aufgetaucht war.

Ich könne mir nicht vorstellen, sagte sie unter Tränen, wie Clarence ausgesehen hätte. Ausgemergelt, mit struppigem Fell hätte er leise vor dem Fenster miaut. In der Wohnung wäre er dann ängstlich herumgelaufen. Sie hatte ihm schnell einen Fressnapf gefüllt, auf den er sich sofort stürzte, und ein Schüsselchen mit Wasser hingestellt. Hektisch hat sich Clarence immer wieder umgesehen, ob nicht vielleicht von irgendwoher Gefahr drohte und sich dann unter die Essbank verkrochen.

Es hat einige Zeit gebraucht, bis er wieder ein klein wenig zutraulich wurde.

Meine Tochter fragte sich natürlich, was dem Kerl während der Zeit seiner Abwesenheit zugestoßen war.  Er sei Epileptiker - sie war damals mit ihm beim Tierarzt -, der viel Zuwendung braucht, meinte sie. Vielleicht wurde er wegen seiner Krankheit ausgesetzt wie so viele Tiere, die nicht mehr putzig-jung sind und irgendwann Arbeit machen? Nachdem sie sich einige Zeit mit ihm beschäftigt hatte, verließ Clarence sie wieder, erzählte sie traurig.

Ich kann meine Tochter verstehen. Von klein auf an einen respektvollen Umgang mit Katzen gewöhnt, pflegt und hegt sie alle Samtpfoten, die bei ihr auftauchen.

Sie selbst hat zwei Stubentiger. Goliath ist ihr vor fünf Jahren zugelaufen, und Katie, bereits damals eine alte Dame, übernahm sie nach einem Todesfall. Da sie nie sterilisiert wurde, bekommt die gute noch ab und an Frühlingsgefühle. Die verarbeitet sie dergestalt, dass sie nachts an der Schlafzimmertür kratzt, auf das erbärmlichste maunzt und dann bespielt werden will. Um drei oder vier Uhr früh hätte ich nicht den Nerv dazu, im Gegensatz zu meinem Kind. Katie bringt Stoffmäuschen, Tochter wirft. Nach rund einer halben Stunde ist die alte Dame endlich müde und Tochterherz darf wieder ins Bett.

Goliath ist ein Freigänger, der sich manchmal bei meiner Tochter mit kannibalischen Geschenken bedankt, was nicht gerade appetitlich ist. Das gehört nun mal dazu, meint meine Tochter nur.

Eines Tages tauchte bei ihr ein kleiner schwarzer Kater auf, der sich sehr schnell heimisch fühlte. Und blieb. Sein Bezugspunkt war mein Enkel - die beiden wurden ein Herz und eine Seele. Leider war der Kater unheilbar krank, so dass er eingeschläfert werden musste. Dieses Erlebnis war so dramatisch, dass mein Enkel sogar noch heute von seinem kranken Flumi spricht. Er vermisst ihn, trotz der anderen vierbeinigen Besucher.

Meine Tochter ist sehr traurig über Clarences Zustand. Sie hofft, dass er Menschen findet die ihm helfen, wenn er vor ihrer Türe sitzt und nicht weiter weiß.

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

 

Kehrseite einer Faschingsmedaille

 

 


Die 21-jährige Maxi befindet sich in einer Ausbildung zur Sozialpädagogin. Sie wohnt bei ihrer alleinstehenden Mutter, die sich jedoch das Vergnügen einer lockeren Beziehung zu einem verheirateten Mann leistet. Da die junge Frau sich der Mutter, die sie mit allen möglichen Geschenken und Klamotten immer wieder gängelte, unterordnete, kam Maxi auch einigermaßen gut mit ihr aus.  Doch seit einiger Zeit hat Maxi einen Freund. Der ist zwölf Jahre älter und der Mutter ein Dorn im Auge.

Dass sich Maxi nun täglich anhören muss, nur die Mutter wüsste, was gut für sie ist, was sie unter Entbehrungen alles für sie geleistet hat, und dass der Freund viel zu alt ist, sich zwischen Mutter und Tochter drängt und vieles mehr, ist grausam. Die Tiraden gehen so weit, dass sie der Tochter vorjammert, ohne sie allein zu sein und nicht zu wissen, was sie ohne die Tochter anfangen sollte. Zudem verlangt die Frau, über alles informiert zu werden. Wenn Maxi sich nicht drei Mal am Tag telefonisch bei der Mutter meldet, ist im wahrsten Sinne der Teufel los. Um die Tragik perfekt zu machen, bestimmt die Mutter auch über das Kindergeld und speist Maxi mit fünf Euro ab, wenn diese mal ausgehen möchte.

Die junge Frau weiß insgeheim, dass sie sich zur Wehr setzen und von der Mutter lösen müsste, doch sie ist dazu nicht in der Lage. Sie getraut sich nicht, Stopp zu sagen.

Maxi ist hin- und hergerissen. Einerseits will sie die Mutter nicht „alleine” lassen und schon gar nicht verletzen, andererseits ihren Freund nicht verlieren.

Die mütterlichen Vergiftungen tun weh. So sehr, dass Maxi nicht mehr schlafen kann. Ihre vormals guten Noten sind - salopp gesagt - im Keller. Ratschläge Dritter saugt sie auf, ist jedoch nicht in der Lage, sie auch in Taten umzusetzen.

Mittlerweile wiegt Maxi bei einer Körpergröße von 1,78 cm gerade mal 45 kg. Als sie unlängst bei einer Freundin auftauchte, war diese entsetzt über Maxis Zustand. Weil ihr schwindelig war und sie kaum noch stehen oder gehen konnte, packte die Freundin Maxi kurzerhand ins Auto und fuhr mit ihr zum Arzt.

Nach einem längeren Frage- und Antwortspiel nebst Untersuchung konstatierte dieser bei der jungen Frau ein Burn-out-Syndrom und verwies sie sofort an einen Therapeuten.

Maxis Mutter kann diese Diagnose überhaupt nicht verstehen. Als die Freundin bei ihr anrief weigerte sie sich, den bedrohlichen Zustand ihrer Tochter zur Kenntnis zu nehmen. Es wäre doch alles in Ordnung.

„Siehst du nicht, dass es Maxi nicht gut geht? Sie hat zehn Kilo abgenommen, ihre Noten werden immer schlechter. Die Belastungen sind viel zu groß, weil du ihr dauernd vorjammerst, was du alles für das Kind getan hast. Du verlangst zu viel von ihr. Lass Maxi doch endlich ihr eigenes Leben leben. Mit 21 ist sie alt genug dafür. Willst du, dass sie zusammenbricht? Sie muss unbedingt zu einem Therapeuten.”

„Was soll das? Wovon soll Maxi denn ein Burn-out-Syndrom haben? Es geht ihr doch gut. Sie hat schon 500 Gramm zugenommen. Und heute Abend ist wieder eine Faschingssitzung, da tanzt sie in der Garde mit …”

„Verstehst du nicht, dass Maxi krank ist? Sie braucht dringend Hilfe und Unterstützung!”

„Ja aber nicht jetzt. Erst wenn der Fasching vorbei ist.”

Zur Erklärung: Maxis Mutter ist, was den Fasching betrifft, regelrecht besessen. Maxi tanzt seit ihrer Kindheit in einem Faschingsverein. Was ihr früher noch Spaß gemacht hat, ist heute ein eher ungeliebtes Pflichtprogramm, das sie für ihre Mutter absolviert. Im letzten Jahr wurde sie von der Mutter sogar zu den Auftritten gezwungen, obwohl sie keine rechte Lust dazu hatte.

Die Mutter sonnt sich im Glanz ihrer Tochter, die mit ihren Tanzdarbietungen zum Gelingen der diversen Feiern beiträgt.

Selbst ihre drei und fünf Jahre alten Enkel will diese Frau zu den Faschingssitzungen schleifen. Glücklicherweise hält deren Mutter nichts von dieser Art der Überforderung und weist die Obsessive in die Schranken.

Ich denke, nicht nur Maxi braucht dringend eine Therapie.

Oder sehen Sie das anders?

 

 

 

 

 

Ein Freund, ein guter Freund …

 

 


Zwei Freunde unterhalten sich darüber, dass der Fernseher des einen nicht richtig funktioniert. Sie rätseln hin und her, probieren hier, schalten da und schließlich kommen sie auf die Idee, dass möglicherweise etwas mit der Satellitenschüssel nicht richtig funktioniert. Sie sprechen darüber, aufs Dach zu steigen und dort mal nach dem Rechten zu sehen.

Plötzlich, unvermutet und völlig aus heiterem Himmel findet Michael seinen Freund Peter schwer verletzt vor seinem Haus am Boden liegend vor. Entsetzt informiert er die Rettung.

Peter liegt einige Zeit im Koma, ist jetzt halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl und braucht für jeden Handgriff seine Lebensgefährtin; selbst wenn er die Toilette aufsuchen will, ist er auf Hilfe angewiesen.

Michael geht es gut. Er hat sich dergestalt aus der Verantwortung gezogen, dass er angibt nicht zu wissen, was Peter auf seinem Dach gesucht haben könnte. Vielleicht nach der Sat-Anlage zu sehen? Das kann er sich nicht vorstellen. Wieso denn auch? Ist doch alles in Ordnung.

Peter hat sich also still und heimlich die Leiter seines Freundes Michael genommen, ist - natürlich ohne Michael zu verständigen - auf dessen Dach gestiegen und hat, wiederum ohne Michaels Wissen, versucht, dessen Sat-Anlage zu reparieren. Dass Peter dabei vom Dach gerutscht ist, kann Michael nicht angelastet werden. Denn Michael weiß von nichts.

Michaels Gewissen ist rein wie mit Persil gewaschen. Weder er noch sonst irgendein Nachbar hat etwas gesehen oder gehört. Es ist allein Peters Schuld, so eine Arbeit - in seiner Freizeit - in aller Heimlichkeit ausgeführt zu haben. Jetzt Michael zu beschuldigen, wäre eine bodenlose Frechheit!

Wie bitte? Diese Geschichte hat doch mehr als einen Haken. Ich kümmere mich doch nicht heimlich um eine Anlage auf dem Dach meines Freundes, ohne mit ihm darüber zu reden. Außerdem würde ich doch auch sofort wissen wollen, ob das Fernsehbild nun in Ordnung ist oder nicht. Mir kann doch keiner erzählen, dass eine dörfliche Gemeinschaft nichts davon weiß, wenn einer der Nachbarn auf das Dach eines anderen steigt. Gerade in einem Dorf, wo alles genauestens beobachtet, „breit getreten” und betratscht wird.

Peter kann froh sein, dass sein „Freund” wenigstens noch die Rettung informierte. Das war wohl der letzte so genannte Freundschaftsdienst, den er Peter erwiesen hat. Denn nach Peters „selbst verschuldetem” Unfall ist es aus zwischen den beiden.

Dank Peters Amnesie spielt Michael Pilatus - er wäscht seine Hände in Unschuld. Er braucht sich um nichts zu kümmern. Was er auch ausgiebig tut.

Und die Nachbarn? Die wollen es sich mit dem guten Michael nicht verscherzen. Sollte einer vielleicht doch rein zufällig etwas gesehen haben, müsste Michael möglicherweise für seinen früheren Freund Zahlungen leisten. Das will dem armen Michael niemand zumuten. Noch dazu, wo man in dem kleinen Dorf in enger Nachbarschaft miteinander auskommen muss.

Während also Michael aus dem Schneider ist, sitzt Peter im Rollstuhl. Na und, während der Freizeit passieren die schlimmsten Unfälle. Das kann doch jedem passieren. Geht ganz schnell.

Ich hoffe, Michael fühlt sich wohl in seiner Haut. Und ich hoffe für Peter, dass er trotz des erlittenen Leides und der bitteren Enttäuschung Freude in seinem Leben findet.

Den sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache.
Quintus Ennius
(129 - 169 v. Chr)

Eine vollkommene Freundschaft gibt es nur zwischen guten und an Rechtschaffenheit gleichstehenden Menschen.
Aristoteles
(384 - 322 v. Chr)
 

Ein gewesener Freund ist schlimmer als ein Feind.
Sprichwort